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Die geschriebene Wahrheit?

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

zunächst mal ist es ja schon bezeichnend, wenn jemand tatsächlich meint die Bibel sei das Wort Gottes, der Koran das Gesetz Gottes und die jüdische Bibel das geschriebene Wort Gottes sei und somit eigentlich leugnet, das diese Bücher in mehrfacher Hinsicht ein von Menschen gemachtes Produkt ist: nicht nur die Autoren, auch die Redakteure waren nun mal Menschen. Weder Moses, Jesus oder Muhammed kannten sie oder dachten auch nur im entferntesten dieses Wort oder Gesetz Gottes aufzuschreiben. Beim Koran ist auch bekannt das erst unter Uthman die erste Form des Koran entstand und man feilte dann mehrere Jahrhunderte an ihm, bis er fertig war. Bei der Bibel war es ja genauso, erst Kaiser Konstantin entschied wie die Bibel auszusehen hat und das war immerhin drei Jahrhunderte nach dem Tot von Jesus und viele Evangelien der damaligen Zeit fanden auch nicht Eingang in die Bibel.

Man muss auch bedenken das die Geschichten in diesen Büchern einer eigentlich mystizistischen Verklärung gleichkommt, dass unsere Vorfahren irgendwie die besseren, wissenderen Menschen gewesen seien sollen, und alles mögliche besser gewusst hätten als wir. Derselbe Umstand, hat sich ja auch mit dem Weltuntergang am 21.12.2012 und dem Maya-Kalender Bahn gebrochen und heute schreiben wir Anno 2015 und die Welt ist nicht untergegangen, wie sollte sie auch, aber Milliarden von Euros wurden mit dem Thema umgesetzt. Also mal ganz ehrlich die Maya konnten vor zweitausend Jahren irgendwie ihren eignen Untergang vor eintausend Jahren nicht voraussehen geschweige denn waren sie in der Position gewesen mehr über die Welt in der wir leben zu wissen als die Menschen die im 21. Jahrhundert leben. Wie kommt man auf derartigen Unsinn? Sämtliche menschlichen Kulturen über die wir etwas wissen waren deutlich weniger gebildet als die, die in unserer heutigen Zeit existieren. Was fangen wir also mit dem dicken Buch, wie der Bibel, Koran oder Thora eigentlich an?

Prinzipiell nicht viel außer das viele darin eine unumkehrbar wahre Geschichte halten und andere meinen sie wäre ein zentraler Dreh- und Angelpunkt unserer oder der jeweiligen Kultur. Einige wollen sie beweisen, wie zum Beispiel den Exodus oder auch außerhalb der Religion findet man dieses Verhalten, nimmt man die Geschichte von Platon über Atlantis. Man kann sich eigentlich nur Fragen was das soll? Diese Leute verstehen diese Geschichten als unumkehrbare Wahrheit und versuchen krampfhaft die Orte zu finden und die Geschichten als geschichtliche Dokumentation ansehen, was eigentlich etwas lächerlich ist. Das diese Leute sich selber nicht als Lachfiguren sehen versteh ich persönlich nicht. Bei all dem Wissen was unsere Kultur hervorbrachte müssen diese Leute doch einsehen, das die Geschichte von Atlantis eigentlich eine Fiktion sein muss und Platon hat die Geschichte vom idealen Staat Atlantis auch nicht zu Ende geschrieben. Der Exodus war auch mehr eine Geschichte die wohl erst zu der Zeit entstand in der die ersten Formen des Judentums entstanden und irgendwelche Priester sich genötigt sahen ihrer Gemeinschaft eine Identität zu geben. Also mal ganz ehrlich mehrere zehn- oder hunderttausend Menschen irrten im Sinai 40 Jahre umher? Die scheinen echte Probleme mit der Orientierung gehabt zu haben, denn so groß ist der Sinai nun wirklich nicht. Oder die Storys über König David oder Salomo, deren Leben und Taten nun wirklich nur vom alten Testament überliefert wurden. Weder in Ägypten, Babylonien oder Assyrien waren David und Salomo oder ihr Reich überhaupt bekannt. Wie kann man solche Geschichten als Wahrheit ansehen?

Dabei verstehen die heutigen Apogolethen der religiösen Bücher nicht was die Autoren der Geschichten mit der Niederschrift bewirken wollten. Man könnte die Bibel als eine Sammlung netter Geschichten über Jesus Christ Superstar sehen und es dabei bewenden lassen, aber das reicht den Gläubigen nicht. Man kann sie auch als moralischen Leitfaden sehen, der allerdings nunmal vor einigen Jahrhunderten verfasst wurde, weshalb die Regeln und Gleichnisse an unsere Zeit angepasst werden oder als unzeitgemäß verworfen werden müssen. Da scheint vieles aus der Jesusgeschichte für eine versöhnliche, demütige, für das eigene Handeln selbst verantwortliche, möglichst menschliche Lebensführung zu stehen. Leider scheinen sich die meisten Gläubigen auch dem zu verschließen. Diese Leute verstehen Jesus als Christ, was diesem wohl etwas komisch vorgekommen sein müsste, oder als Abendländer, dabei lebte dieser im Morgenland.

Dann gibt es da noch jene Deutungsmöglichkiten mit denen man sich selbst über seine Mitmenschen überhöhen kann, anderen Vorschriften und Regeln machen kann wie die ihr Leben zu leben haben, Menschen unter die Knute zwingen und zum Profit weniger ausbeuten kann, Völker im religiösen Wahn gegeneinander aufhetzen kann und allgemein die schlimmsten Seiten menschlichen Daseins zutage fördern kann. Das nennt sich dann "Religion".

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