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2019, atmosphärische Kohlendioxidkonzentration ist weiter am steigen

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

atmosphärische Kohlendioxidkonzentration am 25. Januar 2019 und die Keeling Kurve von 1700 bis heute Quelle: Scripps Institution of Oceanography
atmosphärische Kohlendioxidkonzentration am 25. Januar 2019 und die Keeling Kurve von 1700 bis heute Quelle: Scripps Institution of Oceanography

Diese Woche las ich die Vorhersage der Konzentration des Kohlendioxidgehaltes in der Atmosphäre für 2019 des britischen MetOffice. Der durchschnittliche Mittelwert der CO2 Konzentration soll übers Jahr gesehen bei 411,3 ppm liegen, mit Spitzenwerten von 414,7ppm im Mai und einem Rückgang bis 408,1ppm im September, wobei die erwartete Fehlertoleranz von +/-0,6ppm liegen soll. Immerhin liegt dieser Wert rund 2,75ppm über der durchschnittlichen Konzentration des Spurengases CO2 des Jahres 2018 und das gab mir dann schon zu denken. 

Das erste Jahr war in dem der Mittelwert über die 400ppm Marke stieg war 2015, damals wurde sie mit 400,1ppm gemessen, 2016 lag die Konzentration bei 403,3ppm und 2017 bei 405,5ppm. Im November 2018 lag sie dann bei 408,02ppm. Als die ersten Messungen der CO² Konzentration im März 1958 auf dem Mauna Loa erfolgten lag der Wert noch bei 313ppm

Nimmt man dann die Zuwachsraten erkennt man schnell das die Zunahme seit den 1970er Jahren sprunghaft angestiegen ist. In der ersten Dekade der Messungen rangierte der jährliche Zuwachs zwischen 0,56 bis 1,1ppm, in der zweiten dann zwischen 0,68 bis 2,14ppm, in der dritten von 1,00 bis 2,25ppm, in der vierten 0,73 bis 2,82ppm, in der fünften von 1,37 bis 2,25ppm und in der sechsten Dekade die bis 2017 reicht von 1,70 bis 2,92ppm. Naja interessant wie ich zumindest finde, zeigen diese Zahlen Wachstumsschübe und auch Rezessionen der Wirtschaft, aber ebenso große Vulkanausbrüche. Aber in der Summe zeigen diese Werte die Abhängigkeit der Menschheit von den Fossil Fuel Energieträgern, wie Erdöl, Erdgas und der Kohle, und auf der anderen Seite zeigen sie aber auch die Abhängigkeit von der ökonomischen Wachstumsideologie.

Im Emission Gap Report 2018 des UN-Umweltprogramms las ich das die vom Menschen verursachten Kohlendioxid-Emissionen im Jahr 2017 auf 53,5 GtCO2 beziffert wurden, was einem Anstieg von rund 0,7 Gt zum Vorjahr entsprach. Also die Gesamtmasse des in der Atmosphäre vorhandenen Kohlendioxids beträgt meines Wissens nach 400ppm x 109, wobei wir von ungefähr 400 Gt Kohlendioxid in der Atmosphäre sprechen würden. Erkennbar wird hier spätestens das wir von einem Kohlendioxidhaushalt wohl sprechen müssen, oder anders gesagt von einer Veränderung der atmosphärischen Chemie durch den Menschen. Allein das Zahlenverhältnis spricht da Bände, aber anders als in der Politik und vielen Medien würde ich beim CO2 nicht von einem Schadgas sprechen. Schaut man in die Vergangenheit und zwar zum Ende der letzten großen Eiszeit stieg der Mittelwert von 260 auf 280 ppm CO2 in der Atmosphäre an und verhinderte somit eine erneute Abkühlung. Mit dieser kleinen aber feinen Anhebung der Konzentration bekamen wir die Warmzeit in der sich die ersten Zivilisationen im Zweistromland und Ägypten entwickelten. 

Wie man bei den Gärtnern eben auch sagt: "Zuviel des Guten ist der Pflanze Tot", ebenso verhält es sich mit den atmosphärischen Treibhausgasen, die allesamt Spurengase sind. Wie man in der Schule lernt setzt sich die Atmosphäre zu 78,1% aus Stickstoff, 20,9% Sauerstoff und zu 0,93% aus Argon zusammen. Die Spurengase in unserer Atmosphäre sind CO2, Methan (CH4 ), Distickstoffoxid (N2O) und Ozon (O3). Diese Spurengase haben einen Anteil von unter 1%, sind aber die Stellschrauben für unser Klima. Ohne sie läge die globale Durchschnittstemperatur bei -18°C. Beim Kohlendioxid stieg die Konzentration in den letzten 60 Jahren von 0,3 auf 0,4% und da will mir einer mal erklären warum dieser Anstieg keine Auswirkungen auf unser Klima haben soll? Immerhin soll der El-Nino 2015/16 rund 8,8 Mrd. Tonnen CO2 zusätzlich in der Atmosphäre verbracht haben, besser gesagt ein wärmerer Ozean bindet weniger Kohlendioxid aus der Atmosphäre. Effekte des Klimawandels die zumindest in meinen Augen durchaus Erklärungsbedürftig sind, denn die Ozeane sind die mit abstand größten CO2-Speicher auf dem Planeten. Sie haben bislang wohl rund die Hälfte des menschlichen CO2 Eintrags in die Atmosphäre aufgenommen. Das interessante daran ist das sowohl physikalische und auch biologische Prozesse diesen Aufnahmevorgang sozusagen steuern. In wie weit der anthropogene Klimawandel diese Balance der Kohlenstoffaufnahme in den Ozeanen beeinflussen wird ist derzeitig noch unklar, nur eines ist Fakt die Ozeane erwärmen sich und damit werden auch die Karten der Aufnahme- und Abgabeprozesse dieser Kohlenstoffsenke neu gemischt.  

Ergo, da hört für mich persönlich das Verständnis auf. Also wenn der Anstieg im frühen Holozän von 260 auf 280 ppm CO2 in der Atmosphäre zu der Warmzeit führte in der sich die frühen Zivilisationen entwickelten, ist der Anstieg von rund 100 ppm in 60 Jahren wohl alles andere als nicht Besorgniserregend. Was mich besonders ärgert, vor ein paar Jahren war ich auf einem Auftritt des Kabarettisten Dieter Nuhr in Zwickau. Nun gut der Abend war recht unterhaltsam, aber Herr Nuhr brachte das Ding den Klimawandel als Bullshit zu bezeichnen, da die Wissenschaftler ja an der wende der 1960/70er Jahre eine erneute Eiszeit prophezeiten. Im Publikum herrschte daraufhin eisernes Schweigen, kein Applaus, kein Gelächter und nach einer kurzen Unterbrechung relativierte Dieter Nuhr seine Einlassung offensichtlich mit einigen Widerwillen, okay dachte ich der ist lernfähig. Im Januar 2019 sah ich im Fernsehen Nuhr 2018-der Jahresrückblick, da brachte der Typ die selbe stereotype Behauptung, nur diesmal mit mehr Erfolg, eine Relativierung seinerseits erfolgte nicht, denn das Publikum zog mit und das im öffentlich rechtlichen Rundfunk. Ich hab den Fernseher dann ausgemacht und ein Buch gelesen. Aber diese Episode zeigte mir, es gibt immer noch recht einflussreiche, man muss schon sagen Ideologen die wissenschaftliche Fakten ganz bewusst mit Halbwahrheiten in Zweifel ziehen um Geld zu verdienen. Die Sache mit dem Feinstaub und dem Dieselskandal die er zum besten gab will ich gar nicht erwähnen, das war noch mehr als ärgerlich. Hier nur ein Link zum MPI in Mainz dazu. 

Die Kältewelle im Januar über Nordamerika Quelle: NOAA
Die Kältewelle im Januar über Nordamerika Quelle: WMO/NOAA

Der Background mit einer erneuten Eiszeit war der folgende, Ende der 50er Jahre wurden stichprobenartig die Durchflussmenge des Golfstroms gemessen und Mitte der 60er Jahre widerholt, mit dem Ergebnis das sie sich verringert um 30%. Daraufhin wurde die Theorie von der erwarteten neuen Eiszeit für Europa geboren, das pikante ist die Theorie stimmt ja auch, wenn der Golfstrom versiegen würde wäre Europa ein weiterer Kältepol der Erde. Nur das die Durchflussmenge um 30% verringert hatte stimmte so nicht, Langzeitstudien zu diesem Thema fehlten einfach. Ein anderer Effekt der menschlichen Aktivitäten auf dem Planeten spielte in diesen Gedanken über eine neue Eiszeit primär eine Rolle, das industrielle Zeitalter das eine Art globale Verdunklung erzeugte. Das hieß nichts anderes das der Aerosoleintrag in die Atmosphäre aus Verkehr, Industrie und privaten Haushalten die Sonneneinstrahlung minderte und die Temperaturen senkten. In der Klima-Forschung kann man heut zu Tage die Angström-Prescott-Gleichung anwenden um diesen Effekt in den Klimamodellen darzustellen. Allerdings sagte man der globalen Verdunklung damals auch den Kampf an, durch Gesetze die eine signifikante Senkung des Aerosoleintrags ermöglichten, denn der globalen Verdunklung folgte seit den späten 1980er Jahre eine globale Aufhellung und die globalen Mitteltemperaturen stiegen an. Daran sieht man auch die Wissenschaft ist nie ganz Fehlerfrei in ihren Prognosen, nur Wissenschaftler haben auch den Mumm dies zuzugeben, Kabarettisten anscheinend nicht.

Aber jetzt mal zum Ausgangspunkt des Beitrages zurück, also wenn sich die Prognose des MetOffice bestätigt wäre der Anstieg der Kohlendioxidkonzentration im Jahre 2019 einer der stärksten die man bisher beobachten konnte. Mit in die Betrachtung mit einbinden sollte man die Möglichkeit das sich ein weiterer El-Nino entwickeln könnte. Die Wahrscheinlichkeit ist mit derzeitig 50% relativ gesehen hoch, aber mal abwarten und Tee trinken, am Ende des Jahres sind wir etwas schlauer? Naja ich weis nicht, der Januar 2019 fing ja schon gut an, die WMO titelte ein Monat mit Extremen. Kältewelle in Nordamerika und Hitzewellen mit rekordverdächtigen 46,4°C in Adelaide über Australien und ein verspäteten Einsetzen des Monsuns im Norden des Kontinents Ende Januar. Über Teilen Südamerikas ebenfalls Hitzewellen und rekordverdächtige Überflutungen in Argentinien. FEWS vermeldete das die Regensaison 2018/19 über dem südlichen Afrika mit 10 bis 20 Tagen Verspätung einsetzte, im östlichen Südafrika, südlichen Mosambik, Zimbabwe und Angola sogar mit 30-60 Tagen Verspätung. Unser DWD vermeldete das der Januar Deutschlandweit eine Mitteltemperatur von 0,6°C aufwies und damit 1,1°C über dem der Referenzperiode von 1961-1990 lag. Wie es im Februar weitergeht, mal sehen aber auf die faule Haut legen geht auch nicht. 

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