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Der September 2017 und die Hurrikan-Saison im atlantischen Bassin

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Aber beginnen will ich mit Deutschland, der September 2017 war hier zu Lande ein wirklicher Herbstmonat. Interessanterweise war er ein wirklicher Kontrast zum September 2016, dieser brachte Deutschland einen Mittelwert 16,9°C, der September 2017 brachte es gerade einmal auf 12,7°C. Damit lag er 0,8°C unter den Mittelwerten der Referenzperiode von 1981-2010. Etwas erstaunlich fand ich das der erste Herbststurm am 13. September zuschlug, immerhin beginnt der eigentliche Herbst erst am 21. September. Aber Sturmtief Sebastian brachte der Nordseeküste Windgeschwindigkeiten von über 130 km/h und tötete auch zwei Menschen. Das erstaunlichste an Orkan Sebastian war, die größten Regenmengen ließ er über dem Südwesten des Landes abregnen, während er den Norden mit Orkanböen heimsuchte. Nach einiger Recherche lässt sich zu meiner eignen Ernüchterung aber eines sagen, Orkan- und Sturmtiefs sind für den September in unseren Breiten nichts ungewöhnliches. Vom 4. bis 6. September 2015 sauste das Sturmtief Jonas über uns hinweg. Vom 21. bis 23. September 2014 zog das Sturmtief Gudrun über den Norden Deutschlands. Der September 2013 hatte das Randtief Nandor, das Orkantief Roland, das Randtief Schorch und der September 2012 das Sturmtief Karin zu bieten. Im September 2011 erreichte das Sturmtief Erich die Nordseeregion und der Ex-Hurrikan Katia zog als Orkantief über Norddeutschland. Der September 2010 hatte das Sturmtief Hiltrud, das Randtief Imogen zu bieten und ein Jahr zuvor zog im September der außertropische Sturm Danny über die Nordsee. Mein anfängliches erstaunen über Orkantief Sebastian hängt wahrscheinlich eher mit meinem Langzeitgedächtnis zusammen, das diese vorhergehenden Ereignisse für den September einfach ignorierte. Aber daran sieht man das die Gedächtnisstütze Internet einfach kongenial ist, wenn man es nur nutzt. Die These das mit einem wärmeren Klima die Anzahl und Intensität von tropischen und aussertropischen Wirbelstürmen ansteigen wird lässt sich so nicht wirklich bestätigen. 

Der Hurrikan Maria über Puerto Rico am 20. September 2017 Quelle: NASA Earth Observatory
Der Hurrikan Maria über Puerto Rico am 20. September 2017 Quelle: NASA Earth Observatory

Selbst wenn man die diesjährige Hurrikansaison im Atlantik bemüht lässt sich diese Aussage immer noch nicht bestätigen. Mit Hurrikan Harvey, Irma, Jose und Maria haben wir zwar vier Hurrikane der Kategorie IV und V im Bereich des atlantischen Ozeans und seiner Seitenmeere gesehen, aber das letzte Jahr mit drei Major-Hurrikanen der Kategorie V in einer Saison liegt zwölf Jahre zurück. Überhaupt war 2005 mit 26 benannten Wirbelstürmen, davon 13 Hurrikane, eine ganz andere Kategorie. Aber die Saison 2017 ist noch nicht vorbei, diese Saison zählte bislang 15 tropische Stürme. Die pazifische Taifunsaison 2017 zählte bislang nur sieben Taifune, von denen einer den Status eines Super Taifuns erhielt. Ganz anders das Bild im östlichen pazifischen Bassin, dort gab es bislang 17 tropische Stürme, davon 9 Hurrikane. Mit der Anzahl und Intensität von Wirbelstürmen den Klimawandel zu belegen ist ein aussichtsloses Unterfangen, wohlgemerkt bislang. Das bislang stärkste Hurrikanejahr im östlichen Pazifik war 1992, gefolgt von 2015 mit dem Major Hurrikan Patricia der Windgeschwindigkeiten bis zu 345 km/h in einem ein minütigen Messintervall entwickelte. Im nordwestlichen Pazifik stellte bislang der Super Taifun Haiyan aus dem Jahr 2013 die Spitze dar, dieser erreichte 315 km/h in einem 10 minütigen Messintervall und in Böen sogar bis 380 km/h. Vergleichbar mit Haiyan ist nur der Taifun Meranti aus dem Jahr 2016, dieser erreichte ebenfalls Windgeschwindigkeiten von 315 km/h in einem 10 minütigen Intervall und verwüstete die Insel Itbayat, da hatte ich 2008 fünf Tage Urlaub gemacht. 

Vergleicht man die jährliche Intensität der Orkane weltweit fallen einem signifikante Unterschiede auf. Vor ungefähr dreizehn Jahren sprach man von einem 25 jährigen Zyklus in dem sich die Hurrikane im Atlantik intensivieren und wieder abschwächen. Dem nach sollen sich die meteorologischen Verhältnisse im Atlantik seit dem Jahr 1995 so geändert haben das sich die tropischen Tiefdrucksysteme intensivieren würden und dieser Zyklus mit intensiveren Stürmen sollte bis 2020 anhalten, so zu mindest die Theorie.    

Anzahl der tropischen Tiefdrucksysteme seit dem Jahr 1850-2012 im mittleren Atlantik und der Karibik Quelle: National Hurricane Center/NOAA
Anzahl der tropischen Tiefdrucksysteme seit dem Jahr 1850-2012 im mittleren Atlantik und der Karibik Quelle: National Hurricane Center/NOAA

Das diese Theorie eben auch nur eine Theorie war verdeutlicht obere Statistik des National Hurricane Centers in Miami, deutlich ist auch der Ausschlag des Jahres 2005 zu erkennen und ein anderes Klimaphänomen ist auch deutlich zu erkennen, das schreckliche Geschwisterpaar El-Nino und La-Nina, bekannter als El-Nino Southern Osszilation, kurz ENSO. Die relativ geringe Anzahl von Hurrikanen im atlantischen Bassin in den Jahren 1998, 2009 und 2015 oder 2016 wird im allgemeinen mit dem ENSO-Phänomen erklärt. Andererseits behielten die Hurrikane der Saison 2016 länger die Kategorie III bis V bei als in den Jahren 2012, 2013 und 2015.  

Der Grund für diese Telekonnektion ist auf den ersten Blick unklar, aber mit dem zweiten Blick hellt sich diese Unklarheit etwas auf. Über Westafrika herrscht bei einer ENSO-Situation im Pazifik im allgemeinen Trockenheit, d.h. der westafrikanische Monsun ist schwach ausgeprägt. In einer ENSO neutralen Situation entwickelt hingegen der westafrikanischen Monsun seine volle Stärke, wie zum Beispiel 2012. In diesem Jahr waren allein durch Überflutungen ca. 2,4 Mio. Menschen in 30 Staaten West- und Zentralafrikas betroffen, die der westafrikanische Monsun in den Sommermonaten bewirkte. Allein in den beiden Staaten Niger und Tschad waren Schätzungen der OCHA zufolge ca. eine Million Menschen betroffen. Nimmt man zum anderen die atlantische Hurrikansaison 2012 verzeichnete diese 19 tropische Stürme, davon 10 Hurrikane. Im El-Nino Jahr 2015 verzeichnete man hingegen nur 11 tropische Stürme im atlantischen Bassin, davon entwickelten sich vier zu einem Hurrikan. Eine gewisse Korrelation lässt sich durch diese Zahlen durchaus erkennen. Das dieses ENSO Phänomen durch den Klimawandel sich weiter verstärken und in kürzeren Intervallen auftreten könnte ist derzeitig aber noch Theorie und noch nicht hinreichend belegt. Belegt hingegen sind zwei Perioden mit einer stärkeren Hurrikanaktivität an der US-Ostküste und zwar von 150 bis 1150 und von 1400 bis 1675. Letztere ist besonders interessant, fällt doch dieser Zeitraum in ihrer zeitlichen Einordnung in den Beginn der kleinen Eiszeit in Europa, aber das Raster der zugrunde gelegten Studie ist etwas grob ausgefallen. 

Interessant ist das in diesem Jahr mit einer verstärkten Hurrikanaktivität in atlantischen Bassin die Anzahl der Überflutungen in West und Zentralafrika wieder zunahm. Laut einem UNICEF-Report vom 30. September waren rund 20.000 Haushalte im Süd-Sudan von den Überflutungen im September betroffen, es wurden in dem Land auch 1,57 Mio. Malaria- und 20.583 Cholera-Erkrankungen (Gesamt für 2016/17) registriert. In Uganda starben am 26. September 15 Personen bei einem Erdrutsch, im Wüstenstaat Mauretanien starben 18 Personen durch Überflutungen Anfang September. In Nigeria wurden Anfang September mehr als 10.000 Personen durch Überflutungen im Kogi-State vertrieben. Im September setzt sich die Reihe von Überflutungen in West- und Zentralafrika in diesen Sommer fort. Das man von diesen kleinen menschlichen Katastrophen bei uns so wenig Notiz nimmt hängt wahrscheinlich mit der kolonialen Vergangenheit dieser Region zusammen. Das Thema Fluchtursachenbekämpfung in dieser Region ist meines Erachtens auch eher ein rhetorisches politisches Mantra und das ganz ohne Inhalt. Will man die Migrationsströme aus der Region nach Europa zum Beispiel wirklich verändern wird man nicht umhin kommen diese Region zu entwickeln. Mal ganz nebenbei die Verhinderung von Migration hat meines Wissens nach noch nie funktioniert, das zeigen eigentlich alle Programme die eigens dafür aufgelegt wurden.       

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