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Wasserpiraterie in Kanadas hohen Norden

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Der Korpus Delikti, der ausgetrocknete Gletscherrandsee und Wasserquelle des Slims River. Quelle: Yukon Government/Michael Schmidt 16 July 2016

Der Korpus Delikti, der ausgetrocknete Gletscherrandsee und Wasserquelle des Slims River. Quelle: Yukon Government/Michael Schmidt 16 July 2016

Ja ein etwas reißerischer Titel, aber im Prinzip passt er aber auch. Im letzten Jahr ereignete sich ein ziemlich interessanter und vor allem seltener Vorgang in Kanadas Yukon-Territorium. Im Zuge der klimatischer Veränderungen im Hohen Norden Kanadas veränderte sich der Abfluss des Kaskawulsh-Gletschers dramatisch und verändert vermutlich auch die umliegende Ökoregion. Bis zum Frühjahr 2016 war der Hauptabfluss des Schmelzwassers des Gletschers der Slims River, der zum Wassereinzugsgebiet des Yukon River gehört. Der zweite und bis 2016 kleinere Zweitabfluss des Gletschers war der Kaskawulsh River, dieser gehört zum Wassereinzugsgebiet des Alsek River der in den Pazifischen Ozean hin entwässert. 

Im Frühjahr und Sommer 2016 ereignete sich etwas sehr bemerkenswertes, der Slims River wurde von seiner Wasserquelle getrennt und der Kaslawulsh River übernahm einen Großteil des Schmelzwassers des Gletschers und wurde so zu seinem Hauptabfluss, nur was war passiert? Durch die klimatischen Veränderungen im Hohen Norden ziehen sich die Gletscher in dieser Region immer weiter zurück, der Kaskawulsh-Gletscher bildet da keine Ausnahme, eine Gletscherzunge zog sich im Laufe des letzten Jahrhunderts ca. 1,8 Kilometer zurück. Es bildeten sich am Fuße der Abbruchkante mehrere Gletscherrandseen. Durch den Rückzug des Gletschers verändert sich auch die Moränenlandschaft am Fuße des Gletschers, im letzten Frühjahr bildete sich in dieser eine neue Schlucht die dem Slims River die Wasserzufuhr abschnitt und nun dem Kaskawulsh River zuführt. Diesen Akt einer natürlichen Wasserpiraterie ist 2016 wohl erstmalig beobachtet und in einer Studie auf Nature Geoscience erschienen. Das diese Veränderung des Wasserabflussregimes des Gletschers auch Folgen hat für die Ökoregion des Yukon Rivers sollte klar sein. Bis zu diesem recht einschneidenden Ereignis floss der Slims River in den Kluane Lake. Nun endet der Wasserlauf des Slims Rivers bereits 1,9 km vor dem Seeufer und der Wasserspiegel des Sees sank um einen Meter ab. Das eigentlich seltsame ist das der See zwar andere Wasserzuflüsse hatte, die aber im Zuge des Austrocknens des Slims River entweder versiegten oder den See ebenfalls nicht mehr erreichen. Auf jeden Fall wird diese Veränderung Auswirkungen auf die Laichgebiete des Ketalachses haben, ich bin mal gespannt ob diese sich darauf einstellen können.     

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