Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog

Nahm die USA billigend in Kauf ein Chemiewaffenlager zu treffen?

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Bild der Zerstörung in der Stadt Maarat al Numman, Provinz Idlib Quelle: UNICEF/Giovanni Diffidenti

Bild der Zerstörung in der Stadt Maarat al Numman, Provinz Idlib Quelle: UNICEF/Giovanni Diffidenti

Während man in den deutschen Medien und auch in der Politik allgemeines Lob für Donald Trumps Entscheidung hat, die US-Navy zu beauftragen den syrischen Luftwaffenstützpunkt Al-Shayrat mit Tomahawk-Marschflugkörpern anzugreifen, stellen sich mir ein paar Fragen über die eigentlichen Hintergründe. 

Allgemein gibt es über den Giftgasvorfall in der Provinz Idlib zwei konkurrierende Erklärungen, die des Westen, Assad war es, und die Erklärung die Russland über den Vorfall abgab. Welche der Versionen nun näher an der Wahrheit über den Vorfall liegt, obliegt streng genommen derzeitig dem Betrachter, belastbare Fakten gibt es keine, aber knapp 86 Personen sind durch den Kontakt mit toxischen Substanzen ums Leben gekommen. Das ist eigentlich der einzige belegbare Fakt zur Zeit. Dieser Umstand hindert derzeitig niemanden daran "schnelle Wahrheiten" unters Volk zu bringen und man kann es anscheinend nicht abwarten bis die UN und das OPCW durch Ermittlungen in einer Fact Finding Mission (FFM) die Meldungen der Opposition oder die russische Version bestätigen. Mit Ferndiagnosen wäre ich auch etwas vorsichtig, denn die Quellenlage ist mehr als dürftig. Zwar liefern türkische Untersuchungen Hinweise auf den Einsatz des Kampfstoffes Sarin, aber die Quelle des Sarins ist dann immer noch vollkommen unklar. Da die Türkei selber Kriegspartei in Syrien ist fehlt meiner Meinung nach auch eine gewisse notwendige Objektivität. Wie dem auch sei, solange keine unabhängige Untersuchung stattgefunden hat kann nur spekulieren. Nimmt man zum Beispiel die meistzitierte Quelle der Medien handelt es sich dabei um das Syrian Observatory for Human Rigths (SOHR), so erkennt man schnell bei der Organisation handelt es sich um eine Nachrichtenagentur der Opposition und ist damit damit auch keine unabhängige oder objektive Quelle. Beim Syrian Network for Human Rigths (SNHR) und dem Syrian Center for Statistic and Resaerch (SCSR) handelt es sich um die offiziellen Partner einiger UN-Organisationen, wie dem UNHCR, bei der Dokumentation des syrischen Krieges, aber beide sind ebenso wie das SOHR nicht im Lande ansässig und stehen der Opposition nahe. Wie ich schon sagte Ferndiagnosen sind schwierig und meistens nur dann zielführend wenn man das gewünschte Ziel schon kennt.

Nun könnte man auch unken, denn seit dem zweiten Weltkrieg hatte eigentlich jeder Präsident der Vereinigten Staaten mit Kriegen, Staatsstreichen und Militäraktionen sein innenpolitisches Profil aufzupolieren versucht und den Interessen der USA gedient. So hatte Präsident Truman die USA in den Koreakrieg geführt, den französischen Kolonialkrieg in Indochina sowohl materiell und finanziell unterstützt, im griechischen Bürgerkrieg den erzkonservativen, reaktionären Kräften zum Sieg verholfen. Eisenhower war wohl tief in den Militärputsch von 1953 im Iran verstrickt und ein Jahr später geschah das selbe in Guatemala. Kennedy war nicht nur an Planungen der Invasion in der Schweinebucht beteiligt, sondern beauftragte noch zu Lebzeiten den Militärputsch in Brasilien 1964 und seine Politik involvierte die USA immer mehr in Vietnam. Sein Nachfolger Lyndon B. Johnsen führte nicht nur nach dem Tongkin-Zwischenfall offen Krieg gegen Nordvietnam, er orchestrierte auch die Massaker an Kommunisten in Indonesien, bei denen gleichzeitig auch die Minderheit von Chinesen dezimiert wurde, und ebenso den Aufstieg des Generals Suharto zum Diktator. Sein Nachfolger Richard Nixon führte den Vietnam-Krieg nicht nur fort, er intensivierte ihn sogar. In Kambocha förderte seine Administration die Entmachtung von Prinz Sihanouk am 18. März 1970, man förderte damit (eher indirekt) sogar noch den Aufstieg der Roten Khmer zur Macht. Gerald Ford hatte seine Mayaguez-Affäre, Jimmy Carter seine Iran-Affäre. Der umtriebige Ronald Reagan ließ Grenada besetzen und schickte Truppen in den Libanon, hatte ganz nebenbei die Iran-Contra-Affaire, finanzierte die Todes-Schwadrone in El-Salvador und Guatemala. Der Mann war echt beschäftigt mit eher zweifelhaften Praktiken um den Kommunismus zu bezwingen, aber noch heute ist er hoch angesehen in den USA. Man könnte das jetzt noch auf die Präsidenten der letzten beiden Dekaden fortsetzen, aber ich denke jetzt reicht es. Wie man sieht hatte jede US-Präsidentschaft seine Militärschläge, Kriege und Militärputsche zu bieten, und Donald J. Trump bildet da wohl keine Ausnahme mit dem Militärschlag gegen Syrien.

Wie dem auch sei, UN-Dokumente legen den Einsatz von Giftgasen in Syrien in einigen Fällen nahe und nachgewiesen wurde er in Ghouta, Khan al Asal, Jobar, Saraqueb, Ashrafiah Sahnaya. Alle diese Ereignisse ereigneten sich 2013 und die Urheber der Gasangriffe waren allen Anschein nach sowohl die Rebellen, dschihadistische Gruppierungen wie auch die Regierungstruppen. Also auf welcher Basis die US-Administration sich da so sicher ist das die syrische Luftwaffe Giftgas zum Einsatz brachte ist mir persönlich etwas schleierhaft, immerhin könnte auch die russische Version zutreffen, wo nach die Syrische Luftwaffe ein Chemielabor traf in dem an chemischen Kampfstoffen gebastelt wurde. Quo Vadis? Vor allem die Begründung für den Militärschlag , mit den "wunderschönen Babys", war doch echt ein Deja-vu aus längst vergangenen Zeiten. Mich erinnerte sie an die Brutkasten-Lüge und damals wie heute halte ich solche Begründungen für ziemlich verlogen. Immerhin kamen laut der IOM im Jahre 2015 rund 3.770 Menschen bei dem Versuch das Mittelmeer zu überqueren ums Leben, gegen wen will den Trump da seine Waffen einsetzen?

Was mich aber ebenso wundert, wenn die Militärs und Politiker der USA tatsächlich geglaubt haben das die syrische Luftwaffe Giftgas zum Einsatz bringen würden, warum griffen sie eben die Basis an von der der Angriff ausging? Gibt es da nicht etwa zu bedenken das sich ein Chemiewaffenlager auf dem Boden der Basis befinden müsste und das dort eingelagerte Giftgas bei einer Bombardierung freigesetzt werden und die Umgebung der Basis kontaminieren könnte? Immerhin liegt die Basis laut Google Maps bei 34°/29`/ 24``nördlicher Breite und 36°/54`/ 32`` östlicher Länge und ist von einer Reihe von Siedlungen umgeben. Daghdaghan liegt 1,5 km westlich, Arqaman 1,5 km nördlich und das Namens gebende Shayrat nur 800 meter östlich der Basis. Immerhin liegt der Wirkungsbereich bei Sarin bei nahezu 1.500 Metern, dann kommt es noch auf die Windrichtung an die eigentlich auch bestimmt welcher Dosis der Betroffene dann ausgesetzt wird. Ich glaube schon das man sich da ein paar Gedanken darüber gemacht hat, schon aus diesem Grunde würde ich die Bombardierung für den falschen Weg halten. Aber wie dem auch sei, der Angriff ist erfolgt obwohl es da wohl einige gut belegbare Bedenken dagegen gibt das Assad nun der Urheber des Giftgases ist.  Ich bin einmal gespannt ob die UN und das OPCW eine Fact Finding Mission nach Syrien entsenden kann um den Verursacher des Giftgasangriffes identifizieren kann. 

Kommentiere diesen Post