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Maximum der Packeisausdehnung in der Arktis erreichte Rekordminimum

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Klima- und Wetteranomalien im Februar Quelle: NOAA

Klima- und Wetteranomalien im Februar Quelle: NOAA

Naja das hat schon was, nachdem der Januar global gesehen der wärmste je verzeichnete Januar war, setzt der Februar ebenfalls recht hohe Maßstäbe. Global gesehen lag die Temperatur über den Kontinenten und Ozeanen lag bei 13,14°C immerhin 0,98°C über dem Durchschnitt der globalen Durchschnittstemperatur des 20. Jahrhunderts von 12,16°C für einen Februar. Nimmt man nur die Temperatur über den Landflächen, lag diese global bei 5°C, immerhin 1,78°C über den Durchschnitt des 20. Jahrhunderts von 3,22°C für einen Februar. Über den Ozeanen lag die durchschnittliche Temperatur diesen Februar bei 16,78°C, immerhin rund 0,98°C über dem langjährigen Durchschnitt von 15,89°C. Damit reiht sich dieser Februar als zweitwärmster seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in die Klimatabellen ein.  

Interessant war es auch in Europa und Deutschland und bildet einen starken Kontrast zum bitterkalten Januar. Europaweit war es laut dem DWD um zwei bis vier Grad zu warm, wobei es zu weiträumigen Anomalien kam die sich teilweise von den britischen Inseln bis in den Mittelmeerraum spannten. In Deutschland war es ebenso, die Temperaturen lagen landesweit insgesamt ein bis teilweise 2,8°C über dem des Vergleichszeitraumes 1981 bis 2010. Bemerkenswert fand ich das Sturmtief Thomas eine Entfernung von 2.100 Kilometern in nur 30 Stunden zurücklegte, das Zentrum des Zyklons raste mit 70 km/h von den britischen Inseln bis in das Baltikum und das ist wirklich sehr schnell. 

In der Arktis erreichte das Maximum der Ausdehnung des arktischen Packeises bereits am 7. März auf einer Fläche von 14,42 Mio. Quadratkilometern. Dies ist die niedrigste maximale Ausdehnung des Packeises in den letzten 38 Jahren und wie ich bereits vor ein paar Tagen geschrieben habe war die Wintersaison 2016/17 alles andere als normal in der Arktis. Relativ gesehen hohe Temperaturen waren das Kennzeichen in Atmosphäre und Ozean. Stürmisches Wetter schaufelte warmes Wasser und Winde nordwärts und drängten die Packeisgrenze in seiner maximalen Ausdehnung nochmals weiter zurück als 2016 und 2015. Immerhin bedeckte 2015 noch auf 14,54 Mio. km² Packeis den Arktischen Ozean. 2016 waren es dann 14,52 Mio. km² in seiner maximalen Ausdehnung. Sieht man sich den Verlauf der letzten Saison an wird klar das sich die Eisverluste in jedem Jahr weiter Summieren werden. Dem letzten Minimum in der Arktis mit einer Ausdehnung von 4,14 Mio. km² Packeisbedeckung am 10. September folgten die Monate Oktober und November in denen sich das Packeis nur langsam regenerierte. Das gilt sowohl für die Fläche wie auch für das Volumen. Das gleiche Schema wiederholte sich im Dezember und Januar, es wurden jeweils relativ hohe Temperaturen in der Region gemessen. Ende Januar erreichte die Eisausdehnung in der arktischen Region gerade einmal 13,38 Mio. km².  

Am 3. März erreichte in der Antarktis das Packeis mit einer Ausdehnung von 2,11 Mio. km² sein Minimum. Damit unterschritt es das bisherige Rekordjahr 1997 ziemlich drastisch um 184.000 km². Dies kommt eigentlich um so überraschender, da 2014 eine Rekordausdehnung während des Maximums der Eisbedeckung verzeichnet wurde. Damals schrien manche, alles halb so wild. Naja wie man sich doch täuschen kann, aber andere bleiben ihrem eben auch Motto treu. Nimmt man zum Beispiel Webseite "Die kalte Sonne", versuchen doch immer noch Frank Vahrenholt und Frank Bosse die Ursache der Eisverluste mit der Sonnenfleckenaktivität unserer Sonne zu erklären. Dabei fabulieren sie einige Dinge herbei, wie die Aktivität unserer Sonne wird sich ab 2019 stark reduzieren, mit Beginn des 25. Zyklus, und mit ihm soll es kühler werden auf der Erde. Gemeint ist der sogenannte Schwabe-Zyklus oder besser bekannt als Sonnenfleckenzyklus der alle 11,04 Jahre seinem Höhepunkt entgegenstrebt. Warum jetzt der ab 2019 erwartete sogenannte 25. Zyklus, ab dem Jahr 1749 gezählt, einen solch gravierenden Einfluss auf das Erdklima haben? Zwar soll der 25. Zyklus schwächer ausfallen als der 24. Zyklus, aber warum es dann kühler werden soll erschließt sich mir persönlich eigentlich nicht.  

Koronaler Masseauswurf im Jahr 2002 Quelle: NASA

Koronaler Masseauswurf im Jahr 2002 Quelle: NASA

Es ist zwar eine interessante These, aber ein wenig Fantasie gehört eben auch dazu. Erste Sichtungen von Sonnenflecken wurden bekannt von Galileo Gallilei im Jahre 1611 und eine ganze lange Zeit war eigentlich nicht wirklich klar was Sonnenflecken überhaupt sind und das sie Zyklisch vermehrt auftreten ist auch erst seit dem 19. Jahrhundert wissenschaftliche Erkenntnis. Aber hier sei einmal gesagt bei Sonnenflecken handelt es sich physikalisch gesehen um Magnetfeldstörungen, die Auftreten bei der Polumkehr des Magnetfeldes der Sonne. Beobachtet wurden Zyklen von neun aber auch 17 Jahre dauer. Das Sonnenflecken ein Ergebnis von Magnetfeldstörungen auf der Sonne sind ist auch gerade einmal 100 Jahre bekannt. Diese Magnetfeldstörungen sind verantwortlich für koronale Masseauswürfe, im englischen coronal Mass Ejection kurz CME, verantwortlich, besser bekannt als Sonnenstürme. Diese bestehen aus Elektronen, Proton und Atome  und wie man unschwer erkennt hochradioaktiv und bei diesen CME`s werden sowohl Ultraviolett-, Röngten-, Gamma-, Beta und Alphastrahlung freigesetzt, also sind in der Summe sind sie hochenergetisch Aufgeladen. Kreuzen diese koronalen Massenauswürfe die Flugbahn der Erde beugen sie das Erdmagnetfeld und der bekannteste Effekt ist das Entstehen von Polarlichtern, weit in südlicheren Gefilden bei sehr starken CME`s. Ein anderer Effekt ist das die Hochatmosphäre der Erde stärker Ionisiert wird, besser gesagt die Ionossphäre dehnt sich dann aus, da diese hochelektrisch geladene Teilchen sogar in die obere Atmosphäre eindringen können. Dieser Effekt ist wohl für Menschen auf der Erde dann spürbar, denn Radiowellen werden stärker absorbiert und der gesamte Funkverkehr wird beeinträchtigt. In höheren Breiten können bei sehr starken CME`S sogar Transformatoren von Kraftwerken durchbrennen lassen, aber über 90% der Materie eines CME`s der auf das Erdmagnetfeld trifft wird umgeleitet in die tiefen des Alls.

Auf was die beiden Autoren sich eigentlich beziehen ist die Korrelation des Maunder-Minimums mit dem Auftreten der kleinen Eiszeit in Europa, in Teilen Nordamerikas bzw. China und das mittelalterliche Wärmeoptimum vom 10. bis 13. Jahrhundert. Nimmt man das Maunder-Minimum, so dauerte es von 1645 bis 1715, in diesem Zeitraum wurde nur eine geringe Sonnenaktivität bzw. Sonnenfleckenanzahl festgestellt. Gleichzeitig fiel diese Periode in den kältesten Abschnitt der mittleren Kleinen Eiszeit, die aber schon ab 1550 eintrat. Zwar war die Kleine Eiszeit ein globales Phänomen, aber in weiten Teilen des Nahen Ostens, der Region des zentralen Atlantiks, im subtropischen und tropischen Afrika, in Teilen Nordamerikas, tropischen Eurasiens und im extratropischen Pazifik war es genauso warm wie heute. Dort veränderten sich zu der Zeit allerdings die Niederschlagsmuster, zum Beispiel in weiten Teilen der Sahel- und Sudanzone wurde über ausgedehnte Dürreperioden im 17. Jahrhundert berichtet.     

Monatliche und jährliche Fleckenzahlen der Sonnenaktivität ab 1700 Quelle: Trempsvrai.com

Monatliche und jährliche Fleckenzahlen der Sonnenaktivität ab 1700 Quelle: Trempsvrai.com

»Im ganzen Reich gab es einen so strengen Winter, dass infolge der großen Menge Schnee, der so lange liegen blieb, viele Menschen
ihr Leben verloren, dann folgte eine so große Überschwemmung"

Aus dem Klosterarchiv Alteich im Jahre 1060

Temperatur, Sonneneinstrahlung und Vulkanismus in den letzten 1000 Jahren Quelle: Bildungsserver Wiki

Temperatur, Sonneneinstrahlung und Vulkanismus in den letzten 1000 Jahren Quelle: Bildungsserver Wiki

Nimmt man zum anderen das mittelalterliche Wärmeoptimum, das allgemein vom 10. bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts datiert wird fällt eines auf. Damals waren die Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter viel größer als im 20. Jahrhundert in Europa üblich. Durch die damaligen Wetteraufzeichnungen ist eines bekannt, die Kaltlufteinbrüche und die Niederschläge gingen in Europa im Sommer zurück, auch verlagerte sich das Azorenhoch regelmäßig und übernahm die Regie des Wetters bis nach Mitteleuropa hinein. Die Folge die Temperaturen der Sommer waren heiß und trocken. Andererseits übernahm regelmäßig das Russlandhoch die Regie des Wetters in den Wintermonaten mit der Folge eisige Temperaturen und es gab viel Schnee in Mitteleuropa. Aber so ganz einheitlich kann man das nun auch nicht stehen lassen. Im Jahr 1083 verdorrte zum Beispiel die Ernte in Sachsen auf den Feldern, und 1094, 1099–1101, 1115–1117, 1120–26, 1145–1147 sowie 1195–1198 galten als Hungerjahre in ganz Europa. Für 1145 berichten die Annalen des oberösterreichischen Klosters Reichersberg von einer vorangegangenen, sieben oder acht Jahre währenden Kälteperiode und einhergehenden Hungersnot. Naja wie man sieht war das mittelalterliche Wärmeoptimum nun auch nicht so optimal und es gab gravierende Schwankungen des Klimas in Mitteleuropa in dieser Periode. Nimmt zum andren andere Teile der Erde, so war das Klima in den Tropen und Subtropen gekennzeichnet von niedrigeren Temperaturen und es war feuchter, was nun wiederum dafür spricht das die Neigung der Erdachse sich etwas verändert hatte und damit einhergehend die Strahlungsintensität der Sonne in einzelnen Regionen der Erde. Für mich persönlich ist die Strahlungsintensität der Sonne der entscheidende Faktor der Beeinflussung des Weltklimas und nicht die Sonnenfleckenzyklen. Zum anderen wenn die Sonnenfleckenzyklen einen solch gravierenden Einfluss auf die Atmosphäre und das Klima hätte, warum wird die obere Erdatmosphäre derzeitig kühler und die unteren Schichten immer wärmer? Viel Spaß bei der Recherche warum das wohl so ist, aber wie gesagt Frank Vahrenholt und Frank Bosse liegen meiner Meinung nach etwas daneben auch wenn ihre Theorie interessante Aspekte beinhaltet.    

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