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Hungerkrise in Afrika, Februar 2017

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Der Kategorie III Wirbelsturm Dineo über Mosamik und Zimbabwe Quelle: NOAA/NASA Goddard MODIS Rapid Response Team

Der Kategorie III Wirbelsturm Dineo über Mosamik und Zimbabwe Quelle: NOAA/NASA Goddard MODIS Rapid Response Team

Sieht man sich die Karte des Welthungerindex der FAO des Jahres 2015 an erkennt man schnell in Afrika Hungern derzeitig wohl die meisten Menschen. Von den 795 Millionen weltweit Hungernden leben 232 Millionen in Afrika. Obwohl die derzeitigen Krisen am Horn von Afrika und dem Tschadbecken es immer wieder einmal in die Nachrichten schaffen bleiben die Krisen in der Zentralafrikanischen Republik, Ost- und Südafrika und der DR Kongo weitestgehend unbeachtet.

Dem entsprechend ist auch die Hilfsbereitschaft, der 399,5 Mio. US-Dollar umfassende Humanitarian Response Plan 2017-19 der OCHA für die Zentralafrikanische Republik ist aktuell nur zu 5% finanziert. Da kann ich mich nur wundern, dieses recht magere Ergebnis von 19 Mio. Dollar erzielte man trotz einer Geberkonferenz die im November in Brüssel stattfand und an der die Vertreter der EU-Kommission, Frankreichs, der USA unter anderen teilnahmen. Immerhin reden wir von 2,3 Mio. zum großen Teil unterernährten Menschen, aber okay die Situation in der Zentralafrikanischen Republik ist seit mehr als 20 Jahren geprägt von politischer Instabilität und einem immer wieder aufflammenden Bürgerkrieg. Zwar hat die UNO die MINUSCA Mission im September 2014 gestartet um die Bemühungen um ein Ende der Kämpfe zu unterstützen, aber zu letzt flammten die Kämpfe in den Provinzen Haute Kotto und Ouaka wieder auf. Anfangs wurde die MINUSCA Mission noch von der EUFOR RCA unterstützt, an der auch die Bundeswehr mit 80 Soldaten beteiligt war. Aber diese EU Operation endete bereis am 15. März 2015. Entbindet die Historie und die inneren Widersprüche des Landes die reicheren Nationen von Hilfsleistungen? Ich glaube nicht. 

Nachrichten zur Lage in Afrika sind recht vielfältig, aber meistens nicht sehr tiefgründig. Das zum einen am Horn von Afrika in diesem Jahr eine Hungersnot droht ist erstaunlich wenig zu lesen. Nimmt das Beispiel Kenia, so sind derzeitig 2,7 Millionen Kenianer auf Hilfen wie Wasser und Nahrungsmittel angewiesen. Das fast ganz Ost- und Südafrika unter einer nun zweijährigen Trocken- bzw. Dürreperiode leidet ist in Europa fast niemanden bekannt. Der Grund für diese lange Dürreperiode ist der El Nino 2015/16 im Pazifik. Aktuell sind weltweit 70 Millionen Menschen in 45 Staaten von Hilfslieferungen abhängig, hauptsächlich davon betroffen ist Afrika. Aber das ist hier zu Lande recht wenigen bekannt. 

Nimmt man zum Beispiel die seit April 2016 grassierende Cholera-Epidemie in Ostafrika, so kann man eines konstatieren: die Nachrichtenlage hierzu ist in Deutschland nahezu null. Dieses obwohl das hauptsächlich betroffene Land die Reisedestination Tansania ist, die WHO listet immerhin 24.108 Erkrankungen und 378 Todesfälle allein in Tansania seit dem 22. April 2016 auf. Die anderen betroffenen Länder sind Malawi, Mosambik, Sambia und Zimbabwe. Ein ganz anderes Problem stellt sich im Nordosten des Landes, die nun annähernd zweijährige Trockenphase führte zu einem 50% Ernteausfall in den Provinzen Arusha, Kilimadscharo, Pwani, Tanga im letzten Quartal 2016 und zusätzlich beherbergt Tansania nun inzwischen rund 224.000 Flüchtlinge aus Burundi. Das die politische Krise in Burundi aus den Augen der schreibenden Zunft hier zu Lande geraten ist gelangt ihnen nicht gerade zu Ruhm und Ehre, aber wie dem auch sei die Augen zu verschließen hilft auch nicht weiter.  

Durch den tropischen Zyklon Dineo, der Mitte Februar die Region des südöstlichen Afrikas heimsuchte, könnte sich die Cholera-Epidemie in den betroffenen Ländern nochmals zuspitzen. Dineo brachte diesen Ländern extrem viel Regen, damit einhergehend Überflutungen, Ernteausfälle und ebenso erhöhte sich die Gefahr der Übertragung von ansteckenden Krankheiten.

Im südlichen Malawi waren im Februar ca. 6,9 Mio. Menschen auf Hilfslieferungen angewiesen aufgrund der mageren Ernte im Januar/Februar. Aufgrund einer zweijährigen Trockenheit in der Region verringerten die Bauern die Anbauflächen, so das auch die Einkommen der ländlichen Bevölkerung zurückging und den Zukauf von Lebensmitteln nun erschwert wird. Mit einer Entspannung der Lage wird erst im April gerechnet. Der Wirbelsturm Dineo traf besonders Mosambik hart, immerhin wurden Ende Februar ca. 2,3 Mio. Menschen als hilfsbedürftig eingeschätzt. Der Kategorie 3 Wirbelsturm Dineo zerstörte allein in der Provinz Inhambane ca. 27.000 Hektar landwirtschaftlicher Anbauflächen und beeinträchtigt das Leben von 551.000 Personen. Man wird sehen wie es hier weitergehen wird, aber der nächste Zyklon Namens Enawo bildete sich nordöstlich von Madagaskar und dieser schlug eine südwestliche Zugbahn ein.

Während im Südsudan nun offiziell von einer Hungersnot gesprochen wird stellt sich die Lage im Nordsudan noch etwas anders dar. Während in den meisten Regionen des Nordsudans von einer recht stabilen Lage gesprochen wird, wurden für die Provinzen Jebbel Marra und South Kordofan die ersten Alarmzeichen gesichtet und vor einer heraufziehenden Hungersnot gewarnt. Kurzer Faktencheck: 2016 waren im Nordsudan 5,8 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfen angewiesen, davon 3,3 Millionen im Darfur. Rund 2,1 Millionen Menschen galten als unterernährt im Jahr 2016. Waffenstillstände zwischen der Regierung und bewaffneten Oppositionsgruppen erleichterten den Zugang für Hilfsorganisationen zu den betroffenen Regionen, aber SPLM-N kontrollierte Gebiete waren davon ausgeschlossen. Weiterer Knackpunkt ist das rund 305.000 Flüchtlinge aus dem Südsudan bis Februar 2017 in den Norden flüchteten. Auch hier wird man erst noch sehen wie sich die Lage entwickeln wird, aber allzu viele Hoffnungen sollte man sich nicht machen. Beeindruckend für mich persönlich ist, das wir in Europa und speziell Deutschland recht wenig von den Vorgängen mitbekommen die Flüchtlinge produzieren. Das die Bevölkerung Afrikas sowohl mit klimatischen, wie auch gesellschaftlichen Veränderungen zu kämpfen hat ist uns im hohen Norden oftmals gar nicht bewusst.    

Eine kenianische Familie aus dem Garissa County auf dem Weg zur nächstgelegenen Wasserstelle und dieser Weg ist lang Quelle: UNICEFKenya/2017/Serem

Eine kenianische Familie aus dem Garissa County auf dem Weg zur nächstgelegenen Wasserstelle und dieser Weg ist lang Quelle: UNICEFKenya/2017/Serem

Das zum anderen die mangelnde Hilfsbereitschaft der entwickelten Länder, wie Deutschland, dazu führt das Lebensmittelrationen für Hilfsbedürftige in zehn großen UN-Hilfsaktionen in Kamerun, Tschad, Nigeria, Südsudan oder Äthiopien für zwei Millionen Flüchtlinge um bis zu 50 Prozent gekürzt werden mussten ist weder in Politik und Presse ein großes Thema. Beim großen Thema Fluchtursachenbekämpfung versagt meiner Meinung nach die große Politik, Medien und auch die Zivilgesellschaft der entwickelten Länder. Wenn ich mir die Reisetätigkeit der Bundeskanzlerin Merkel in Nordafrika ansehe und die Themen die diese behandeln geht es anscheinend mehr darum die Flüchtlinge zu immobilisieren und in Nordafrika eine Schutzzone für Europa zu schaffen. Es geht meiner Meinung nach der deutschen Politik mehr darum das Migrationsbewegungen behindert oder mehr noch verhindert werden und das Europa frei bleibt von Armutsbewegungen aus dem Nahen Osten und Afrika. Das lässt sich Deutschland einiges Kosten, im Falle Tunesiens und Ägyptens rund 250 Mio. € Entwicklungshilfe. In Tunis wurde sogar ein Zentrum für Jobs, Migration und Reintegration am 3. März feierlich vom Entwicklungshilfeminister Müller eröffnet. Das ist schon ziemlich ernüchternd, für Nothilfemaßnahmen in den Staaten der Subsahara zur Hungerbekämpfung gibt Deutschland in drei Jahren rund 220 Mio. € aus, während eine Diktatur und eine recht labile Demokratie zusammen 500 Mio. € Entwicklungshilfe in einem Jahr erhalten, um Armutsmigration aus Afrika zu verhindern. Ganz ehrlich mir ist da nicht zu lachen zu Mute. 

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