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Haiti, fünf Monate nach Hurrikan Matthew

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Hurrikane Tomas am 5. November 2010 über Haiti Quelle: NASA/MODIS Rapid Response Team

Hurrikane Tomas am 5. November 2010 über Haiti Quelle: NASA/MODIS Rapid Response Team

Eigentlich finde ich es schon erstaunlich wie kurz das kollektive Gedächtnis der Menschheit ist, denn mal aufs Herz wer erinnert sich noch an Hurrikane Matthew und das er am 4. Oktober 2016 Haiti überrollte? Über das was in den Medien recht unterrepräsentiert ist das was nach Matthew passierte. Einen Artikel dazu hatte ich am 30. November geschrieben. Überhaupt Haiti war da nicht noch was? Meiner Meinung nach wurde Land das in den letzten 10 Jahren ziemlich häufig von Naturkatastrophen heimgesucht. Nur mal zur Erinnerung, 12. Januar 2010 ein Erdbeben der Magnitude 7,0 erschüttert das Land. Darauf erfolgen noch 33 zum Teil heftige Nachbeben. Laut den offiziellen Angaben starben 217.300 Personen allein bei diesem Ereignis und 2,1 Mio. Menschen mussten in Notunterkünften Zuflucht suchen. Zu allem Überfluss zog der Hurrikan Tomas am 5. November 2010 über Haiti. Dieser brachte extreme Regenfälle von 250 mm im südwestlichen Haiti, im Rest des Landes 100 bis 200 mm. Es wurden zwar weitere Todesfälle registriert, aber die Schäden die Tomas anrichtete betrafen hauptsächlich zerstörte landwirtschaftliche Infrastruktur des Landes.   

Die beim Beben und Hurrikan zerstörte Infrastruktur war auch einer der Gründe das sich die Cholera-Epidemie, die durch nepalesische Blauhelm-Soldaten eingeschleppt wurde, so rasch ausbreiten konnte. Laut dem Haitianischen Gesundheitsministerium gab es bis zum 7. Januar 2014 insgesamt 697.256 Cholera-Erkrankungen und 8.534 Todesfälle. 

Wolkenhöhen des tropischen Sturmtiefs Isaac am 24. August 2012, die Wolkenbänder erreichten bis zu 16 km Höhe und ließen bis zu 90 mm Niederschlag über Haiti niedergehen Quelle: SSAI/NASA, Hal Pierce

Wolkenhöhen des tropischen Sturmtiefs Isaac am 24. August 2012, die Wolkenbänder erreichten bis zu 16 km Höhe und ließen bis zu 90 mm Niederschlag über Haiti niedergehen Quelle: SSAI/NASA, Hal Pierce

Am 24./25. August 2012 zog das tropische Sturmtief Isaac über Haiti hinweg. Der Sturm tötete 23 Personen und zerstörte rund 2.000 Häuser. Der Sachschaden war beträchtlich, es wurden landesweit Überflutungen und Erdrutsche beobachtet

Der Hurrikane Sandy traf Haiti am 23. Oktober 2012, er tötete 54 Menschen, zerstörte 6.274 und beschädigte 21.427 Häuser. Die Regenmengen die Sandy mit sich brachte überfluteten vor allem niedrig gelegene Gebiete und führten im gebirgigen Inland zu zahlreichen Erdrutschen. Die beiden tropischen Wirbelstürme zerstörten 2012 in weiten Teilen des Landes auch wichtige Infrastruktur, wie Straßen, Brücken, aber auch 90.000 Hektar landwirtschaftliche Anbauflächen. Am Jahresende 2012 waren 1,26 Mio. Haitianer auf Hilfslieferungen angewiesen.

Am 30. August traf das tropische Sturmtief Erika Haiti und dann kam am 4./5. Oktober 2016 Hurrikan Matthew. Wie sieht es heute in Haiti aus? Rekapitulieren wir einmal, Matthew zerstörte öffentliche und private Infrastruktur im Wert von ca. 2,72 Mrd. US-Dollar, 1.633 Schulen müssen aktuell Instand gesetzt werden, 104.000 Häuser wurden zerstört, weitere 100.000 Häuser wurden beschädigt und 1,55 Mio. Menschen in Haiti haben keinen sicheren Zugang zu Lebensmitteln. Hurrikan Matthew sorgte wenigstens dafür das Haiti wieder in die Schlagzeilen kam, immerhin erhielt das UNHCR 88,6 Mio. US-Dollar von den Geberländern um die notwendigsten Hilfslieferungen nach Haiti bringen zu können. Allerdings waren das nur 64% der von der OCHA ursprünglich veranschlagten 139 Mio. US-Dollar. Zur Zeit verfügt die Nothilfe für Haiti über 166 Mio. Dollar an liquiden Mitteln, darunter 4 Mio. von der Bundesregierung und 1,7 Mio. von der EU Kommission, allerdings kamen allein von den USA 86,7 Mio. Dollar. Ein wahrer Kontrast, aber das Hilfsgelder für Notleidende auch ein Buisinesobjekt sind verdeutlicht folgende Zahl. Nach dem großen Erdbeben waren 512 Hilfsorganisationen in Haiti tätig, im Jahre 2015 waren es nur noch 84 und nach Matthew stieg diese Zahl wieder auf 179 Organisationen an. Was man auch immer davon halten mag, für den aktuellen Humanitarian Response Plan 2017/18 benötigt das UNHCR 291,5 Mio. US-Dollar und ich hoffe doch das sie ihr Ziel erreichen wird.   

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