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Jemen, der vergessene Konflikt

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Rund 200 Familien leben im Flüchtlingslager Dharwan Quelle: UNHCR/Mohammed Hamoud

Rund 200 Familien leben im Flüchtlingslager Dharwan Quelle: UNHCR/Mohammed Hamoud

Naja könnte man meinen, nach einem anscheinend fehlgeschlagenen Militärschlag der USA kommt der Krieg im Jemen doch noch in die Schlagzeilen, wenn auch recht verhalten. Eigentlich ist es schon traurig, denn der Krieg im Jemen ist in seiner menschlichen Dimension genauso desaströs wie der in Syrien. Aber das war wohl nur die halbe Wahrheit zum Konflikt im Jemen der nun rund zwei Jahren anhält. Aber die den Konflikt begleitende humanitäre Krise ist in unseren Medien recht unterrepräsentiert. 

Das die militärische Lage im Lande weiterhin festgefahren ist, ist eigentlich keine Neuigkeit. Wie eine Karte von Al-Jazeera vom Januar 2017 verdeutlicht, beherrschen die Houthi-Rebellen (Ansar Allah-Bewegung) und die mit ihr verbündeten Truppen des vormaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh den kompletten Nordwesten, incl. der Hauptstadt Sanaa, des Landes. Die loyal zum Interimspräsidenten Mansur Hadi stehenden Truppen und den mit ihm verbündeten arabischen Militärkoalition unter der Führung Saudi Arabiens kontrollieren im Grunde genommen den Süden, mit der Hafenstadt Aden, den zentralen Norden und den Osten des Landes. Das die Kämpfe auch die Hafenstädte im Westen des Landes betreffen verdeutlicht erstens die fast zweijährige Seeblockade die Saudi Arabien mit Hilfe der USA über den Jemen verhängt hat, und zweitens der Angriff auf eine saudische Fregatte Ende Januar 2017. Der Hafen von Houdeidah wurde von der saudischen Luftwaffe komplett zerstört und fällt somit für Lebensmittelimporte aus. 

Laut einem Schreiben des UN Nothilfekoordinators O`Brien an den UN-Sicherheitsrat vom 26. Januar 2017 sind bis 31. Dezember 2016 insgesamt 7.469 Jemeniten in diese Krieg getötet und 40.483 Personen verletzt worden. Diese Zahlen wurden von Krankenhäuser und mobilen Ambulanzen erhoben, so das die Anzahl der im Konflikt Getöteten und Verletzten wesentlich höher liegen dürfte. Schätzungen zu Folge soll der Krieg im Jemen Schäden von umgerechnet 19 Milliarden US-Dollar verursacht haben und das im Armenhaus Arabiens. Erschwerend kommt hinzu das der Jemen immer noch Flüchtlinge aus anderen Ländern der Region, wie Somalia, aufnehmen muss. Das UNHCR gab die Zahl der Flüchtlinge vom Horn von Afrika im Jemen mit 117.000 Personen im Jahre 2016 an. Paradox ist das 2016 rund 87.000 Jemeniten in die andere Richtung über den Golf von Aden nach Somalia flohen. Diese Fakten zeugen davon wie schwer die Lage der Menschen in der Region ist.      

Im Januar 2017 veröffentlichte das Büro des UN Nothilfekoordinators den diesjährigen Humanitarian Response Plan für den Jemen. Aus diesem geht hervor das im Januar 2017 von den 27,4 Mio. Einwohnern des Jemens ca. 3,1 Mio. Binnenvertriebene sind. Weiterhin benötigen ca. 18,8 Mio. Personen diverse Hilfen der internationalen Gemeinschaft, von diesen werden 10,3 Mio. Personen Lebensmittelhilfen benötigen. Bereits zu Beginn des Jahres seien 2,1 Mio. Kinder und eine Million Erwachsene akut unterernährt, dem zu folge vom Hungertot bedroht. Insgesamt werden für die Umsetzung des Planes rund 2,1 Milliarden US Dollar benötigt. Wie man sieht steckt der Jemen mitten in einer Hungerkrise, meiner Meinung könnte sie sich vielleicht in die größte Hungernot der Jahre 2016/17 auf der gesamten Erde auswachsen. Spenden sind daher dringend Erforderlich, vielleicht spendet auch Jemand der das hier liest? 

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