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Hungerkrise in Afrika und Arabien

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Regenfallverteilung über dem Indischen Ozean im Januar 2017 Quelle: USGS/Climate Hazards Group/USGS

Regenfallverteilung über dem Indischen Ozean im Januar 2017 Quelle: USGS/Climate Hazards Group/USGS

Nun ist es amtlich, in gleich drei Regionen Afrikas und Arabiens haben wir es nun mit einer ausgewachsenen Hungerkrise zu tun. Am Horn von Afrika ist der Südsudan, Äthopien und Somalia betroffen. Im südlichen Arabien der Jemen und in der Sahelzone die Länder des Tschadbeckens

Im Jemen sind aktuell rund 10 Mio. Jemeniten von in einer akuten Gefahr einer permanenten Lebensmittelunterversorgung bedroht. Damit entwickelt sich 2017 im Jemen die aktuell weltweit größte Hungerkrise immer weiter. Die Intensivierung der Kämpfe im Westteil des Landes macht eine Versorgung der Hungernden durch Hilfsorganisationen oftmals nahezu unmöglich.

In Äthopien sind durch die ausgebliebenen bzw. unterdurchschnittlichen Regenfälle des Herbstes ca. 5,6 Mio. Menschen auf humanitäre Hilfen der internationalen Gemeinschaft in diesem Jahr angewiesen. Weniger in den Schlagzeilen war bisher Kenia, aber durch die Trockenheit und dadurch ausbleibenden Ernten erwarten Experten eine Verschärfung der Lebensmittelversorgung im Nordosten und Osten des Landes in den Monaten Februar bis Mai diesen Jahres. 

In Somalia sind vor allem durch die ausgebliebenen Regenfälle während der für Oktober bis Dezember erwarteten "Deyr-Regensaison" für erhebliche Ernteausfälle verantwortlich. Die Bodenfeuchtigkeit ist Landesweit auf einem sehr niedrigen Niveau und damit einhergehend ist die vorhandene Vegetation nahezu fast gar nicht mehr vorhanden. Das Famine Early Warning Systems Network vergleicht die aktuellen Bedingungen als nahezu identisch bzw. intensiver mit den Bedingungen die zu der Hungersnot im Jahr 2011 am Horn von Afrika führten. Insgesamt waren im Dezember 2016 bereits 2,9 Mio. Menschen in Somalia in Gefahr einer Lebensmittelunterversorgung zu leiden. Zwar werden Regenfälle, ausgelöst vom tropischen Zyklon Dineo, für diese Woche erwartet, aber für eine generelle Entwarnung ist es noch zu früh. 

Im Südsudan sind derzeitig ca. 5,1 Mio. Menschen von einer Lebensmittelunterversorgung bedroht. Die Ursachen sind recht vielfältig, einerseits sorgte der 2013 ausgebrochene Bürgerkrieg dafür das derzeitig ca. 1,89 Mio. Bewohner des Südsudans zu Vertriebenen im eignen Land wurden, weitere 1,5 Mio. Menschen flohen in benachbarte Länder. Mit einhergehend zum Bürgerkrieg ist der ökonomische Niedergang, aber auch die unterdurchschnittlichen Niederschläge des Herbstes für die Situation im Lande mit verantwortlich. In den Provinzen Northern Bahr el Gazal und Unity wird vor einer humanitären Katastrophe im ersten halben Jahr 2017 gewarnt. Das Büro des UN Nothilfekoordinators gibt den finanziellen Bedarf allein für den Südsudan mit 1,6 Mrd. US-Dollar an um humanitäre Hilfe in diesem Jahr leisten zu können. 

Am 24. Februar fand in Oslo eine Geldgeber-Konferenz zur Unterstützung von Hungerleidenden in Nord-Ost-Nigeria und den drei anderen Ländern im Tschadbecken statt. Dabei wurden Zusagen für Hilfsgelder in Höhe von 458 Mio. US-Dollar in 2017 und 214 Mio. US-Dollar in 2018 erzielt. Die Bundesrepublik war im übrigen der Mitausrichter der Konferenz und stellt 120 Mio. € für die nächsten drei Jahre in Aussicht, wohlgemerkt ist das noch keine Zusage. Damit bleibt die Konferenz weit hinter den Erwartungen der beteiligten UN Organisationen zurück, allein der Humanitarian Response Plan 2017 für die Region benötigt 2,66 Mrd. US-Dollar für seine Umsetzung. Immerhin reden wir von ca. 10. Mio. Menschen in dieser Region die in diesem Jahr auf Hilfslieferungen angewiesen sein werden. 

Eigentlich ist es aus meiner Sicht ein Treppenwitz, aus Mangel an Geld bzw. Hilfsbereitschaft drohen nun gleich drei Hungerkrisen in katastrophale Hüngersnöte auszuwachsen. Sicher die Bürgerkriege im Jemen, Nigeria und Südsudan haben primär interne Ursachen in diesen Staaten, werden jedoch auch von außen fleißig befeuert. An dem Willen unserer Bundesregierung die Fluchtursachen zu bekämpfen darf man angesichts der recht mageren Mittelzuweisung für die UN-Soforthilfe wohl zu Recht zweifeln. Mehr als Sonntagsreden haben unsere Politiker eigentlich auch nicht zu bieten, Bundesminister Gerd Müller forderte nun einen Soforthilfefond von 10 Mrd. US-Dollar für die UN-Organisationen. Aber ich glaube von diesem Plan werden wir wohl so schnell nichts mehr hören. Viel lieber reden unsere Politiker von Flüchtlingsabkommen mit Algerien, Tunesien oder Marokko, das obwohl zumindest Tunesien solche Pläne bereits zurückgewiesen hat. Wir werden sehen wie es in diesen drei Regionen weitergeht, aber allzu große Hoffnungen mache ich mir zur Zeit nicht.    

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