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2016, ein erneutes Rekordjahr

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

 

Sieht schön aus: Schneebedecktes Kamtschatka am 18. Januar 2017 Quelle: NASA Earth Observatory

Das das Klima der Erde sich erwärmt ist eigentlich keine Neuigkeit und jeder merkt diesen Umstand, selbst im eigenen Umfeld. Übereinstimmend berichten Met-Office, NASA und NOAA das 2016 das wärmste Jahr seit Beginn der globalen  Wetteraufzeichnungen im Jahre 1850 war. Eigentlich war es keine Überraschung, immerhin hatten wir 2015/16 das stärkste El-Nino-Ereignis seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, welcher laut dem Met-Office immerhin mit 0,2°C zum Gesamtergebnis beitrug. Insgesamt lag die globale Durchschnittstemperatur 2016 bei 14,83°C und damit mit 0,77°C über dem Vergleichszeitraum von 1961-1990. Die NASA und NOAA gehen sogar von 0,99°C aus. 

Regional gesehen fallen durchaus Unterschiede auf, für Deutschland war 2016 laut dem DWD das achtwärmste Jahr. Die Mitteltemperatur lag bei 9,5°C und damit 0,6°C über dem aktuellen Vergleichszeitraum von 1991-2010. Ebenso warm war es 1934, 1989, 1990, 1999, 2006 und 2008. In Gera-Leumnitz lag die Temperatur ebenso bei exakt 9,5°C im Jahresmittel. Hinsichtlich des Niederschlags war es in Deutschland 2016 zu trocken. Es fielen im Mittel nur 733,1 mm, in Gera-Leumnitz waren es sogar nur 559,1 mm Niederschlag. Damit reiht 2016 als 92. nasstestes bzw. 45. trockenstes Jahr seit 1881 oder als 80. nassestes bzw. 37. trockenstes Jahr seit 1901 in die Klimatabellen für Deutschland ein.

Das einige Regionen der Erde dabei mehr und mehr ins schwitzen kommen ist seit längeren klar. Nimmt man die borealen Gebiete des hohen Nordens mit ihren Permafrostböden, so kann man den Permafrostböden beim tauen regelrecht zu sehen. Neueren Forschungen nach entstehen mehr und mehr Thermokarstlandschaften in Kanada, Russland und Alaska. Einer Studie aus 2009 zufolge sollen damals bereits 20% der nördlichen Permafrostböden von diesem Transformationsprozess betroffen sein. Das Problem ist eigentlich seit langen bekannt, immerhin bilden Permafrostböden einen natürlichen Speicher für Mineralien, aber auch für Kohlendioxid und Methan. Schätzungen zufolge sollen in oberen drei Metern der Permafrostböden die gleiche Menge an Kohlendioxid und Methan gespeichert sein wie in der Atmosphäre. Taut er auf entstehen immer mehr Feuchtgebiete und Seen und es entweichen logischer Weise die beiden Klimagase, die Folge "Housten wir haben ein Problem". Von den Flächenumbildungsprozessen in der Tundra las ich erstmals 2011. Eingeleitet wird die Bildung von Thermokarstlandschaften von der Entstehung von Seen und Bächen. 2014 zählte man bereits ca. 3,7 Mio. Seen und Tümpel in den Permafrostregionen des hohen Nordens. Eine Studie aus 2016 katalogisierte die betroffenen arktischen Regionen und macht meiner Meinung nach den dringenden Handlungsbedarf nochmals deutlich. Es geht ja hierbei nicht nur um Treibhausgase, sondern tauende Permafrostböden verändern die Gewässerchemie der Stand- und Fließgewässer in diesen Regionen. Beim Yukon in Alaska zum Beispiel stellte man in den letzten dreißig Jahren einen drastischen Anstieg von Schwefel- und Phosphorverbindungen im Wasser fest. Die veränderte Wasserchemie der Flüsse der Arktis macht sich letztendlich auch in den Ozeanen bemerkbar, inwieweit ist derzeitig noch nicht völlig klar.  

Mit in dieses Bild passt das die Meereisausdehnung sowohl in der Arktis und Antarktis in 2016 jeweils als rekordverdächtig gering eingestuft wurde. In der Arktis erreichte das Minimum mit 4,14 Mio. km² die zweit geringste Ausdehnung bereits Anfang September und in der Antarktis erreichte das Meereis sein Maximum mit einer rekordverdächtigen geringen Ausdehnung bereits Ende August, danach schrumpfte es rapide. Man wird zwar speziell auf der südlichen Hemisphäre erst sehen ob dieser Trend anhält, immerhin wurde 2014 erst noch ein Rekordmaximum vermeldet.  

Bedeutende Klimaanomalien des Jahres 2016 Quelle: NOAA

Bedeutende Klimaanomalien des Jahres 2016 Quelle: NOAA

Das die Kohlendioxidkonzentration auch ohne die tauenden Permafrostböden steigt ist seit langem bekannt. Am Observatorium auf dem Mauna Loa, Big Island Hawaii, wurde im Mai 2016 beispielsweise eine durchschnittliche monatliche CO2-Konzentration von 407,7 ppm (parts per million = Teile pro Million) ermittelt. Auch ein Spitzenwert, aber 2016 hielt auch eine starke Hurrikansaison im Atlantik parat. Mit 15 tropischen Stürmen und 7 Hurrikanes überdurchschnittlich sogar. Besonders wird wohl Hurrikane Matthew in Erinnerung bleiben, aber mich beeindruckte ebenso der kaum beachtete, aber ungewöhnlich weit nach Norden ziehende Hurrikane Nicole. Ebenso ungewöhnlich war die Zugbahn des Taifuns Lionrock, dieser traf Nordkorea, ein Land das eher nicht dafür bekannt ist das Taifune ihren finalen Landgang machen. Zwar war die Taifunsaison im westlichen Pazifik mit 13 Taifunen eher Durchschnitt, aber mit dem Weihnachtstaifun Nock-ten hielt auch diese eine böse Überraschung parat.  

Einen besonders heißen Sommer erlebte der mittlere Osten, in Mitribah, Kuweit, wurden 54°C am 21. Juli gemessen. Einen Tag später erreichte in Basra die Temperatur 53,9°C und auch im Iran wurde ein neuer landesweiter Höchstwert gemessen, Dehloran vermeldetet 53°C. Okay alle diese Orte liegen nur wenige hundert Kilometer auseinander, aber höhere Temperaturen wurden noch nie in Asien gemessen. Ebenso ungewöhnlich empfand ich den Kollaps von gleich zwei Gletschern auf dem Hochland von Tibet. Immer noch eine mysteriöse Angelegenheit, ob das mit den steigenden Temperaturen zusammenhängt? Wer weis, aber der absolute Kontrast zu diesen höchsten Temperaturen in Asien bildete die Kältewelle im zentralen Asien im Winter 2015/16. Mit Temperaturen von unter minus 50°C traf es die Mongolei besonders schwer, ebenso fiel extrem viel Schnee. Das Klimaphänomen Namens Dzud oder Dsud kostete mehr als einer Million Nutztieren das Leben und betraf fast eine viertelmillion Menschen. Das absolut besondere diesen Winter trat wiederum ein Dzud auf, in der Regel traten diese Kältewellen bisher alle fünf bis sieben Jahre auf.  

Nun für mich waren dies die Highligths des Jahres 2016, mit der Amtseinführung von Donald Trump dürfte zwar die Klimadiskussion wieder entfacht werden, aber die Fakten sprechen wohl eine deutliche Sprache.    

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