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Der Weihnachts-Taifun

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Nock-Ten am 26.12.2016 15:30 Ortszeit über dem Südchinesischen Meer Quelle: PAGASA

Nun Nock-Ten ist über die Bicol-Region der Philippinen hinweg gezogen. Am 26. Dezember um 4 Uhr Morgens (Ortszeit) befand sich das Zentrum des Taifuns ca. 85 km nördlich der Insel Romblon, die Windgeschwindigkeiten nahe der Augenwand erreichen immer noch 155 km/h, in Böen 250 km/h. Nock-Ten, alias Nina, zog danach weiter westwärts mit einer Geschwindigkeit von 20 km/h und um 14 Uhr befand sich sein Zentrum ca. 100 km Süd-Südwest von Subic Bay. Welche Zerstörungen und Todesopfer der Taifun auf den Philippinen forderte werden wir erst in ein paar Tagen sehen, also Update folgt noch.

Aber ich habe mir einmal ein paar Gedanken gemacht ob Taifune und tropische Stürme im Dezember über den Philippinen ungewöhnlich sind? Immerhin war ich der Autor des Wikipedia-Artikels Biodiversität der Philippinen und deren Unterabschnitte Klima und Klimawandel. Eigentlich sind tropische Stürme und selbst Taifune im Dezember über den Philippinen nichts ungewöhnliches. Selbst ungewöhnlich zerstörerische sind in den Monaten November und Dezember keine Seltenheit, zumindest wenn man die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts betrachtet. Was mich persönlich etwas erstaunte. Aber ich muss wohl mein Wissen etwas erweitern :) .  

Zugbahn des Weihnachtstaifuns Quantico vom Dezember 1918 Quelle: rappler.com

Zugbahn des Weihnachtstaifuns Quantico vom Dezember 1918 Quelle: rappler.com

Bei der Recherche bin ich zum Beispiel auf den Weihnachtstaifun Quantico gestoßen, der am 25. Dezember 1918 in der Provinz Sorsogon seinen Landgang machte. Zur damaligen Zeit anscheinend ein eher ungewöhnliches Ereignis, denn der damalige Chef Metereologe Jose Coronas schrieb sogar ein Buch mit dem Titel The Quantico Typhoon, December 25, 1918. Seine Zugbahn war wirklich ungewöhnlich, wie auf der Isobaren-Karte oben dargestellt, und Coronas beschriebt das Ereignis als "unerwartet und ungewöhnlich". Allgemein liegen die nördlichen Philippinen in dieser Jahreszeit im Bereich der aus Nordosten wehenden Passat-Winde, die auf Luzon Amihan genannt werden.

Geht man weiter in die Geschichte zurück trifft man den spanischen Jesuiten und Harvard Absolventen Miguel Selga. Dieser war Leiter des Manila Observatoriums (1926 bis 1946) und verfasste unter vielen anderen das Werk Catalouge of Typhoons from 1348 to 1934. Wobei er insgesamt 652 Ereignisse listet, darunter 533 Taifune. Für die Kolonialzeit von 1572 bis 1898 werden insgesamt 523 Taifune gelistet und ein Taifun entfällt auf die vorkoloniale Ära. Etwas umstritten ist Miguel Selgas erste Quelle, der arabische Weltreisende Ibn Battuta. Dieser berichtet während seiner Reise von China zurück nach Malakka von einem Taifun, wobei bis heute eigentlich nicht wirklich geklärt ist ob er jemals die Philippinen besuchte. Aber trotzdem Hut ab, diese Chronologie ist einzigartig. Immerhin listet er vier Taifune im 16. Jahrhundert, 23 im 17. Jahrhundert, 35 im 18. Jahrhundert, 40 in der ersten Hälfte und 431 in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das soll jetzt kein Beweis für die Klimaerwärmung sein, aber es zeigt die technische Revolution in der Kommunikation in der zweiten hälfte des 19. Jahrhunderts. In den vorherigen Jahrhunderten waren die Überlieferungen stets Lückenhaft, da sie immer mit wichtigen Ereignissen in Verbindung gebracht werden mussten. Wie zum Beispiel der Taifun der 1588 Manila heimsuchte, dieser zerstörte die Kathedrale von Manila (damals noch aus Holz erbaut), aus diesem Grunde wurde er überliefert. 

Nach der fatalen Sturzflut vom 5. November 1991 in Ormoc City, Insel Leyte Quelle: Rappler.Com

Nach der fatalen Sturzflut vom 5. November 1991 in Ormoc City, Insel Leyte Quelle: Rappler.Com

Eigentlich sind Taifune der Kategorie III und höher im Dezember auch nicht so selten auf den Philippinen. Nimmt das Archiv der NOAA zu Hilfe kommt man zu folgendem Ergebnis:

- Kategorie 4 Taifun Harriet am 31. Dezember 1959, Windgeschwindigkeit 234 km/h

- Kategorie 3 Taifun Opal im Dezember 1964, Windgeschwindigkeit 185 km/h

- Kategorie 4 Taifun Nanmadol am 2. Dezember 2004, Windgeschwindigkeit 217 km/h

- Kategorie 3 Taifun Hagupit (Ruby) am 6. Dezember 2014, Windgeschwindigkeit 201 km/h

- Kategorie 5 Taifun Gilda am 18. Dezember 1959, Windgeschwindigkeit 257 km/h

- Kategorie 4 Taifun Manny (Naning) am 9. Dezember 1993, Windgeschwindigkeit 209 km/h

- Kategorie 5 Taifun Bopha am 3. Dezember 2012, Windgeschwindigkeit 273 km/h

Nimmt man dann die Monate November und Dezember hinzu stellt sich die Geschichte dann so dar:

- 15. November 1991 der tropische Sturm Thelma (Uring) löste die Ormoc Tragödie aus, mit mehr als 5.100 Todesopfern

-  Taifun Amy tötete im Dezember 1951 991 Menschen

- unvergessen Taifun Washi 2011, die Fluten und Erdrutsche die er auslöste töteten 1080 Personen, im übrigen sind dieses wohl nur drei Beispiele 

Das soll jetzt keine Rede gegen die Klimaerwärmung sein, aber meiner Meinung zeigt sie das man die Klimaerwärmung nicht immer als Beweis für Veränderungen anführen kann, es kommt wohl eher darauf an zu differenzieren. Nimmt man die Ormoc-Tragödie von 1991, so war der Taifun Thelma (Uring) der Auslöser, aber die menschlichen Aktivitäten, wie illegaler Holzeinschlag und landwirtschaftliche Monokulturen, trugen genauso zum Ergebnis der Tragödie bei. 

Super Taifun Durian über den Philippinen, aufgenommen am 30. November 2006 Quelle: NASA Earth Observatory

Super Taifun Durian über den Philippinen, aufgenommen am 30. November 2006 Quelle: NASA Earth Observatory

Außerdem halte ich unser kollektives Gedächtnis für ziemlich beschränkt, wenn es da nicht das Internet gäbe. Nimmt man zum Beispiel den Super Taifun Haiyan (Yolanda) der vor unter anderem Tacloban auf Leyte traf. Er war ein Taifun der Extreme, zumindest zum Zeitpunkt des Landfalls war er der stärkste der jemals vorher gemessen wurde. Vor allem blieb sein Name im Gedächtnis, denn er tötete offiziell mindestens 7.350 Personen, zerstörte aber auch 1,2 Mio. Häuser und machte 4,13 Mio. Menschen Obdachlos. Dieser Taifun zeigte die Grenzen der seriösen Berichterstattung auf, zum Beispiel zählte die Süddeutsche Zeitung am 10. November bereits 10.000 Tote was ich persönlich heute bereits als Fake News bezeichnen würde, denn die Quelle ist die Süddeutsche Zeitung selber.

Aber wer erinnert sich noch an Super Taifun Durian(Reming)? Dieser löste durch seine Regenfälle am 30. November 2006 am Vulkan Mayon einen Erdrutsch aus der ein ganzes Dorf begrub. Offiziell tötete der Taifun 734 Menschen, inoffiziell waren es ca. 1.200 Personen. Ich könnte es jetzt immer weiter spinnen, aber primär denke ich Nock-ten war ein seltenes Ereignis zu Weihnachten. Aber nachdenklich macht mich, das Wetterextreme wie Taifune auch im November und Dezember auf den Philippinen keine unbedingte Seltenheit sind. Aber noch Nachdenklicher macht mich, das Medien gerne über solche Ereignisse berichten vor allem wenn es Tote gibt.    

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