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Hungerkrise im Sahel 2016

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Dorf im Sahel
Dorf im Sahel

Ich habe mir heute den Spaß gegönnt einmal nach der aktuellen Hungerkrise im Sahel in unseren Medien zu suchen, mit einem etwas ernüchternden Ergebnis: ZERO, also keine Treffer. Dabei erstaunt es mich eigentlich nicht besonders, Afrika und speziell der Sahel- und die Sudanregion gelten hier zu Lande als eingefleischte Hunger- und Flüchtlingsproduzenten. Wenn ich mich recht erinnere gab es in der letzten Dekade vier Hungerkrisen in der Region, nämlich 2005/06, 2008, 2010 und 2012. Vielleicht sind unsere Medien einfach abgestumpft oder halten andere Themen für viel wichtiger. Selbst die Deutsche Welle berichtete diese Woche lieber: Was bedeutet Trump für Afrika?. Na gut das ist zwar auch ein wichtiges Thema, denn Präsident Obama hat mit Power Africa ein sehr ambitioniertes Programm gestartet. Außerdem haben die USA seit 2011 im Jahresdurchschnitt neun Milliarden US-Dollar Entwicklungshilfe in die Staaten in der Subsahara transferiert und die USA sind mit Abstand der größte Geldgeber UN Nothilfeprogramme, aber die Krise dieses Jahr könnte sich noch zuspitzen und dann? Schauen wir wieder einmal erstaunt auf diesen Kontinent und sagen: typisch Afrika außer Krisen produzieren die ja sonst nichts.

Als ich damals den Wikipedia Artikel Hungerkrise im Niger 2005 schrieb fiel mir nämlich eines auf, die Hungerkrisen in Afrika kamen nie aus heiteren Himmel, sie waren stets eine humanitäre Katastrophe mit Ansage. Es gibt nämlich das CILSS genannte Monitoring Programm der UN, das solche Situationen recht genau prognostizieren kann.

Außerdem ist auch bekannt das der Krieg gegen die BOKO HARAM Fanatiker in Nigeria bereits 1,4 Mio. Bewohner in den nigerianischen Bundesstaaten Adamawa, Borno und Yobe aus ihren Dörfern geflohen sind. Die FAO veröffentlichte bereits im August 2016 das über 3,3 Mio. Menschen durch den Bürgerkrieg im Nordosten Nigerias bereits akut von einer Lebensmittelunterversorgung bedroht bzw. 1 Mio. bereits betroffen sind. Bei ca. 65.000 Personen wurden bereits eine permanent dauerhafte Unterversorgung diagnostiziert. Hinzu kam das im August 2016 im Bundesstaat Borno bei zwei Kindern Polio diagnostiziert wurde. Dieses hatte zur Folge das eine massive Impfkampagne in den Ländern des Tschadbeckens durchgeführt wurde, bei dem 41 Mio. geimpft wurden.

Im Norden Kameruns sieht es auch nicht besser aus. In den Provinzen Adamaoua, East, North und Far North sind derzeitig wohl 2,5 Mio. Menschen von einer Lebensmittelunterversorgung akut bedroht.

In dem von unserer Kanzlerin im Oktober besuchten Niger leben derzeitig durch den anhaltenden Bürgerkrieg ca. 105.000 Binnenflüchtlinge und ca. 67.000 Flüchtlinge aus Nigeria leben derzeitig in der Region Diffa. Deren Situation war kein Gesprächsthema für Angela Merkel, sondern die Bundesregierung spendiert der nigrischen Armee 10 Mio. € für Ausrüstungen Made in Germany. Außerdem will die Bundesregierung wohl 17 Mio.€ für die Schaffung von Jobs in der Region Agadez bereitstellen. Also von Prävention gegen die Hungerkrise war nun anscheinend keine Rede, selbst auf der Webseite des BMZ findet man zur aktuellen Lage im Tschadbecken keinen einzigen Hinweis. Laut den Angaben der FAO herrscht jedoch in sechs Departments des Niger eine angespannte Versorgungslage der Bevölkerung und unsere Kanzlerin spendiert 10 Mio. € für die nigrische Armee, wie das zusammen passt dazu lieber keinen Kommentar.

Dabei hatte die Generaldirektion für Humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz der Europäischen Kommission im Juni diesen Jahres angegeben das 2016 ca. 6,3 Mio. Menschen in der Sahelzone akut auf Lebensmittelhilfen angewiesen sind und die EU 203 Mio. € an Hilfen bereitstellen will, okay Deutschland gehört zur EU. Aber ich könnte mir schon vorstellen das dieses Thema durch eine Reise von Merkel in eines der betroffenen Länder stärker in den Focus der Öffentlichkeit gerückt werden kann. Das aber Zero über die aktuelle Krise berichtet wird ist schon etwas ernüchternd. Wir werden sehen wie sich die Lage im Sahel weiter entwickeln wird, interessant ist es auf jeden Fall daran kann kein Zweifel bestehen.

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