Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog

Extreme Ozonverluste im Frühjahr über Europa

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Weltweite Verteilung von Ozon Quelle: Wikimedia-Commons

Bei Recherche zum Artikel "Eine Frage des Ozons" stieß ich auf diese Meldung des Forschungszentrums Jülich. Eigentlich wusste ich seit Anfang der 90er Jahre, dass auch die Arktis in kalten stratosphärischen Wintern von erheblichen Ozonverlusten betroffen sein kann. Immerhin gebietet die Logik diesen Umstand, wenn auf der südlichen Hemisphäre ein Ozonloch entstehen kann, warum eigentlich nicht auch über er Arktis? Die Reduktion und Kontrolle ozonzerstörender Substanzen, wie das FCKW, durch das Montrealer Protokoll (1987) und seine Folgeprotokolle halte ich daher für eine Erfolgsgeschichte der Umweltforschung, dennoch Überraschungen bleiben da nicht aus. Immerhin wurde im Winter 2010/11 die bisher ausgeprägteste Ozonzerstörungen über der Arktis beobachtet, so dass mir klar war das dieses Thema der Ozonschicht in der Stratosphäre uns noch eine ganze Zeit lang begleiten wird.

Das Problem mit den FCKW`s ist eigentlich folgendes: Aufgrund ihrer zunächst willkommenen chemischen Trägheit besitzen FCKW`s in der Atmosphäre eine Lebenszeit von etlichen Jahrzehnten. Nach ihrer Freisetzung werden sie innerhalb weniger Jahre durch die atmosphärischen Strömungen weltweit verteilt und gelangen über die aufsteigenden Luft in den Hadley-Zellen über den Tropen schließlich auch in die Stratosphäre, wo sie im Bereich der oberen Stratosphäre durch ultraviolette Sonnenstrahlung aufgespalten werden. Das dabei freigesetzte reaktive Chlor (Cl) wird über Chlormonoxid (ClO) sehr schnell in weniger reaktives Chlornitrat (ClONO2 ) oder Chlorwasserstoff (HCl) umgewandelt. Beide Verbindungen bilden das sogenannte Chlorreservoir, welches das stratosphärische Ozon zunächst nicht angreift. Unklar war lange Zeit wie die unerwartete Umwandlung des Chlorreservoirs (ClONO2 und HCl) in reaktive Chlorverbindungen in der antarktischen Stratosphäre vonstatten geht. Erst Ende der 1980er wurde entdeckt das diese Umwandlung durch heterogene chemische Reaktionen an Eispartikeln polarer Stratosphärenwolken eingeleitet wird. Diese als stratosphärische Hintergrundaerosole sind jedoch nicht die einzigen die diesen Vorgang auslösen. Seit 2010 weiß man auch das Schwefelsäuretröpfchen in der Stratosphäre können das Chlorradikal aktivieren. Eine Erkenntnis die insbesondere vor dem Hintergrund möglicher „Geoengineering-Maßnahmen“, wie zum Beispiel dem gezielten Eintrag von Schwefelpartikeln in die Stratosphäre zur Abschwächung der globalen Erwärmung, uns wieder einmal vor Augen führt das Ideen zum Geoengereeing Implikationen hervorrufen können die vorher nicht so bedacht wurden.

Während sich in der südlichen Hemisphäre regelmäßig über der Antarktis ein Ozonloch bildet, ist der Ozonabbau in der nördlichen Hemisphäre über der Arktis nur in extrem kalten Wintern ähnlich massiv. Was mit der Ausbildung des Polarwirbels im Winter über der Arktis zusammenhängt. So waren die stratosphärischen Temperaturen im Winter 2015/2016 so niedrig wie in den letzten Jahrzehnten noch nicht beobachtet. Dadurch konnten sich Polare Stratosphärenwolken (PSCs) über weiten Bereichen der Arktis, zwischen etwa 14 und 26 Kilometern Höhe, entwickeln. Dies führte in der ausklingenden Polarnacht zur Chlor-Aktivierung und im Sonnenlicht zum katalytischen Ozonabbau auch über Nordeuropa. Nach den Jülicher Pressemitteilung soll der Ozonverlust im März 2016 größer sein als im Rekordjahr 2011. Die gemessenen Werte lagen dabei weit unter 220 Dobson-Einheiten, aber das war nur von kurzer Dauer. Zwar geht seit einigen Jahren der FCKW Anteil in der unteren Atmosphäre zurück, jedoch in den oberen Stockwerken wird dieser Trend eher Zeitversetzt ankommen. Wir werden wohl erst in ein paar Jahren sehen in wie weit sich dieser Trend fortsetzen wird, aber wie gesagt vor Überraschungen in Zeiten des Klimawandels ist man leider nicht gefeit. Ein interessantes Thema ist es auf jeden Fall und es lohnt sich schon sich näher damit Auseinander zu setzen.

Kommentiere diesen Post