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Die Barbarei ist ein Problem der Barbaren?

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Diese Überschrift in einem Kommentar zu einem Artikel las ich gerade, etwas kurzsichtig wie ich meine, denn das setzt voraus das die Barbaren allein auf ihrer Welt sein müssten. Aber allgemein gesehen generiert der Begriff Barbar ein etwas antiquiertes Weltbild, denn als Barbaren wurden, spätestens seit den alten Griechen, all diejenigen bezeichnet die nicht (oder schlecht) griechisch und damit unverständlich sprachen (wörtlich: Stammler, Stotterer, eigentlich: br-br-Sager). Parallel wurde von den Indern das Sanskrit-Wort barbarāh (Plur.) ‚Stammler, Laller‘ zur Bezeichnung fremdartiger Völker verwendet. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch das der Autor des Kommentars wohl eher roh-unzivilisierte und ungebildete Menschen meinte, die darüber hinaus wohl nicht die selbe Zivilisationsstufe erreicht haben wie er selber.

Das Problem mit der Aussage ist, mit aller Wahrscheinlichkeit hätte man eine solche Aussage noch nicht einmal im Altertum treffen können, denn ein großes Problem bei den Barbaren hatte auch Auswirkungen auf die alten Griechen und Römer. Wie jeder erraten kann wurde dieser Kommentar im Zusammenhang mit der Zuwanderungs- bzw. der Flüchtlingskrise geschrieben. Ablehnende Haltungen zu Flüchtlingen und Migranten sind bekanntlich nicht neu in dieser Gesellschaft, alt bekannt sind die Anfeindungen gegenüber Türken und Südeuropäern in den Sechzigern und Siebziger, die waren bekanntlich nur Gastarbeiter und blieben dann. Wer spielt heute in der deutschen Nationalmannschaft? Unter anderen deren Kinder, also die zweite dritte oder vierte Generation. Zu Kaiser Wilhelms Zeiten waren es die Osteuropäer die nach Deutschland kamen und selbst die Deutschen suchten einstmals ihr Glück in der Fremde, wenn man sich die Migration der Deutschen in die "Neue Welt" im 19. und 20. Jahrhundert so einmal ansieht und diese hatten aber auch so ihre Problemchen mit der Akzeptanz. Immerhin galten die Deutschen im 19. Jahrhundert noch nicht als die arbeitswütigen und kongenialen Geschöpfe, wie viele hier zu Lande uns nun am liebsten sehen würden. Selbst die Sichtweise des Landes der Dichter und Denker hinkt wohl gewaltig, immerhin stammt der Spruch als Deutschland, das Land der Dichter und Denker von einer Französin Namens Germaine de Staël, nach ihrem Treffen mit Geistesgrößen wie Goethe, Schiller oder Schlegel.

Diese Single stand alone Ansicht das ein Problem bei den Barbaren nur ein Problem der Barbaren sei kann man auch kontern, denn der Terrorismus ist bekanntlich nicht nur ein Problem der Terroristen, sondern vielmehr ein Problem der Opfer. Aber diese Sichtweise auf andere Regionen dieser Welt wird bestimmt von einer Art des Kulturimperialismus, also der Höherbewertung der eignen Kultur gegenüber anderen, was aber auch in der Psychologie einem Dominanzverhalten entspricht. Vielleicht kann ich mich auch irren, aber in der Debatte um die Flüchtlinge brechen anscheinend alt bekannte Verhaltensmuster auf, die ich alle samt zu den etwas negativeren zähle. Wobei auch zu sagen wäre das diese kulturellen Argumente wohl eigentlich keine richtigen Argumente darstellen. Denn wie schrieb der Autor des Kommentars so trefflich:

Nun wächst auch hier langsam die Erkenntnis, dass diese Flüchtlinge auch ihre kulturellen Konflikte und Rückständigkeiten ebenfalls mitnehmen und auch keinen Grund sehen, diese aufzugeben.

Telepolis

Wenn man das Wort kulturell durch Geistig ersetzt wird wohl eher ein Schuh daraus, denn das war eine treffliche Nabelschau des Kommentators auf sich selber. Rühmen wir uns nicht im Glanze der Aufklärung, des Humanismus erzogen worden zu sein und was war das noch einmal?

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