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Bomben auf Kundus, Bomben auf Syrien

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Naja könnte man meinen, unsere Medien laufen Sturm gegen den Einsatz der russischen Luftwaffe in Syrien, bejubeln aber gleichzeitig den Einsatz der US Air Force auf Seiten der syrischen Opposition und zur Rückeroberung der Stadt Kundus in Afghanistan. Nun wurde ein Krankenhaus das von Ärzte ohne Grenzen betrieben wurde von der US-Luftwaffe bombardiert und weitestgehend zerstört. Die Tagesschau der ARD schrieb dazu: >>Mutmaßlicher US-Luftangriff in Kundus<<, die Betonung liegt hier auf Mutmaßlich, so als ob der Angriff vielleicht doch nicht von der Air Force ausgeführt wurde. Diese erklärte etwas zynisch möglicherweise habe einer ihrer Angriffe in der Nacht zum 3. Oktober - so wörtlich - Kollateralschäden verursacht. Der Vorfall werde untersucht.

Klar, die USA fliegen "versehentlich" einen Angriff, der gleich in mehreren Wellen ausgeführt wurde, auf ein Krankenhaus. Logisch, die US-Militärpiloten sind alle blind, taub, haben ständig Orientierungsschwierigkeiten und werfen gleich mehrfach Bomben auf das falsche Ziel, wie peinlich ist denn so eine Erklärung? Die Geokoordinaten des Krankenhauses waren den Amerikanern und der afghanischen Armee obendrein von Ärzte ohne Grenzen mitgeteilt worden, also mich erinnert das eher an die Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad 1999, während des Kosovo-Krieges. Erstaunlich finde ich außerdem die Verniedlichung dieser Attacken auf primär zivile Ziele, selbst wenn sich Taliban im Gebäude aufgehalten hätten, gäbe es keinen Grund ein Krankenhaus anzugreifen. Für mich ist so ein Vorgehen eigentlich ein Zeichen das zivile Ziele, wie dieses Krankenhaus, gezielt angegriffen wurden was schon von krimineller Energie, nicht so sehr der Piloten, sondern der Befehlshaber am Boden, die den Angriff anordneten.

Ganz anders die Berichterstattung über den Einsatz der russischen Luftwaffe in Syrien, da schreibt die Tagesschau:

"Das russische Vorgehen treibe die gemäßigten Rebellen in den Untergrund, oder erzeuge eine Situation, in der sie geschwächt werden,..."

Soll das ein Witz sein, wer hat sich denn diesen Joke ausgedacht?

1. Wer oder was sind denn die gemäßigten Rebellen in Syrien?

2. Rebellen sind Rebellen, weil sie im sogenannten Untergrund leben, d.h. außerhalb einer staatlichen Autorität sich organisieren und leben...

Hektisch reagiert man in den westlichen Regierungszentralen, ob nun in Bonn, Paris oder Washington. Überall wird an den russischen Luftschlägen herumkritisiert, sie hätten ja gar nicht den IS getroffen, wobei nicht näher darauf eingegangen wird, wen sie tatsächlich getroffen haben. Man gibt sich überrascht und verwundert, obwohl Putin gar nicht verheimlicht, dass er natürlich Assad unterstützen will. Der russische Außenminister Lawrow erklärte sogar wem die russischen Luftangriffe gelten, nämlich den Kräften in Syrien die nun wiederum Assad bekämpfen, wen wundert es natürlich sind damit auch die sogenannten gemäßigten Rebellen gemeint. Dieses bringt uns aber immer zu der Frage, wer sind jetzt eigentlich diese gemäßigten Rebellen in Syrien?

Das Fiasko der USA mit einem 500-Millionen-Dollar teuren Ausbildungs- und Ausrüstungsprogramm zum Aufbau einer syrischen Bodentruppe gegen Assad ist mir persönlich noch in guter Erinnerung. Bei diesem Programm wurden 70 Rebellen in der Türkei ausgebildet und nach Syrien als "Neue Syrische Streitkräfte" geschickt, die im Verbund mit anderen überprüften Rebellengruppen operieren würden. Von diesen 70 Rebellen waren im September noch 9 Mann übrig(1), was uns wieder zu der Frage bringt wer sind denn diese überprüften Rebellengruppen nun wiederum? Nach einigen Medienberichten soll es sich um eine "syrisch-arabische Koalition" handeln, wobei vermutlich die Gruppen Jaish al-Fatah und Ahrar al-Sham mit einbezogen werden, die erstere steht der al-Qaida nahe und die letztere gilt als Partner der Türkei und beide koalieren teilweise mit der Jhabat al-Nusra, die ihrerseits als die al-Qaida-Marke in Syrien gilt(2).

Wenn man sich den gesamten Heck Meck um die gemäßigten Rebellengruppen in Syrien ansieht, scheinen diese Gruppen sich primär im heiligen Krieg mit Assad zu befinden und weniger im Kampf gegen den IS verpflichtet zu fühlen. Sieht man sich diese gemäßigten Rebellengruppen einmal genauer an kommen einem schon Zweifel wen die USA, Frankreich usw. da unterstützt. Meiner Meinung nach will man eher den Regime Wechsel weiter voran treiben und sich später mit dem IS beschäftigen, denn was haben die ganzen Luftangriffe der westlichen Koalition gegen den IS nun gebracht? Das weis anscheinend keiner so richtig, außer die Luftangriffe hatten weder im Irak noch in Syrien die gewünschten Erfolge erzielt.

Das eingreifen Russlands in Syrien kann natürlich auch dazu führen das in Syrien nun die Seiten sich weiter verhärten, denn militärisch kann Russland Assad vielleicht stabilisieren, aber auf der anderen Seite weis eigentlich jeder das ein Bürgerkrieg militärisch nicht zu gewinnen ist. Vielleicht zielt das russische Eingreifen auch gar nicht darauf ab, sondern Putin will allen Seiten klar machen das es letztendlich nur eine politische Lösung für diesen Bürgerkrieg geben kann. Die Bekämpfung des IS wird auch in diesem Falle eine eher sekundäre Bedeutung zugeschrieben, denn zuerst muss eine politische Lösung her die alle Seiten mit einbezieht. Vielleicht ist es ja diese Perspektive die die westliche Koalition so scheuen lässt. Aber auf jeden Fall halte ich die Berichterstattung über die Kriegshandlungen der USA und Russlands für eher tendenziös, so nach dem Motto der eine GUT und der andere BÖSE, nur das dieses gut und böse Schema bei einer objektiven Betrachtungsweise in sich zusammenbricht weis eigentlich auch jeder.

(1) http://www.centcom.mil/en/news/articles/sept.21-additional-new-syrian-forces-deployed-to-syria

(2) http://www.heise.de/tp/artikel/46/46060/1.html

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