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Flüchtlinge, der Glauben und das Mittelalter

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Man könnte meinen man lebt im Mittelalter, als der Mensch noch nicht den Menschen als Gattung Homo als Ganzes verstand sondern penibel unterschied in Christen, Moslems oder in Weiße, Gelbe und Schwarze. Nach der französischen Revolution von 1789 entstand das Konstrukt der Nation und des Vaterlandes, nun etwas später entstanden dann noch einige extreme Ansichten dazu und man unterschied die Menschheit dann in Rassen und anderen Attributen des vordergründigen Aussehens welche ihren Ursprung jedoch nun wiederum im Mittelalter hatten, besser gesagt im christlichen Jafet-Mythos der Genese der Menschheit und damals ziemlich populär war.

Wenn man sich die Reden der Politiker zur Flüchtlingsproblematik einmal anhört haben wir das Mittelalter noch lange nicht hinter uns gelassen. Da wird mit Werten argumentiert, wohlgemerkt den Europäischen, wobei niemand in der EU so genau weiß welche diese nun sind. In den baltischen und den Staaten der Visegrad Gruppe argumentiert man das die Flüchtlinge aus Syrien wohl kulturell und religiös nicht kompartibel mit ihren Staaten seien und sowieso nur Christen aus Syrien und dem Irak als Flüchtlinge aufgenommen werden könnten. Wenn man bedenkt das diese Länder 2003 zur Achse des Guten oder besser gesagt zu den Neuen Europäern gehörten die zusammen mit den USA in den Irak einmarschierten und uns letztendlich die Flüchtlingsmisere und Daisch mit einbrockten. Das haben unsere Freunde in Osteuropa anscheinend vergessen und daran kann man auch sehen was es heißt letztendlich Verantwortung zu übernehmen. In Polen ging man sogar so weit eine Stiftung Namens Esther zu gründen, die sich eignem Bekunden nur um christliche Flüchtlinge kümmern soll und auch dafür wirbt. Besonders erstaunlich ist es handelt sich hier um eine private Organisation, der Staat ist nicht beteiligt.

Nun ist zwar recht lobenswert wenn man sich um Flüchtlinge kümmert, nur warum unterscheidet man Menschen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit in Bezug auf ihre Hilfsbedürftigkeit? Dabei dürfte sich mit einigem Grips im Kopf einem schon Fragen stellen, wie steht es in den christlichen Ländern wie Polen, Tschechien, Ungarn, Slowakei, Litauen oder Estland mit den christlichen Werten wie der Nächstenliebe? In Polen, der christlichsten Nation Europas, in der von allen Ausländern die "Araber" die größte Abneigung auf sich ziehen so nach dem Motto "Die Türken stehen vor Wien", das obwohl die Türken von den Turkvölkern Zentralasiens abstammen, oder der Slowakei wo sich die Regierung gegen eine Flüchtlingsquote wehrt wie der Teufel das Weihwasser. Nimmt man die Äußerung des tschechischen Außenminister Lubomir Zaoralek: "Wir sind überzeugt, dass wir als Länder die Kontrolle über die Zahl der Flüchtlinge aufnehmen sollten, die wir bereit sind aufzunehmen", erkennt man Recht schnell um was es den Osteuropäern geht: um ihre nationale Identität, was immer das auch seien mag erklären kann es eigentlich keiner. In der Slowakei beträgt der Anteil der Ausländer an der Gesamtbevölkerung etwa 1,4 Prozent, in Tschechien sind es 4, davon nur 0,1 Prozent Muslime. Man argumentiert allzu gerne mit der drohenden Islamisierung und in der heutigen Zeit sieht man das primär im Kontext mit der Angst vor dem Islamischen Staat. Das die syrischen und irakischen Flüchtlinge gerade vor dem Bürgerkrieg und dem Islamischen Staat geflohen sind interessiert dabei anscheinend nur sehr wenige, die meisten assoziiern Moslems nun primär mit Köpfe abschneidenden Halbwilden. Viele Osteuropäer haben in ihrem Leben noch keinen Flüchtling jemals gesehen oder geschweige mit einem jemals gesprochen, aber mögen tut man sie von vornherein nicht da sie ja so anders sind, eben Moslems deren Hobby es ist Köpfe abzuschneiden. Nun das kommt einem schon ziemlich bekannt vor, wenn man sich das Programm unserer NPD, PEGIDA oder den Ausfällen von CSU Politikern zum Thema in unserem Lande einmal so durchliest. Auch in Deutschland meinen viele Menschen und auch einige Politiker das es zu viele Ausländer im Lande sind und es kursieren recht wilde Fantasien darüber was ein Asylsuchender hier zu Lande alles bekommt, was ein Hartz IV Empfänger eben nicht bekommt.

Die Flüchtlingsmisere bringt die Staaten der Europäische Union in meinen Augen auch in eine gefährliche Schieflage, hin zum einem ethno-kulturellen Nationalismus in den Einzelstaaten. Nicht umsonst halten in fast allen Staaten der EU rechtsextreme bisweilen faschistoide Parteien Einzug in die Parlamente. In Ungarn stellt eine ultrarechte Partei die Regierung um Viktor Orban, der ja kürzlich sagte das es kein Grundrecht auf ein besseres Leben gebe. Ungarn baut auch wieder einen Grenzzaun zu seinen Nachbarn im Süden auf und am 15. September trat ein Gesetz in Kraft das illegale Grenzübertritte unter Strafe stellt. Nun eigentlich steht in den einzelnen EU-Staaten der illegale Grenzübertritt unter Strafe, in Deutschland verklausuliert in § 13 Aufenthaltsgesetz und bei Zuwiderhandlung wird der Illegale Grenzübertritt zumindest als Ordnungswidrigkeit geahndet, aber wenn ein Bezug zum Dublin III Abkommen besteht mit der Abschiebung in den Nachbarstaat "bestraft".

Nun an den Außengrenzen gab es wie in Melilla und Ceuta, in Griechenland und Bulgarien schon länger Grenzzäune als besonders markante und symbolische Abwehreinrichtungen für unerwünschte Menschen, sprich den Flüchtlingen. Daneben gibt es die weniger sichtbaren Grenz- und Überwachungstechniken wie sie FRONTEX offenbart sowie das Schengensystem, um Flüchtlinge zu identifizieren. Aber nun Patroliert wieder Grenzschutz und Polizei an den Außengrenzen der Nationalstaaten innerhalb der EU und an den Außengrenzen der EU entstehen neue Zäune um Flüchtlinge abzublocken. Das ist nun eigentlich eine Grundkonstante in den europäischen Werten die ich sehe, deshalb halte ich das gesamte Gelaber um die Bekämpfung der sogenannten Schleusermafia für ziemlich übertrieben. Immerhin fördert die Abschottungsmentalität das illegale Geschäft der Schleusermafia.

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