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Die Sache mit den Flüchtlingen

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Eine Sache finde ich besonders interessant, wie sich im Internet, besser gesagt in Foren, eine Gegenöffentlichkeit formiert und wie konservative Politiker sich über die Flüchtlingsszenerie zu profilieren suchen. Nun schöne Bilder sind es bekanntlich nicht die man da sieht, aber das hält manche Medien nicht davon ab Horrorstories zu verbreiten wie das Schweizmagazin, die da titelt: "Wartet nur ab": 4000 IS-Terroristen unter den Flüchtlingen.

4000 aktivierte IS-Terroristen wären beispielsweise in der Lage, in nur einer Nacht die gesamte Bevölkerung der Kantone Appenzell-Innerrhoden und Glarus bestialisch zu ermorden oder mehrere Dutzend kleinere Ortschaften zu zerstören. Sie wären auch in der Lage, die Parlamente der europäischen Regierungen zu stürmen und alle Parlamentarier mit einem einzigen Schlag zu ermorden. Davor gibt es keinen Schutz. De- facto wären so die betroffenen Länder ohne Regierung, völlig destabilisiert und es würden Chaos und Bürgerkrieg ausbrechen.

Schweizmagazin

Quelle des Schweizmagazins ist immerhin das investigative Boulevardblatt Sunday Express, eigentlich ein Wunschtraum und Wasser auf die Mühlen derjenigen die größere Flüchtlingsströme abblocken möchten. Ebenso meldete sich der Ukip-Chef Nigel Farage zu Wort und warnte vor den IS-Kämpfern unter den Flüchtlingen. Mit Horrorzahlen von 500.000 (das obwohl der IS nur einige Zehntausend Kämpfer hat) vielleicht auch nur 5.000 oder vielleicht auch nur 500. Was soll man denn davon halten? Wie schon ein Sprichwort sagt "Nichts genaues weis ich nicht, aber lasst uns handeln".

Aber die deutsche Regierung und die hiesigen Medien machen dabei auch keine gute Figur, sie argumentieren permanent mit dem sogenannten Fachkräftemangel und der über alternden Gesellschaft hierzulande um die Aufnahme von Flüchtlingen der Bevölkerung schmackhaft zu machen. Das dieses eine etwas eine etwas schräge Diskussionsgrundlage darstellt habe ich schon einmal angemerkt, denn die Fachkräfte müssten erst mal ausgebildet werden das bei 2,7 Mio. Arbeitslosen im Lande. Der Anteil der hierzulande benötigten Fachkräfte unter den Asylsuchenden dürfte sich meines Erachtens wohl eher im einprozentigen Bereich bewegen, wenn er überhaupt so hoch ist. Genaues weis man auch hier nicht, Zahlen hierzu existieren einfach nicht sondern diese Einschätzung beruht einfach auf wohlwollende Vermutungen. Das auch diese Argumentationsschiene vollkommen aus dem Ruder laufen kann und Wasser auf die Mühlen derer ist die die Asylsuchenden abblocken möchten beweist wieder einmal Marie LePen, die Marseille folgendes sagte:

"Deutschland denkt wahrscheinlich, dass seine Bevölkerung im Sterben liegt und es wird wahrscheinlich versuchen die Löhne zu senken und weiterhin Sklaven durch Masseneinwanderung zu rekrutieren"

Schweizmagazin

Die Rechtsaußen LePen legt nämlich den Finger in die Wunde des sogenannten Erfolges der deutschen Wirtschaft, der da lautet die Lohnfindung im Dienstleistungsbereich infolge der Hartz I bis IV Reformen und eine einseitig auf Export getrimmte Industrie. Irgendwie wird man auch auf der linken Seite des politischen Spektrums nicht den Eindruck los das die Merkel-Administration die Welle der Asylsuchenden dazu missbrauchen könnte um die Löhne wieder unter Drück setzen zu können, um den mühsam erstrittenen Mindestlohn in Deutschland zumindest in Teilbereichen wieder kippen zu können.

Auf der anderen Seite ist die Informationspolitik der Merkel-Administration alles andere als Transparent. Erst sprach man im Juli von 450.000 Flüchtlingen in 2015, dann plötzlich erhöhte man die Zahl im August auf 800.000 und nun plötzlich im September legt man noch einmal ein Schippe drauf, das diese 800.000 Einzelschicksale nur die untere Erhebungsgrenze darstellt. Auch die Höhe der Gelder die nun mobilisiert werden erstaunt schon, zur Zeit sind 10 Mrd. € beschlossen worden. Was nun wiederum einige Zeitgenossen zum Anlass nehmen die derzeitige Chaos-Flüchtlingspolitik in Frage zu stellen. CSU Generalsekretär Andreas Scheuer warnte bereits vor der Sog-Wirkung und der CSU-Chef Horst Seehofer:

"Wir können nicht als Bundesrepublik auf Dauer, bei 28 Mitgliedsstaaten, beinahe sämtliche Flüchtlinge aufnehmen", sagte der bayerische Ministerpräsident. "Das hält auf Dauer keine Gesellschaft aus."

Tagesschau

Das zeigt einerseits das von Medien und Politik wichtige Hintergrundnachrichten einfach ausgeblendet werden und einer Schlagwortrhetorik auf sehr niedrigen Niveau gearbeitet wird. Auch ein Manko was ich sehe: alle Reden nur von der Zuwanderung, aber niemand von der Abwanderung die es auch gibt.

Zugegeben Deutschland hat in 2014 die höchste Zuwanderung seit 1992 erlebt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte kam es 2014 zu einem Zuzug von 1,465 Millionen Personen in die Bundesrepublik - fast ein Fünftel mehr als 2013, da waren es 1,226 Mio. Personen . Gleichzeitig verließen 2014 aber auch 914.000 Menschen das Land, ebenfalls eine Zunahme von 15 Prozent. 2013 waren es noch 797.886 Personen. 1992 wanderten unter dem Strich rund 782.000 Menschen zu, was nur bislang in 2014 übertroffen wurde. Die Zuwanderung umfasst sowohl Flüchtlinge als auch Familiennachzug und Menschen, die zur Arbeit oder zum Studium nach Deutschland kommen.

Als Gründe für die Zuwanderung sind die seit Januar 2014 geltende Arbeitnehmerfreizügigkeit für die EU-Staaten Rumänien und Bulgarien, die wirtschaftliche Lage in Süd- und Südosteuropa und eine spürbar steigende Zahl von Flüchtlingen aus Brennpunkten wie Afghanistan, Nahost und Afrika.

Etwas mehr Sachlichkeit und weniger Panikmache wäre schon einmal angebracht bei der ganzen Entwicklung, denn ob die prognostizierten 800.000 Flüchtlinge sich nun auf Dauer in Deutschland niederlassen dahinter steht wohl ein großes Fragezeichen.

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