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Israel und der Antisemitismus

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Quelle: Jewish Voice for Peace
Quelle: Jewish Voice for Peace

Ich denke das ist nicht nur bei uns in Deutschland ein wirklich delikates Problem, die israelische Politik gegenüber den Palästinensern zu kritisieren ohne dabei gleich als Antisemit denunziert zu werden. In den USA, Kanada oder anderen Ländern die Israel freundlich gesinnt sind scheint es auch eines zu sein. Wie ich gerade las wurden in den USA in 84 Fällen Studenten sanktioniert, da sie sich die Freiheit heraus nahmen die israelische Politik zu kritisieren. Das geschah vom 1. Januar bis 30. April 2015 wie die Organisation Palestine Solidarity Legal Support letzten Montag in einer Presseerklärung mitteilte. In 60 dieser Fälle wurde den Studenten vorgeworfen einseitig die Israelische Politik kritisiert zu haben und 24 Fällen wurde den Studenten vorgeworfen terroristische Organisationen zu unterstützen, da sie einseitig die israelische Politik kritisierten. Naja ich denke das hat schon was, wenn man sich überlegt das im Land der freien Rede und des freien Wortes Rassisten offen sich zu den Werten des Nationalsozialismus bekennen können, aber die Kritik des Umganges der Regierungen und Behörden Israels mit den Palästinensern in den besetzten Gebieten sanktioniert werden kann.

Gundlage für die Sanktionen die die Colleges und Universitäten verhängten ist eine Definition des Antisemitismus der Obama-Administration aus dem Jahre 2010(1). Wenn man sich diese nun durchliest ist die Antisemitismus-Formel nun weitaus bekannt, denn sie scheint auf der in den EU-Staaten, speziell Deutschlands, zu basieren. Sie beinhaltet die Dämonisierung, Delegitimierung und das verwenden von doppelten Standards gegenüber dem Staat Israel. Wenn man darüber nachdenkt ist gerade der Begriff doppelte Standards recht interessant, was ist eigentlich ein doppelter Standard?

Laut der Bewertung der Obama-Administration ist dieses:

- Das setzen einer Doppelmoral durch Forderungen die ein nicht zu erwartendes Verhalten (Israels) vertritt oder von keiner anderen demokratischen Nation gefordert wird

- Multilaterale Organisationen deren Schwerpunkt auf Israel gerichtet ist, nur für den Zweck der Untersuchung der Friedens- und Menschenrechtssituation

Nun mit der Doppelmoral ist es so eine Sache, denn sie bezieht meiner Meinung nach ein definiertes Normensystem mit ein, das gleiches Verhalten und Handlungen ethisch, d.h. ebenso moralisch, unterschiedlich bewertet ohne das ein sachlicher Grund vorhanden ist. Nun man hat es im Falle Israels immer mit den Fallstricken der Geschichte zu tun, denn seine neueste Selbstdefinition ist: Israel ist der jüdische Staat, ältere Selbstdefinitionen wirken hier auch mit hinein wie Israel der Staat der Überlebenden der Shoa, was nun wiederum viele direkt mit dem Existenzrecht des Staates Israels in Verbindung bringen und des öfteren Überzeugung beinhaltet das das Judentum sowohl eine religiöse wie auch eine ethnische Komponente enthält, wie man es bei den älteren Nationendefinition nun wiederum findet.

(1)http://www.state.gov/j/drl/rls/fs/2010/122352.htm

Israel und der Antisemitismus

Ich will einmal auf die Ethik und Moralphilosophie etwas näher eingehen, denn sie ist etwas eigenartiges und meiner Meinung nach extrem vom Standpunkt eines Menschen selber abhängige Interpretation zu einem Sachverhalt, ohne das diese jedoch Linguistisch nachgewiesen oder wissenschaftlich bestätigt werden kann. In der Regel wird es durch ein Wort ausgedrückt: dem Subjektivismus. Dazu vielleicht drei Denkanstöße die jede für sich und wiederum auf eine andere Weiße eine Ansicht zum Ausdruck bringen das moralische Meinungen, Urteile und Anschauungen primär nur ein rein subjektives Informationsinstrument darstellt.

- Erste Aussage: ein moralisches Urteil, das ein Mensch erstellt bringt lediglich seine eigene individuelle Einstellung zu einem Sachverhalt oder Tat zum Ausdruck.

- Zweite Aussage: Moralische Urteile können nicht in derselben Art und Weise bewiesen und bestätigt werden wie eine wissenschaftliche Aussage , die einen großen Datenpool zur Grundlage haben. Es handelt sich daher um individuelle Meinungen.

- Dritte Aussage: es existieren keine moralischen Tatsachen, es gibt nur wissenschaftliche und Erkenntnisbezogene Tatsachen die durch eigene Beobachtung entdeckt worden sind, daneben existieren variable, die vom Menschen den Tatsachen beigefügt worden sind.

Alle drei liegen mehr oder weniger dicht beieinander und haben doch signifikante Unterschiede zur Grundlage. Zur ersten Aussage: es handelt sich hier um eine linguistische Auffassung, sie bringt zum Ausdruck was eine moralische Äußerung zu leisten vermag und was sie ist, sie ist damit eine logische Auffassung.

Zur Zweiten: sie führt neue Begriffe ein, die in der ersten nicht vorkommt. Es sind Begriffe die mit der Erkenntnis zusammenhängen und wenn man so will handelt es sich um eine erkenntnistheoretische Auffassung über moralische Aussagen und Urteile.

Zur dritten: diese Aussage scheint mit den beiden ersten beiden zusammenzufallen, ist jedoch die vagste aller drei und doch bringt sie das zu Ausdruck was viele Philosophen im laufe der Jahrhunderte über die Moral und ihre Objektivität so nachgedacht haben und zutiefst beunruhigt hat: “ es ist die Welt da draußen”.

In dieser Welt “da draußen” existieren nur Dinge und Tatsachen, die der Mensch mit seinem forschenden Geiste (Wissenschaft ist bekanntlich nur eine Umschreibung dafür) entdeckt, analysiert und bewiesen hat, alles andere nämlich die variablen vielen sind Menschenwerk. Die dritte Aussage ist sozusagen eine vereinfachte Aussage, die zugleich eine metaphysische Auffassung zum Ausdruck bringt. Diese metaphysische Aussage bringt eines zu Ausdruck : den Unterschied zwischen Tatsachen und variablen Werten. Diese Unterscheidung steht in der Moral-Philosophie eigentlich im Mittelpunkte der Diskussion. Auf der einen Seite hat man zwar versucht die Richtigkeit der Unterscheidung zu unterstreichen, aber die vermeintlich beunruhigenden Konsequenzen die sich daraus ergeben versucht man abzuweisen, entweder durch den Versuch des Nachweises, das diese Konsequenzen in Wirklichkeit gar nicht aus der Unterscheidung heraus erfolgen würde oder durch die Aussage das es doch keine beunruhigenden Konsequenzen geben würde. Dieser Versuch der Erklärung führt letztendlich zu dem Versuch einer Entschärfung des eigenen Subjektivismus was sich letztendlich auf alle drei Aussagen in etwas so formulieren ließe: Soweit sie haltbar sind laufen sie alle auf das selbe hinaus und das worauf sie hinauslaufen ist nicht weiter beunruhigend und ist zwangsläufig das was bereits im Sinne und der Natur der Moral liegt.

Was mir persönlich daran auffällt ist das Ethik und Moral auch Produkte eines Zeitgeistes sind, die oftmals von späteren Generationen entweder belächelt oder grundlegend abgelehnt werden, weil sie sich außerhalb der Logik des Zeitgeistes bewegen. So lehnen wir heutzutage den Kolonialismus aus ethisch moralischen Gründen ab, aber im 19. Jahrhundert war es ethisch und moralisch durchaus legitim Kolonien zu errichten, andere Völker und Länder auszubeuten, denn dem damaligen Zeitgeist zufolge brachte man ja den Fortschritt und die Zivilisation zu den Wilden unterentwickelten Völkern. Man sah das aus ethisch moralischer Sicht wohl als eine Art des Tauschhandels, was heutzutage nur belächelt werden kann. Ein anderes bekanntes Beispiel findet sich beim Militär und das weltweit, wenn sich eine Armee oder ein Staat irgendwelcher Kriegsverbrechen schuldig gemacht hat. Man wird dann mit der Situation konfrontiert das die betroffenen Offiziere und Soldaten oftmals die Schuld an den Verbrechen von sich weisen und sich selber als Opfer einer Willkürjustiz sehen, da in ihrer eignen Logik zu Ethik und Moral sie sich als loyale Befehlsempfänger inszenieren und andere die Verantwortung tragen.

Aus meiner Sicht ist das dann eine Doppelmoral die zum tragen kommt und so gesehen ist die Doppelmoral in Bezug zum Antisemitismus und dem Staate Israel oftmals eine mit umgekehrten Vorzeichen, denn aus meiner Sicht liegt die Doppelmoral oftmals auch bei demjenigen der anderen der Doppelmoral oder Standards bezichtigt. Eine Doppelmoral wird artikuliert wenn Raketen aus dem Gazastreifen gen Israel fliegen und die ZAHAL militärische Operationen im Gazastreifen durchführt. So behaupten dann Personen das der Staat Israel die Pflicht hat seine eignen Bürger zu schützen und so verkennt man durchaus das auch palästinensische Organisationen sich in der Pflicht sehen ihre eignen Mitglieder und deren Familien zu schützen, besser gesagt für deren Freiheit zu streiten, denn Israel hält immer noch das Westjordanland besetzt und riegelt den Gazastreifen von einer geregelten Versorgung ab.

Israel und der Antisemitismus

Nimmt man eine andere Doppelmoral, so wird oftmals behauptet das es erst zu Friedensverhandlungen kommen könne wenn alle palästinensischen Organisationen das Existenzrecht des Staates Israel anerkennen müssen, aber gleichzeitig wird es tunlichst unterlassen vom Staat Israel eine Anerkennung des Existenzrechtes eines palästinensischen Staates abzuverlangen.

Das Recht zur Gründung und späteren dauerhaften Existenz eines Staates gibt einen Staat doch diejenige Bevölkerung die sich einem gemeinsamen Ziel verschrieben hat einen Staat zu etablieren und nicht eine andere nicht als Staatsvolk bezeichnete Population von Menschen die wiederum nicht in die Gesellschaft des Staates integriert wurde. Das vielbesagte Ansinnen das die Nachbarstaaten das Existenzrecht eines Staates anerkennen sollen, ist nicht mehr als eine rhetorische Ente mehr oder weniger verklausuliert oder geht es dabei vielleicht um die politische Anerkennung? Aber die geschieht ja bekanntlich auf Augenhöhe in der Anerkennung beiderseitiger Interessen und die Anerkennung des Existenzrechtes stellt keine Voraussetzung dar, weil ein anderer Staat oder eine Bevölkerungspopulation kann maximal die Existenz anerkennen, aber nicht das Recht dazu. Nur Anerkennen kann man jemanden auch nur wenn auch seine eigenen Interessen gewahrt bleiben, das nennt man bekanntlich die Schaffung eines Interessenausgleiches, in der Politik nennt sich dieses dann wohl gegenseitige politische Anerkennung als selbstständiges autonomes Subjekt.

So gesehen prallen oftmals sehr unterschiedliche Realitäten aufeinander und gerade in der Frage Israel und der Antisemitismus wird von den Hütern der Begriffsdefinition des Antisemitismus ebenso oftmals ebenso mit doppelten Standards gearbeitet. Eigentlich müsste man meinen das durch die Verwendung dieser doppelten Standards dieser Begriff Antisemitismus zur Rechtfertigung von Willkür, Rechtlosigkeit und der Abwesenheit von Sicherheit verkommen ist, denn was bedeutet der Begriff Besatzungsregime und welcher Bezug besteht zu dem Begriff Menschenrechte? Denn der Hauptkritikpunkt am Staate Israel ist immer noch das Besatzungsregime im Westjordanland, der Siedlungsbau im Westjordanland und die Abriegelung des Gazastreifens von einer geregelten Versorgung.

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