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Wer kämpft da gegen wen im Jemen?

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Die gängige Darstellung unseren Medien lautet wie folgt: Saudi-Arabien und weitere Länder unterstützen den international anerkannten Präsidenten Abd-Rabbu Mansur Hadi mit Luftschlägen gegen Huthi-Milizen. Etliche Meinen auch das die Huthi-Milizen vom Iran geführt und finanziert werden, sie werden als schiitische Miliz bezeichnet. So oder so einfach stellen sich viele den Konflikt im Jemen vor, nur ist das auch so?

Tatsächlich wird der Bürgerkrieg durch mehrere, quer verlaufende Konfliktlinien bestimmt. Meines Erachtens sind Armee und Verwaltung der Zentralregierung tief gespalten: Ein Großteil unterstützt nicht den nach Saudi-Arabien geflohenen Hadi, sondern ist nach wie vor loyal gegenüber dem 2012 gestürzten langjährigen Diktator Ali Abdullah Saleh, der sich auf die Seite der Huthi geschlagen hat und mit diesen eine Allianz gebildet hat. Auf der anderen Seite waren die Huthi-Miliz nicht ganz unbeteiligt am Sturz von Saleh im Jahr 2012, Präsident Hadi hatte dann aber die Huthi-Miliz nicht in die Regierung mit eingebunden.

Gespalten ist auch die Gesellschaft im 1990 aus Nord- und Südjemen wiedervereinigten Land, praktisch gesehen hatte der Norden den Süden einfach militärisch annektiert, was bis heute Folgen hat. Im einstmals als Volksdemokratischen Republik Jemen geführte Süden sehen sich viele Bürger gegenüber dem Norden benachteiligt. Im Süden des Jemen existiert ebenso die Hirak-Bewegung, die eine Separation des Südens vom Norden fordert. Eigentlich ist die Hirak-Bewegung keine einheitliche Bewegung, es fehlt ihr eine zentrale Organisationsstruktur. Seit 2007 findet sie Anhänger in den Provinzen Al-Dali’, Lahij und Abyan. Bekannte Mitglieder der Bewegung sind Salah al-Shanfara und Nasser al-Khabbaji, beides Parlamentsabgeordnete der Sozialistischen Partei Jemens.

Der Vierte Mitspieler im Jemen ist AQAP, besser bekannt als "Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel". Diese formierte sich 2009 und hat ihren Anker in inzwischen in drei Regionen des Landes, Wadi Hadramaut, al-Mahra und Shabwah. Der US-amerikanische Drohnenkrieg hat wenig gegen AQAP ausrichten können, besser gesagt er stärkte sogar das Ansehen von AQAP und brachte weiteren Zulauf an Anhängern. Immerhin wurde die Mitgliederstäke von AQAP 1.000 Mann in Jahr 2012 geschätzt.

Die konfessionelle Komponente in diesem Konflikt stellt die religiöse Zweiteilung des Landes dar, nämlich in der Form dass im Norden und rund um die Hauptstadt Sanaa überwiegend schiitische Saiditen leben, denen auch die Huthi angehören, im Süden, Osten und Westen des Jemen leben überwiegend sunnitische Schafeiten. Hinzu kommt die Stammesstruktur des Landes, einerseits gibt es traditionell eine Rivalität der Stämme untereinander. Andererseits gibt es immer wieder wechselnde Allianzen zwischen diesen und diese Allianzen unterstützen nun wiederum aus ganz unterschiedlichen und auch wechselnden Motiven die eine oder andere Seite.

Der Jemen, wird im Westen als ein traditioneller "Hinterhof" Saudi-Arabiens gesehen, was den Jemen jedoch nicht daran hinderte 1990/91 Saddam Hussein zu unterstützen und im allgemeinen eine recht unabhängige Politik gegenüber der arabischen Großmacht betrieb. Die Huthi-Bewegung selber ist eigentlich auch keine Unbekannte politische Größe, so existiert diese Bewegung selber spätestens seit 2004, als eine Reaktion auf die politische Marginalisierung der Schiiten im Jemen. Ihr eigentlicher Name "Ansar Allah" ist im Westen kaum bekannt und Saudi Arabien bekämpfte die Huthi bereits 2011 einmal militärisch, jedoch ohne Erfolg.

Bei den gegenwärtigen Kämpfen stehen auf der einen Seite im Wesentlichen die Huthi-Bewegung und große Teile der Armee, Polizei und Stammesfraktionen aus dem Norden, während auf der anderen Seite vor allem Teile der Hirak-Bewegung und ihre Volkskomitees, Stämme-Allianzen aus dem Süden und Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel kämpfen, unterstützt von Luftschlägen der Interventionsmächte, geführt von Saudi Arabien. Saudi Arabien wird nun wiederum unterstützt von den USA und Großbritannien. Wie man wider einmal sieht, es ist sehr komplex und nicht so einfach zu beschreiben was sich im fernen Jemen so eigentlich abspielt. Aber das Saudi Arabien die Demokratie im Jemen retten halte ich persönlich für extrem zweifelhaft, immerhin schlugen die Saudis das zarte Pflänzchen in Bahrein 2011 schon einmal nieder.

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