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Wie immer .. die absurde Logik

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

- Jazeniuk .. ist ganz entschieden gegen russisches Gas .. .. außer, wenn dies einen kurzen Umweg über Westeuropa genommen hat. Immerhin konnte die EU so zum größten Erdgaslieferanten der Ukraine aufgestiegen

- Merkel, Obama, Cameron und die transatlantische Entourage .. sind ganz entschieden gegen Regierungen, die ihr eigenes Volk beschiessen .. .. außer, es sind "pro-westliche" und sie nennen es Anti-Terror-Operation .. Gaddafi & Co können sich eine Scheibe abschneiden an den Jaroschs, Turtschinows und Poroschenkos

- Klitschko ist ganz entschieden für Freiheit und Partnerschaft ... außer mit seinem (in jeder Beziehung) nächsten Nachbarn - da soll eine Mauer mit Wassergraben hin .. so ganz im Stile mittelalterlicher Burgen ... so ganz als ob wir heute nicht im 21. Jahrhundert leben würden ... 2013 liess der böse Diktator und anerkannter Kleptomane Janukowitsch die (nicht begeisterte) Polizei eine Gay Parade in Kiew schützen - 2014 sagte der "pro-westliche" Demokrat Vitali Klitschko die Demo der Einheit halber ab, zur Begründung gab Klitschko an "Unterhaltungsveranstaltungen" seien zu diesem Zeitpunkt in der Ukraine fehl am Platz ... irgendwie habe ich dazu auch nie was von von dem ganzen Freiheitspredigern von Gauck bis Harms gehört ...

- Die neuen Herrscher sind ganz entschieden gegen Oligarchen und gehen gegen Korruption vor, setzen dabei auf Leute wie Michail Saakaschwili der in Georgien wegen Amtsmissbrauch, Veruntreuung von Staatsgeldern, Vetternwirtschaft und und und mittels Haftbefehl offiziell gesucht wird.

- Die Oligarchen sind natürlich Demokraten und gegen die Oligarchie während sie in einem Land mit 150 € Durchschnittslohn dreistellige Millionensummen ihr Eigen nennen und in Palästen aus 1001 Nacht leben .. und selbstverständlich die Ukraine weiterhin als ihren Besitz betrachten ... immerhin ist Petro Poroschenko ein erklärter Oligarch und Präsident der Ukraine, eben ein Schokoladenpräsident, nicht nur weil er die Schokoladenkonzern Roshen immer noch besitzt und laut Forbes siebtreichster Mann in der Ukraine, sondern weil er so smart auftritt ... der Finanzunternehmer Ihor Kolomojskyj ist der Gouverneur des Oblast Dnipropetrowsk, finanziert das Dnipro-Battalion und soll wohl dem Gouverneur des Oblast Odessa Oligarch Ihor Palytsia sowohl geschäftlich und politisch nahestehen ...

- Der "Westen" ist ganz entschieden gegen Propaganda .. .. außer sie verkündet die eigene Propaganda - dann wird auch dem Sprecher der ATO Herr Lyssenko - (im ARD Sprecher der Armee) jedes neue (und nie belegte) Märchen von russischen Phantompanzern, ganzen Armeen und Flugzeugen abgenommen, selbst wenn der Generalsstabschef der ukrainischen Armee einmal widerspricht. Wer Lyssenkos behauptete Zahl der Separatistenverluste ernst nimmt, der liegt vermutlich sogar ein bißchen richtig. Nur sind es eben nicht die Verluste der Separatisten - die Zigtausenden Toten, Verwundeten und Gefangenen/Desertierten sind auf der Seite der Regierungstruppen.

Kinder würde man hier spätestens fragen: "Hallo .. Zwischen den Ohren jemand zu Hause?" Ist es nicht erstaunlich das im Zeitalter des Internets die Propaganda-Shows ziemlich lächerlich werden, merken die Kerrys, Obamas, Camerons und Merkels wahrscheinlich dieses noch nicht einmal. Als Kerry kurz nach dem Abschuss von MH-17 davon redete man kenne die Flugbahn der Rakete und wüsste wo und von wem sie gestartet wurde, ließ er die Beweise die seine Geheimdienste angeblich hatten außen vor, niemand hat sie wahrscheinlich je gesehen. Der Trick mit der Propaganda ist wohl, man muss sie nur Glaubwürdig rüberbringen ohne das jemand nach Beweisen fragt, nur das Ding mit der Glaubwürdigkeit ist eben auch so ein Ding. Nimmt man zum Beispiel Russia Today und seinen deutschen Ableger RT Deutsch ist es genauso ein Propagandainstrument, nur von der anderen Seite, also von der Seite die man als Gegner versteht und das macht die ganze Sache auch so spannend.

Das es keine wirklich unabhängigen Medien gibt beweist gerade dieser Konflikt in der Ukraine, die Berichterstattung in der Springerpresse, dem ARD und dem ZDF ist ein wenig zu einseitig. Letztes Jahr erklärte man die gewaltbereiten vermummten Demonstranten auf dem Kiewer Maidan zu Vorzeigedemokraten und übersah deren extrem braunes Weltbild. Gesetze wurden damals verabschiedet die das Demonstrationsrecht in der Ukraine nicht wirklich einengten, aber in unseren Medien wurden diese Gesetze als antidemokratisch tituliert. Jedoch in Deutschland gibt es ähnliche Gesetze wie das Vermummungsverbot, das Tragen von Waffen stehen bei uns ebenso unter Strafe und Demonstrationen müssen angemeldet und genehmigt werden. Ist Deutschland deswegen antidemokratisch?

Ebenso ist es nicht erstaunlich das die DIE WELT ihr „Investigativteam“ auf die Vorsitzende der Publikumskonferenz der öffentlich Rechtlichen Medien, Maren Müller, ansetzte? Also wenn die Welt ein zehnköpfiges "Investigativteam“ beschäftigt, was macht denn der Rest der Redaktion? Kaffee trinken oder einfach Nachrichten abschreiben und das bei einer investigativen Zeitung die sich dem investigativen Journalismus verschrieben hat? Wenn der Chef des Investigativteams DER WELT sich im Krieg mit der kritischen Öffentlichkeit sieht und Aussagen trifft wie:

Es gibt hier viele Menschen, die Putin glauben. Das liegt einerseits am traditionell starken Anti-Amerikanismus. Andererseits ist es aber auch eine Folge der Geschichte: Viele Verbindungen und Netzwerke aus Zeiten des Ostblocks sind noch lebendig. Die Identifikation mit der neuen Bundesrepublik nach 1990 ist in Teilen der Bevölkerung gering geblieben.

DIE WELT

Also ganz ehrlich gesagt muss Jörg Eigendorf ziemlich in der Bredouille stecken wenn er meint die kritische Öffentlichkeit würde vom FSB, also dem russischen Geheimdienst, angeleitet und gelenkt, vielleicht auch bezahlt. Wenn so das Ergebnis eines investigativen Gedankenspiels ist, muss man leider davon ausgehen das Jörg Eigendorf in einer Welt der monopolistischen Informationspolitik lebt, heraus denkt und agiert. Nur das Dumme ist, diese Zeiten liegen ca. 20 Jahre zurück, das Internet hat diese Welt in die sich der Chef des Investigativteams DER WELT hinein träumt schon lange zerstört. Oder nimmt man folgende Aussage aus oben genannten Artikel:

Informationen werden so zum Teil der Kriegsführung, zu Waffen, wie die beiden Journalisten Peter Pomerantsev und Michael Weiss kürzlich in einer Studie aufzeigten. Das Putin-System kann dafür vorbei an allen demokratischen Spielregeln gigantische Geldbeträge mobilisieren.

DIE WELT

Man muss dem Chef des Investigativreams DER WELT Jörg Eigendorf schon gratulieren, welch Erkenntnis, da qualmte der Kopf aber mächtig. Das Informationen schon immer Teil einer Kriegsführung waren, also besser unter dem Namen Propaganda bekannt, fällt ihm jetzt plötzlich auf. Als wären die Storys mit den Brutkästen in Kuweit City 1990 oder das Racak-Massaker 1999 oder Massenvernichtungswaffen des Saddam Husein 2003 nicht die beinahe banalen Propagandamärchen die auch DIE WELT so gerne anführten um Kriege zu rechtfertigen? Denn Propaganda ist auch unter dem Titel Public Relations bekannt, was bekanntlich nichts anderes bedeutet als Öffentlichkeitsarbeit. Darüber macht sich auch der US-Außenminister John Kerry so seine Gedanken, immerhin gibt der Broadcasting Board of Governors (BBG) 721 Millionen US-Dollar in diesem Jahr für Public Relations aus, für unsere Deutsche Welle wurden 2013 270 Millionen € ausgegeben und laut Eigendarstellung von RT beläuft sich das Budget auf 225 Mio. US-Dollar in 2015. Wo da die gigantischen Geldsummen sind, die Eigendorf moniert, weis ich leider auch nicht, aber Behauptungen die nicht bewiesen werden all zu Häufig als Propaganda bezeichnet. Im übrigen wurde für RT 2011 ein Budget von über 400 Mio. US-Dollar bereitgestellt und 2013 wurden allen russischen Staatsmedien incl. RT ihre Budgets teils drastisch gekürzt.(1)

Wenn man es sich einfach macht und Kritik als "als gesteuerte Kampagnen des Feindes" sieht ist die Welt des Jörg Eigendorf wahrscheinlich in Ordnung, nur nimmt er leider Anleihen in seiner einfachen Weltsicht bei Karl Eduard von Schnitzler und Gerhard Löwenthal. Das waren wirklich zwei sehr kalte Krieger mit ihren Sendungen Der Schwarze Kanal bzw. ZDF-Magazin und hätten auch nicht unterschiedlicher sein können. Aber das war auch ganz gut so, denn man hatte zwei konkurrierende Darstellungen zur Verfügung, in der es aber auch Schnittpunkte und -mengen gab und daraus konnte man entsprechende Schlussfolgerungen ziehen. Nun wenn sich deutsche Journalisten fragen warum ihre Glaubwürdigkeit immer dann leidet wenn sie Meinungsbildend agieren, dann findet man selten die Selbstkritik die bei einer Analyse helfen würde. Stattdessen findet man folgende Programmpunkte: Wir die GUTEN die anderen die BÖSEN.

(1)http://en.gazeta.ru/news/2012/10/29/a_4828917.shtml

Er (Putin) führt einen Krieg und vermag es zugleich, als legitim Handelnder zu erscheinen, weil es ihm gelungen ist, hinter jede Feststellung unabhängiger Beobachter, vor allem aber westlicher Journalisten, ein Fragezeichen zu setzen. Einmarsch auf der Krim? Ein Zivilflugzeug, abgeschossen von den mit Russland verbündeten Separatisten? Raketenangriffe auf ukrainische Städte weit entfernt von der Front? Kann alles nicht wahr sein, ist gar nicht wahr, wird uns in Talkshows erklärt, in denen gerne auch Ivan Rodionov sitzt, der den Sender „RT deutsch“ leitet und von dem man lernen kann, was Desinformation und Verschwörungstheorien bewirken. Sie zerlöchern die Wahrnehmung, stiften Verwirrung und setzen den Nebel, hinter dem die Opfer verschwinden – etwa die Passagiere des Flugs MH17 – und die real existierenden Truppen Putins vorrücken. Gestern die Krim, heute der Osten der Ukraine, und was kommt morgen? Europa hat von Putin noch einiges zu erwarten. Was, das ahnen vor allem die Polen und die Balten.

FAZ

Das stammt im übrigen von Michael Hanfeld vom 15.02.2015, erschienen in der FAZ. Der Autor macht sich auch seine Gedanken warum die Glaubwürdigkeit der westlichen Journalisten so leidet.

- Ist Russland auf der Krim einmarschiert? Eigentlich nicht, denn Russland war schon präsent legitimiert durch ein Flottenstationierungsabkommen mit der Ukraine, das es ihnen gestattete 25.000 Mann auf der Halbinsel zu stationieren. Das die russische Marine recht unsanft mit der ukrainischen Marine umging und praktisch gewaltsam übernahm stimmt, jedoch die Annektion der Krim wurde durch ein Referendum der Bevölkerung der Krim legitimiert. Das nennt man dann ein demokratischer Akt, man kann natürlich jede Wahl in Zweifel ziehen und Wahlbetrug unterstellen, nur wo führt das hin?

- Wurde MH-17 von den Separatisten abgeschossen? Wir wissen es nicht wer oder was für den Abschuss von MH-17 verantwortlich ist. Die Untersuchungen in den Niederlanden laufen noch und die Mythen, Behauptungen zu diesem Unfall sind vielfältig, dementsprechend sind die Wahrheiten weit gestreut.

-Sind russische Truppen in die Ukraine einmarschiert? Sagte nicht der Generalstabschef der ukrainischen Armee Viktor Muzhenko am 29. Januar 2015 folgendes: "Currently, we are not engaged in combat operations against the units of the regular Russian army."

- Raketenangriffe auf ukrainische Städte? Sicher gab es die, jedoch von beiden Seiten. Laut der OSZE sind die Separatisten für den Beschuss von Mariupol verantwortlich gewesen und die ukrainische Armee hat aber auch Donezk und Lugansk beschossen. Schon im September warf Human Rigths Watch den ukrainischen Militärkräften einen wahllosen Einsatz von Artillerie und Raketen innerhalb der ukrainischen Stadt Lugansk und der Volkswehr den Einsatz von schweren Waffen innerhalb und außerhalb der Stadt vor. Amnesty warf im September bereits den ukrainischen Kampfgruppen Kriegsverbrechen vor, diese Liste umfassten: Entführungen, schwere Misshandlungen, Raubüberfälle, Lösegeld-Erpressungen und möglicherweise sogar Hinrichtungen.(2) Im Länderbericht von Amnesty International ist zu lesen:

Es gab Hinweise darauf, dass beide Konfliktparteien summarische Tötungen verübten. Mehrere Befehlshaber der Separatisten prahlten mit der Tötung von Gefangenen wegen angeblicher Verbrechen, und die De-facto-Führung der Separatisten führte die "Todesstrafe" in ihr "Strafgesetzbuch" ein.

und

Der Parlamentsabgeordnete Oleh Ljaschko veröffentlichte mehrere Videos im Internet, die ihn als Anführer einer Gruppe bewaffneter Männer mit Sturmhauben zeigen. Zu sehen ist, wie Personen, denen Kollaboration mit den Separatisten vorgeworfen wurde, festgenommen, verhört und misshandelt werden. Seine Aktionen zogen keine strafrechtlichen Konsequenzen nach sich. Bei den Wahlen im Oktober 2014 wurde Oleh Ljaschko erneut ins Parlament gewählt, seine Partei trat der Regierungskoalition bei.(3)

Recht vielsagend wie ich meine, aber selber lesen und Hintergründe verstehen ist wohl besser. Fakt ist beide Seiten begehen Kriegsverbrechen, setzten schwere Waffen ein, bombardierten Städte mit Cluster Shells, begannen gezielte Tötungen. Vielleicht ist die undifferenzierte Berichterstattung in unseren Medien der Grund dafür das die Medien eine eigentlich absurde Logik betrieben und betreiben, aber sie lassen sich relativ einfach widerlegen. Vielleicht ist das der Grund das die Medien wie die DIE WELT, FAZ, Die Zeit, der Spiegel usw. ein gehöriges Stück Glaubwürdigkeit verloren haben.

(2)http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/09/08/amnesty-wirft-ukrainischen-kampfgruppen-kriegsverbrechen-vor/

(3) http://www.amnesty.de/jahresbericht/2015/ukraine?destination=node%2F666

We have some evidence about individual members of the Russian Armed Forces and citizens of the Russian Federation being a part of the illegal armed groups in combat activities. Currently, we are not engaged in combat operations against the units of the regular Russian army."

Viktor Muzhenko

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