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MH-17 von den Russen abgeschossen?

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

So zumindest ist das Urteil von der Koproduktion von Spiegel und CORRECTt!V. Ich meine das man sich mit der Recherche und Inhalt doch einmal auseinandersetzen sollte, die als investigativer Journalismus ausgegeben wird.

Aber die erste Frage ist, was ist CORRECT!V? Laut Selbstauskunft ist CORRECT!V ein Recherchebüro für investigativen Journalismus, das zudem Gemeinnützig arbeitet. Die Inhalte die produziert werden sind gemeinfrei, d. h. sie können von jedem verwendet werden. Also klingt erst einmal gut, denke ich.

Also gehen wir logisch vor und setzen mit den Aussagen des Berichts auseinander, was anderes würde man auch nicht erwarten, denn meiner Meinung nach sind die Umstände des Abschusses von MH-17 von vornherein schwierig zu durchschauen. Es gibt zu viele Desinformationen in diesem Fall, das es einem schon vornherein schwer fällt alles was einem aufgetischt wird auch zu glauben.

Das Problem mit dem Bericht ist, so sehr investigativ er auch ist, setzt er auf Fakten die niemand bestätigt hat oder auf Fakten deren Beweislast äußerst fragwürdig ist. Da heißt es wörtlich:

•Am 17. Juli 2014 wurde der Malaysia Airline Flug MH17 über der Ostukraine abgeschossen. Alle 298 Insassen starben. Die Nato zeigte schon Mitte Juni Bilder von russischen Panzern in der ostukrainischen Stadt Snizhne. Der Bundeswehr und der Nato ist bekannt, dass sich russische Panzer in Feindesland nur mit dem Schutz eines BUK-Raketensystems bewegen. Damit war die Flughöhe klassischer Ferienflieger seit Mitte Juni Kampfzone. Deshalb hätten die Bundesregierung und alle anderen Nato-Staaten nach Recherchen von CORRECT!V ihre Fluggesellschaften spätestens seit dieser Erkenntnis vor Flügen über der Ostukraine warnen müssen. Die niederländische Regierung hat dies bereits bestätigt. Die deutsche Regierung weist dies noch zurück.

CORRECT!V.ORG

Also die Sache mit den russischen Panzern in der Ukraine im Juni war doch folgende:

Also übereinstimmend wurde in den Berichten erklärt vom ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, dieser hatte am Donnerstag erklärt, mindestens drei Panzer für die militanten Aufständischen seien illegal über die Grenze gelangt. (1)

Einer der Anführer der Sogenannten Separatisten Andrej Purkin widersprach dem und er selber gab an das die Panzer vom Typ T-64 aus ukrainischen Depots stammten(1). Außerdem war nirgendswo die Rede von russischen Panzereinheiten. Man stritt damals um drei T-64 über deren Herkunft es einiges Rätselraten gab. Die Beweiskette die USA und NATO offiziell vorlegten war folgende:

Die Beweiskette stützt sich auf sechs Sattelitenfotos aus einem Zeitraum 13 Tagen und dann erklärt ein namentlich nicht genannter NATO-Offizier das man vermutet, das es sich hierbei um die drei gesagten T-64 handeln könnte, die eventuell dann über die Grenze in die Ukraine verbracht worden. Wirklich überzeugen kann diese Beweisführung jedoch nicht. (2)

Die Beweisführung der USA/NATO und der Ukraine stand damals auf sehr wackeligen Füßen und konnte auch in ihrer Logik nicht wirklich überzeugen, nur der daran glauben wollte konnte es. Das es bei CORRECT!V als bewiesenes Faktum in die Ausgangslage des Berichtes eingeflossen ist, sogar mit der Übertreibung das es sich dabei um russische Panzerverbände handelte, halte ich persönlich für extrem gewagt und manipulativ. Suggeriert wird hier eine Ausgangslage die so nur von der ukrainischen Regierung dargestellt, aber von ihr nie bewiesen wurde. An diesem Punkt muss ich dem Bericht von CORRECT!V die Objektivität bereits einmal absprechen.

Aber gehen wir einmal weiter, in folgendem Abschnitt wird behauptet:

(1) http://geralds-gedankenwelt.over-blog.com/2014/06/panzer-in-der-ostukraine.html

(2) http://geralds-gedankenwelt.over-blog.com/2014/06/propaganda-im-ukraine-konflikt.html

Lange war die Absturzstelle von Flug MH17 ein grausiges Leichenfeld. Die Körper der Passagiere verwesten im heißen ukrainischen Sommer, während in unmittelbarer Nähe gekämpft wurde – und während Kämpfer und Anwohner das Gepäck der Toten plünderten. Schließlich, nach nervenzehrendem diplomatischen Tauziehen, konnten die meisten Leichenteile geborgen und in die Niederlande überführt werden.

CORRECT!V.ORG

Das ist wohl richtig und auch wiederum nicht, denn die Milizen der Volksrepublik Donezk waren wohl selber über das ausmaß des Trümmerfeldes schockiert, immerhin reden wir von einer Fläche von ca. 40 km². Ebenso ist es wohl richtig das um das Trümmerfeld ab dem 27. Juli gekämpft wurde und damit die Bergung der Leichen und die Untersuchung der Trümmerteile durch Unabhängige Experten zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich vorankam. Es ist auch sicherlich richtig das kriminelle Elemente das Gepäck der Toten durchsuchten, aber in einem muss man dem Bericht deutlich widersprechen: Die Milizen der Volksrepublik Donezk kümmerten sich um die Bergung der Leichen trotz der Kämpfe und selbst der Vorsitzende des niederländischen Flugunfalluntersuchungsbehörde OVV bedankte sich bei den Milizen für die professionelle Arbeit die sie bei der Bergung der Leichen geleistet hatten. Also meines Erachtens stimmt in dem Bericht die Priorität nicht, eine unabhängige Objektivität fehlt und die Behauptung das die Milizen die Leichen einfach verwesen ließen stimmt schon mal gar nicht. Der Grund der Kämpfe um die Absturzstelle war im übrigen folgender:

Seine Zusagen das die Absturzstelle des Flugzeugs eine Art Waffenstillstandszone ist sind anscheinend wertlos, denn am 27. Juli entwickelten sich heftige Kämpfe im Umkreis der Absturzstelle. Die ukrainischen Truppen wollten "das Absturzgebiet der Boeing 777 von Terroristen befreien, um internationalen Experten Sicherheit zu garantieren und die Möglichkeit für ihre Untersuchungen". Das sagte der Sprecher des Sicherheitsrates, Andrej Lyssenko, in Kiew nach Angaben der Agentur Interfax(3)

Auch darauf geht der Bericht von CORRECT!V nicht ein, aber jetzt wende ich mich den Expertenmeinungen einmal zu. Zu lesen ist zum Beispiel folgendes:

(3) http://geralds-gedankenwelt.over-blog.com/2014/07/quo-vadis-petro-poroschenko.html

Denn Kampfpiloten, sagen die Experten, würden ein feindliches Flugzeug vom Heck her attackieren und nicht von vorn. Weil der hintere Teil des Flugzeuges sein blinder Fleck sei. Zudem flog MH17 am 17. Juli in Richtung russischer Grenze und war beim Abschuss knapp 40 Kilometer davon entfernt. Die Piloten standen kurz vor der Übergabe an russische Fluglotsen. „Ein attackierendes Flugzeug hätte daher bei dieser Höhe und Fluggeschwindigkeit durch den russischen Flugraum fliegen müssen“, sagt Luftkampfexperte Horlings.

CORRECT!V.ORG

Also hier erschließt sich mir die Logik nicht, die Boeing 777 ist ein ziviles Verkehrsflugzeug und kein Kampfflugzeug ala MIG-29 oder F-15 Eagle. Sicherlich sehen Luftkampftaktiken im sogenannten Dog-figth mit einem anderen Kampfflugzeug ein solches Szenario vor, da der Abschuss eines Kampfflugzeuges dann sehr wahrscheinlich ist. Jedoch im sogenannten BVR-Bereich, also die Bekämpfung eines Zieles außerhalb des Sichtbereiches, ist es obsolet ob man sich von hinten oder von vorne einem Ziel nähert, man opperiert dann ausschließlich mit dem bordeignen Radarsystem und mit radargelenkten Raketen. Es gibt dann noch die Möglichkeit das ein Kampfflugzeug ein Flugzeug anfliegt um es zu überwachen, dann befindet sich das anfliegende Flugzeug oberhalb im hinteren Halbkreis der abzufangenden Maschine, aber so eine Maschine wurde nicht beobachtet.

Außerdem wurde nur eine SU-25 vier Kilometer und 3000 Meter unterhalb der Boeing gesichtet, die jedoch nur vom russischen Bodenradar, von ukrainischen Stellen wurde dieses stets bestritten. Das eine SU-25 auf einer Strecke von 40 Kilometern keine Wendemanöver durchführen kann erscheint mir wenig plausibel.

Aber gehen wir einmal weiter:

Zugleich ist der aktive Radar einer BUK nicht in der Lage, einen Flugzeugtyp eindeutig zu bestimmen. Militärjet? Passagiermaschine? Das können die Raketen-Schützen nicht ohne weiteres erkennen. Sie sehen nur, ob Freund oder Feind im Anflug ist. Freund sind nur die Flieger des eigenen Staates, der eigenen Luftwaffe. Feinde sind alle anderen. Zivile Flugzeuge wie MH17 sehen aus wie Feinde. “Wenn ein Flugzeug keinen oder den falschen Code liefert, handelt die Luftabwehr, als wäre es ein Feind”, sagt Horlings.

CORRECT!V:Org

MH-17 von den Russen abgeschossen?

Auch hier ist die Logik der Autoren und die der Experten eigentlich nicht sonderlich erhellend. Denn wenn dem so wäre wie es hier dargestellt wird, warum gab es nur einen Abschuss???
So makaber das jetzt klingt aber es befanden sich vier Verkehrsflugzeuge über der Region Donezk-Lugansk, alle über 10.000 Meter. Anscheinend hat der Experte etwas übersehen, denn wenn ich mich richtig erinnere stimmt das mit dem Freund-Feind-Kennungssystem und die Methode zur Identifizierung von Flugzeugen nur zur hälfte.

Gehen wir mal davon aus das die Schützen in den Abschusseinheit nur einen sehr ein­ge­schränk­ten Radar-Blick, eine Art Tunnelblick, hatten. Ihr militärisches Primär-Radar kann nicht schwenken und deshalb nur einen kleinen Ausschnitt am Himmel über den Horizont er­fas­sen. Sie haben also keinen Überblick über die Gesamtlage. Das Primärradar kann zwar die Freund-Feindkennung der Militärmaschinen auflösen, aber nicht die Transpondersignale der Zivilmaschinen, wie es das Sekundär-Radar einer BUK in der Lage ist. Über dieses Sekundärradar verfügt das 4. Fahrzeug der Gruppe, der mobile Feuerleitstand, dieser Verfügt über das Freund-Feind-Kennungssystem Parol. Dieses ist ausgelegt für die Abfrage und Erkennung von acht unterschiedliche Modes, ebenso den zivilen Mode zwei.

Der Experte geht wohl davon aus das die Abschussvorrichtung als einzeln handelndes Fahrzeug gehandelt hat, aber das widerspricht den Einsatzvorschriften der russischen Armee. Es gibt bei russischen Luftabwehrsystemen zudem eine interessante Besonderheit: Alle Einheiten können in Clustern arbeiten, d.h. Einheiten und Gruppen können mit anderen Einheiten und Gruppen interagieren und so eine hohe Effizienz erreichen. So lassen sich die Informationen des Primärradars auch mit dem passiven Sensor Koluschga kombinieren. Damit lassen sich Abstrahlungen feindlicher Flugzeuge, Funkverkehr und alle Emissionen bis in den GHz Bereich erfassen und zuordnen ohne selbst das Radar zu benutzen um ein Flugzeug zu identifizieren(4)(5). Außerdem hat die Bedienung einer Radarstation die weitere Möglichkeit ein Flugzeug über die Radarsignatur des anfliegenden Flugzeugs zu identifizieren. Jeder Flugzeugtyp besitzt ein charakteristisches Radarecho, zu dem Kampfflugzeuge besitzen kleinere und Verkehrs-/Transportflugzeuge haben wesentlich größere Radarsignaturen. Wie man sieht haben die Besatzungen einer BUK durchaus verschiedene Möglichkeiten Flugzeuge zu identifizieren, warum die Abschusseinheit einzeln gehandelt haben soll erschließt sich mir persönlich nicht, zumal wie der Bericht unterstellt es sich um ein Fahrzeug eines russischen Regiments gehandelt haben soll. Also diese Beurteilung halte ich für extrem tendenziös, unterstellt er jedoch Annahmen die so nicht zutreffend sind.

Für mich persönlich ist der CORRECT!V Bericht >>MH-17/Die Suche nach der Wahrheit<< etwas undurchsichtig, da wie gesagt schon in der Ausgangslage der Fakten nicht ganz stimmig ist. Unabhängigkeit kann ich dem Bericht auch nicht attestieren, da er Behauptungen der ukrainischen Regierung und der USA/NATO wiederholt, die sich jedoch als nicht Stichhaltig und vor allem nicht als Belastbar in der Vergangenheit herausstellten. Ich stelle es jedoch jedem frei an den Inhalt zu glauben oder auch nicht. Meines Erachtens trägt der Bericht jedoch nicht dazu bei das Dickicht aus Desinformationen zu entwirren.

Meines Erachtens werden wir erst schlauer zur Tragödie von MH-17 sein, wenn die Maschine selber untersucht worden ist, aber das wird noch eine Weile dauern. Warten wir das Ergebnis der Untersuchung ab und urteilen dann, vorher ist alles andere gestützt auf Vermutungen und Spekulationen die zu Verschwörungstheorien werden können.

(4)http://www.mil-airfields.de/ausruestung/iff-kremnij-parol.htm

(5) http://www.peters-ada.de/sa11_buk.htm

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