Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog

Ukrainisches Kampfflugzeug schoss MH-17 ab?

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Malaysia Airlines Boeing 777-2H6-ER (9M-MRD) Quelle Wikimedia
Malaysia Airlines Boeing 777-2H6-ER (9M-MRD) Quelle Wikimedia

Eigentlich war es um das Streit-Thema zum Absturz der MH-17 über der Ostukraine sonderbar still geworden. Man hat den Eindruck, als hätten die Parteien – USA-NATO-EU-Kiew vs. Russland-Donbass – vorübergehend ihr argumentatives Pulver verschossen und sammelten einstweilen neue Munition für die nächsten Vorstöße im Rahmen ihrer jeweiligen psychologischen Kriegsführung. Der erste Zwischenbericht zum Absturz der offiziellen Untersuchungskommission aus den Niederlanden wurde im September veröffentlicht, enthielt aber eigentlich keine neuen Erkenntnisse als die schon bekannten, aber die Gerüchteküche brodelte fleißig weiter und auch Verschwörungstheorien machten die Runde.

Es wurde immer wieder behauptet das die B-777 von einer ukrainischen SU-25 mittels Bordwaffenbeschuss abgeschossen wurde, nur hier stellt sich die Frage kann sie dieses auch? Wie ich bereits schrieb in der normalen Version ist es nicht möglich, in der modernisierten Version SU-25 M1 jedoch schon. Jedoch wenn man sich dann die Charakteristiken der Bordkanone Gryazev-Shipunov GSh-30-2 ansieht wohl eher doch nicht. Erstens handelt es sich um eine Revolverkanone mit zwei Läufen und einer Schusskadenz von 3.000 Schuss/Minute. Das heißt mehr oder weniger mit einem Feuerstoß werden bis zu 50 Patronen abgeschossen. Das Projektil hat eine Masse 400 Gramm und besteht aus panzerbrechender Munition. Wohlgemerkt die SU-25 ist ein sogenanntes Schlachtflugzeug, zur Unterstützung von Bodentruppen und der Bekämpfung von gepanzerten Fahrzeugen entwickelt und ausgerüstet. Die Trefferwirkung dürfte sich, bei aller Logik, deutlich von der unterscheiden wie man sie von Maschinenpistolen her kennt. Nimmt man eine solche Salve, aus solch einer Maschinenkanone, würde man das Herausbrechen so großer Strukturen aus einer ungepanzerten Struktur erwarten und keine kreisrunden Löcher, wie sie beschrieben wurden. Also der Bordwaffenbeschuss ist eher auszuschließen, wobei wie die Russen bei ihrer Pressekonferenz im Juli mitteilten war eine SU-25 bis auf eine Höhe von 7.000 Metern in ca. 4 Kilometer Entfernung in der Nähe von MH-17 beobachtet worden, was den Einsatz anderer Waffentypen erforderlich machen würde als einer Bordkanone. Da Munition aus Gewehren oder Kanonen immer noch einer ballistischen Flugbahn folgend ihre Ziele erreichen, müsste erstens der Vorhaltewinkel extrem gewesen sein um einen Höhenunterschied von 3.000 Metern zu kompensieren und zweitens muss die Treibladung gigantisch groß gewesen sein um dem Geschoss die nötige Geschwindigkeit zu verleihen. Aus diesen Gründen alleine halte ich diese Version für kaum tragbar, aber manche Zeitgenossen glauben anscheinend immer noch daran.

Nun kam Mitte November eine weitere Version in Umlauf und zwar die Version das eine ukrainische MIG-29 die B-777 abgeschossen hatte. Als Beweis wurden Satellitenbilder in das Netz gestellt. Damals betrachtete ich die Bilder und was ich sah war eine SU-27. Schon allein die Tragflügelgeometrie entsprach wohl mitnichten einer MIG-29 und ebenso wenig die Silhouette des Heckabschnitts. Ebenso Kurios ist das der Abgasstrahl einer Rakete zu sehen war und genauso der Schriftzug Malaysian auf dem Bild der Boeing. Auch die auf dem angeblichen Satellitenfoto angegebene Zeit (1:19:47) warf bei mir Fragen auf, denn MH 17 stürzte nicht nachts, sondern um die Mittagszeit ab. Auch die Herkunft der Satellitenbilder wirft Fragen auf, angeblich von Google-Maps, jedoch verwendet Google-Maps weniger Sattelitenfotos als man denken sollte und vor allem sind mit Google-Maps-Fotos und Karten keine Real-Time-Ereignisse verfolgbar. Auch seltsam die hohe Auflösung, die eher nicht von zivilen Erdbeobachtungssatteliten erwarten würde sondern eher von einem militärischen. Also diese Version scheint mir persönlich eher an Computern generiert worden zu sein und nicht den reellen Ablauf darzustellen. Ebenso seltsam ist das weder eine MIG-29 oder SU-27 vom russischen Radar über dem Gebiet identifiziert wurde.

Nun kurz vor Weihnachten veröffentlichte RT Deutsch einen Bericht nach dem es einen Zeugen gibt nach dem eine SU-25 mit Luft-Luft-Raketen armiert wurde und die B-777 der Malaysian Airlines am 17. Juli abschoss, wie aus dem Bericht hervorgeht aus versehen. Das erscheint mir persönlich immer noch die Glaubwürdigste Version und korrespondiert mit den Daten der Luftraumüberwachung die Russland im Juli bereits veröffentlichte. Da von der Kiewer Seite solche Daten zwar immer wieder angekündigt, aber letztendlich nicht veröffentlicht wurden, halte ich die Zeugenaussage zumindest für ein glaubwürdiges Indiz. Jedoch muss man hier wohl dazu sagen, Zeugenaussagen müssen durch andere Fakten erhärtet werden. Es ist sehr wichtig, das Flugzeug an der Absturzstelle mit noch vorhandenen Trümmerteilen zu rekonstruieren, um anschließend ein Modell erstellen zu können. Zudem muss der Bereich des Splittereinschlags und die Art der Splitter untersucht werden, um unter anderem feststellen zu können, was in der Nähe des Flugzeuges explodiert ist und in welcher Entfernung. Das soll jetzt in den Niederlanden nachgeholt werden, nachdem man verfügbare Trümmerteile Ende November überstellt wurden. Es dürfte jedoch noch eine ganze Weile dauern bis Ergebnisse aus dieser Untersuchung veröffentlicht werden, also bleibt es spannend und man kann fleißig weiter spekulieren in der Zwischenzeit.

Kommentiere diesen Post