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Waldbrände und das Klima

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Bone Fire im südlichen Oregon, Januar 2014 Quelle NASA
Bone Fire im südlichen Oregon, Januar 2014 Quelle NASA

Waldbrände sind eigentlich ein völlig normales Naturphänomen, immerhin hätte der Homo erectus nicht verstanden natürlich entstandene Brände für sich zu nutzen wäre die Menschheitsgeschichte ganz anders verlaufen. Nur anscheinend werden heutzutage viele Waldbrände von Menschen verursacht und der sich abzeichnende Klimawandel verschärft die Lage noch zusätzlich. Nimmt man die Situation in Deutschland kann man sich eigentlich entspannt zurücklehnen. Im Jahr 2013 wurden hierzulande 515 Waldbrände gezählt, die eine Fläche von zwei Quadratkilometern zerstörten. Der wirtschaftliche Schaden wurde auf ca. 500.000 € beziffert. Von diesen 515 Waldbränden waren 95 vorsätzlich gelegt, 124 durch fahrlässige Handlungen, 60 handlungsbedingt entstandene Waldbrände und bei 217 Waldbränden konnte die Ursache nicht ermittelt werden. Nur 19 der 515 gezählten Waldbrände konnte auf natürliche Ursachen zurückgeführt werden. Die entstandenen Kosten wurden auf rund 2 Mio.€ beziffert(1). Das bei uns eigentlich so wenige natürliche Waldbrände entstehen ist auch auf die günstigen klimatischen Bedingungen zurückzuführen, Deutschland gehört insgesamt zum warmgemäßigten Regenklima der mittleren Breiten. Mit überwiegend westlichen Winden werden das ganze Jahr über feuchte Luftmassen vom Atlantik herangeführt, die zu Niederschlägen führen. Der ozeanische Einfluss, der von Nordwest nach Südost abnimmt, sorgt für relativ milde Winter und nicht zu heiße Sommer. Gelegentlich wird die Westströmung jedoch durch zum Teil recht langlebige Hochdruckgebiete blockiert. Dann kann es auch zu sehr kalten Wintern kommen, und die Sommer können heiß und trocken werden. Zusätzlich ist Deutschland ein urbanes Land, fast alle Regionen sind erschlossen, unzugängliche Regionen sind hierzulande eher Fehlanzeige, was die Eindämmung entstandener Waldbrände sehr unterstützt.

Ähnlich verhält es sich im feuchtwarmen Regionen der Erde, wie zum Beispiel dem tropischen Afrika, hier sind ebenfalls die meisten Busch- und Waldbrände auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen. Die Gewinnung von Ackerland gehört hier zu den häufigsten Ursachen für Wald- und Buschbrände. Dadurch wird jedoch auch die Wildtierpopulation dezimiert oder diese arrangieren sich mit den Lebensbedingungen in den urbanen Regionen. In der Sahel- und Sudanregion Westafrikas werden auch vorhandene Ackerflächen durch Feuer von Unkraut befreit, was erhebliche Emissionen bewirkt(2).

Ganz anders die klimatischen Verhältnisse an der Westküste der USA, ursprünglich waren die Küstenregionen im Winter moderat Niederschlagsreich. Jedoch im Winter 2013/14 fielen entlang der Westküste und in den nachgelagerten Küstengebirgen kaum Niederschlag. So entstanden bereits im Dezember 2014/Januar 2014 recht große Feuer, wie das Bone Fire im südwestlichen Oregon, das bis um 6. Januar 110 Hektar Waldfläche vernichtete(3). Die immerhin zwölfjährige Trockenperiode im Südwesten der USA hinterlässt auch in der Busch- und Waldbrandbilanz eine äußerst negative Bilanz. Insgesamt bilanzierten die USA Aufwendungen zur Bekämpfung der Waldbrände 2013 auf rund 2 Mrd. US-Dollar. Zum Vergleich 1985 waren es noch 239 Mio. US-Dollar. 2013 vernichteten Waldbrände in den USA rund 1.748.059,5 Hektar Wald- und Buschflächen und der wirtschaftliche Schaden wurde auf 11 Mrd. US-Dollar geschätzt. Allein in der ersten Oktoberwoche 2014 wurden 265 Feuer gezählt die eine Fläche von 462 Hektar einnahmen, allen voran das nördliche und südliche Kalifornien mit zusammen 106 Brandherden(4)(5)(6). Das dürfte wohl auch einer der Gründe sein, das Präsident Obama rund 700 Mio. Tonnen Kohlendioxid jährlich bis um Jahr 2030 einsparen will(7).

(1) http://www.ble.de/SharedDocs/Downloads/01_Markt/10_Statistik/Waldbrandstatistik/Waldbrandstatistik-2013-PDF.pdf?__blob=publicationFile

(2)http://earthobservatory.nasa.gov/NaturalHazards/view.php?id=83001&src=nha

(3)http://earthobservatory.nasa.gov/NaturalHazards/view.php?id=82802&src=nha

(4)http://www.nifc.gov/fireInfo/fireInfo_documents/SuppCosts.pdf

(5)http://www.nifc.gov/nicc/sitreprt.pdf

(6)http://www.nifc.gov/fireInfo/fireInfo_statistics.html

(7)http://www.whitehouse.gov/climate-change

rauchwolken über der Tasmansee
rauchwolken über der Tasmansee

Ähnlich sieht es im fünften Kontinent aus, Australien. Der Kontinent litt im letzten Sommer (November bis Februar) unter einer außergewöhnlichen Trockenheit. Hitzerekorde wurden eingestellt und auch Waldbrände beherrschten die Schlageilen in den Medien. Die Feuersaison wurde begleitet von einer außergewöhnlichen Hitzewelle, die teilweise bis zu 15°C höhere Temperaturen brachte, wie sie im Durchschnitt der Jahre 1980 bis 2001 gemessen wurden. Allein 9% Prozent aller größeren Städte vermeldeten die Einstellung der bisherigen Hitzerekorde, dem entsprechend groß waren die Waldbrände, das Mt. Gelantipy-Musk Creek fire vernichtet allein 62,22 km² Waldfläche im Bundesstaat Victoria. Das größte Feuer war jedoch das im Snowy River Complex wütete, bis zum 12. Februar vernichtete allein dieses Feuer 18.000 km² Wald- und Buschfläche(8)(9)(10).

(8)http://earthobservatory.nasa.gov/NaturalHazards/view.php?id=83077&src=nha

(9)http://earthobservatory.nasa.gov/NaturalHazards/view.php?id=83117&src=nha

(10)http://links.govdelivery.com/track?type=click&enid=ZWFzPTEmbWFpbGluZ2lkPTIwMTQxMDA2LjM2NzQ1NDIxJm1lc3NhZ2VpZD1NREItUFJELUJVTC0yMDE0MTAwNi4zNjc0NTQyMSZkYXRhYmFzZWlkPTEwMDEmc2VyaWFsPTE3MjI3MzM0JmVtYWlsaWQ9Z2VyYWxkdGF1YmVyQHlhaG9vLmRlJnVzZXJpZD1nZXJhbGR0YXViZXJAeWFob28uZGUmZmw9JmV4dHJhPU11bHRpdmFyaWF0ZUlkPSYmJg==&&&100&&&http://blogs.loc.gov/inside_adams/2014/10/climate-and-wildfires-in-the-21st-century/

Das Tiefdruckgebiet Simon Quelle NASA
Das Tiefdruckgebiet Simon Quelle NASA

Besonders interresant ist die Trockenperiode über dem amerikanischen Südwesten, besonders Kalifornien ist davon betroffen. Immerhin hatte es im Süden des Sonnenstaates in den letzten 12 Jahren kaum Niederschläge gegeben, davon scheint in diesem Jahr auch der Norden des Staates betroffen zu sein. Wie wissenschaftliche Studien nachweisen konnten hängt diese eigentlich extreme Wettersituation mit der Veränderung der atmosphärischen Drucksysteme über dem nordöstlichen Pazifik zusammen. Allein 2014 werden die Verluste durch diese Trockenperiode in der kalifornischen Landwirtschaft mit 2,2 Mrd. US-Dollar beziffert, alle 58 kalifornischen Counties werden inzwischen als Katastrophengebiete, aufgrund des Wassermangels, bezeichnet. Auch die natürlichen Ressourcen des benachbarten Colorado-Bassins gehen zur Neige, in diesem werden bereits 60% des Wasserverbrauchs aus den Grundwasservorkommen entnommen. Im Lake Mead, immerhin der größte Stausee der USA, sank der Wasserspiegel zwischen Januar 2013 und August 2014 um ganze 40 Meter. Die kurzen Intermezzos der nordwestpazifischen Tiefdruckgebiete Simon, Norbert und Odile brachten in diesem Jahr dem Südwesten der USA eigentlich keine Entspannung in der Nutzwassersituation. Diese brachten regional teilweise extreme Niederschlagsmengen, jedoch erzeugten die Wassermassen Überflutungen, Erdrutsche und vernichteten die Ernten der in der Region ansässigen Agrarfirmen(11)(12).

Auch konnten die Sattelitenmessungen der NASA einen erheblichen Ausstoß von Methan in den Trockengebieten der Bundesstaaten Arizona, Colorado, New Mexico und Utah feststellen. In dem Gebiet das 6.500 km² umfasst wurden in jedem Jahr von 2003-09 0,59 Mio. Tonnen in die Atmosphäre emittiert, laut NASA sind dieses dreieinhalb mal soviel wie in der gesamten Europäischen Union. Grund für diese Emissionen sind menschliche Aktivitäten, wie der Abbau von Kohle, intensive Landwirtschaft und die zunehmende Urbanisierung in der Region(13).

Interessant dabei die Korrelation zwischen der zunehmenden Austrocknung des Südwestens der USA und der Waldbrandsituation. Zwar war eine Abnahme der Waldbrände in der Saison 2013 zu verzeichnen, jedoch war in den Jahren 2011/12 eine Spitze erreicht. Es bleibt wohl abzuwarten wie sich die Situation weiter entwickelt, jedoch ist wohl eindeutig das der regional zu beobachtende Klimawandel weitreichende Konsequenzen haben wird.

(11)http://www.nsf.gov/news/news_summ.jsp?cntn_id=132709&WT.mc_id=USNSF_51&WT.mc_ev=click

(12)http://www.nasa.gov/content/goddard/tropical-storm-simon-eastern-pacificsd/

(13)http://www.nasa.gov/press/2014/october/satellite-data-shows-us-methane-hot-spot-bigger-than-expected/

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