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Ebola, wie gehts denn weiter?

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Ebola-Partikel Quelle:National Science Foundation
Ebola-Partikel Quelle:National Science Foundation

Täglich bekommen wir Schreckensmeldungen präsentiert, "Ebola die schlimmste Epidemie der Geschichte" (Antenne Thüringen 24.10.2014) hörte ich gestern im Radio und in den Printmedien liest man "USA: New York meldet ersten Ebola-Fall" (Spiegel 24.10.2014). Naja könnte man meinen, aber mal ganz ehrlich wird hier nicht mit der Angst vor einer Erkrankung wieder einmal Kasse und Politik gemacht?? Das besondere an dieser Epidemie ist: sie ist der größte bekannte Fall in der Ebola gleich mehrere Länder heimsuchte. Seit der Entdeckung des Virus 1977 wurden nur räumlich eine sehr begrenzte Ausdehnung der Erkrankung beobachtet, diese umfasste bislang nur einige wenige zumeist abgelegene Dörfer. Neu ist das urbane Zentren nun heimgesucht werden.

Gehen wir einmal zurück: Am 6. Dezember 2013 stirbt der Patient Null, ein einjähriges Kind namens Emile im Dorf Meliandou im gebirgigen Urwaldgebiet in Guinea. Es ist zwar nur ein Dorf mit rund 900 Einwohnern, aber ein Verkehrsknotenpunkt. Ein weiterer Knackpunkt: Ebola ist nicht bekannt in diesem Gebiet und liegt außerhalb des Erfahrungshorizontes der Dorfbewohner. Die örtlichen Behörden alarmierten erst am 10. März das Gesundheitsministerium über eine rätselhafte Krankheit mit hoher Todesrate. Am 19. März bestätigte die Regierung den Ausbruch von Ebola. Epidemiologische Ermittlungen zeichneten später nach, wie sich das Virus von Meliandou in die nächstgelegene Stadt Guéckédou, nahe der liberianischen Grenze, ausgebreitet hatte und von dort in die Präfekturen Macenta, Nzérékoré und Kissidougou. Bis Ende März waren 111 Menschen erkrankt und davon waren 79 gestorben. Spätestens im April hätte die WHO eingreifen müssen, man kannte die Krankheit und ihre Mortalitätsrate, was sie jedoch nicht tat.

Der Virus reiste von dort aus in die Nachbarländer Sierra Leone und Liberia. Bis zum 23. Oktober 2014 hat die Weltgesundheitsorganisation allein in Guinea 1553 Fälle nachweisen und dokumentieren können. Davon starben 926 Menschen. Insgesamt waren weltweit 10.141 Erkrankungen und 4.922 Tote gemeldet worden(1). Betroffen sind außer den drei westafrikanischen Staaten auch Mali, Nigeria, Senegal in Afrika, die USA und Spanien außerhalb von Afrika. Interessant ist an diesen Zahlen, das das Epizentrum der Epidemie die drei westafrikanischen Staaten darstellen. Aus Nigeria sind seit September keine neuen Erkrankungen gemeldet worden und der Senegal scheint nur partiell betroffen gewesen zu sein. Von den vier Erkrankungen die in den USA vermeldet wurden sind drei Krankenpfleger/in betroffen, diese hatten direkten Kontakt mit dem einen aus Westafrika in die USA eingereisten Patienten, der inzwischen verstarb. Das gleiche gilt wohl die spanischen Krankenschwester die an Ebola erkrankte. In beiden Fällen waren wohl Sicherheitsbestimmungen im Umgang mit den Patienten entweder nicht ausreichend oder nicht beachtet worden. Die Gründe hierfür sind wohl in dem Prozedere im Umgang mit der Schutzkleidung zu suchen, auch spielen hier Stress, d.h. körperlichen Anstrengung, eine Rolle die zu Unaufmerksamkeit führen kann eine Rolle. Zur Veranschaulichung habe ich einmal die Sicherheitsbestimmungen in den USA verlinkt(2).

Das in den Medien immer wieder behauptet wird, das Ebola nun auch über die Luft übertragen werden könnte muss man jedoch in das Reich der Mythen und Falschmeldungen verweisen. Das solchen Meldungen immer wieder gehör finden ist schon erstaunlich, denn die sogenannte Tröpfcheninfektion ist der Hauptübertragungsweg für Grippeviren und deren Verwandten, wie zum Beispiel dem Ebola- und Marburgvirus. Das heißt, allein der feinzerstäubte Auswurf bei einem Hustenanfall reicht um den Virus zu einem anderen Menschen zu befördern. Welche Reichweite der Auswurf erreicht hängt von der Kontraktion des Lungenvolumens ab, es können mehrere Meter sein, und das war jetzt Schulwissen 8. Klasse. Ein einfacher Mundschutz ist leider nur ein unzuverlässiges Hilfsmittel um sich zu schützen, auch Augen, Nase, Ohren und die Haut müssen geschützt sein. Das Viren mutieren ist zwar nichts neues, nur die Mutation für eine Luftübertragung müsste die Virushülle derart gravierend sein, das man dann von einer ganz neuen Virusgattung ausgehen sollte und eine solche Veränderung des Virus wurde bislang noch nicht beobachtet(3)(4).

Aber es gibt eigentlich auch gute Nachrichten, am 20. Oktober 2014 erklärte die WHO den Ebola Ausbruch in Nigeria für beendet. In Nigeria erkrankten seit Juli 19 Personen und sieben davon starben an der Krankheit. Es wurden seit 42 Tagen keine neuen Erkrankungen gemeldet. Die Eindämmung von Ebola in Nigeria könnte auch Beispielgebend für die drei westafrikanischen Staaten sein. Wie ich bereits in einem Artikel schrieb sind Prävention und Aufklärung die Schlüsselfaktoren zur Eindämmung jeder Epidemie und diese kamen in Nigeria voll zu tragen. Man band die traditionellen Stammesführer, die religiösen Autoritäten der Christen, Voodoon und Moslems und die gewählten politischen Führer mit ein. Eine Aufklärungskampagne über Ebola sensibilisierte die Bevölkerung und dieses Vorgehen zeigte Wirkung.

WHO: Strong public awareness campaigns, teamed with early engagement of traditional, religious and community leaders, also played a key role in successful containment of this outbreak.(5)

Auch das Vorgehen der Mediziner war wohl ein wenig anders als in Guinea, Sierra Leone und Liberia. Erst wenn Ebola diagnostiziert wurde, wurden die Patienten isoliert. Die meisten Verdachtsfälle stellten sich als Lassa, Malaria oder Typhus heraus. So vermied man die Masseneinweisungen in Isolierstationen, wie sie in den drei westafrikanischen Staaten vorgenommen wurden, und eine Massenhysterie(6). Aber machen wir uns einmal nichts vor, ob die Erfahrungen aus Nigeria genutzt werden hängt wohl davon ab wie die beratenden Organisationen auch lernfähig sind, denn die schnelle Reaktion der Nigerianer auf die Epidemie war der Erfolgsfaktor Nummer eins. Wie ich bereits im August schrieb sind eigentlich keine großen Geldmittel nötig um eine Epidemie wie Ebola einzudämmen, es hängt von der Kooperationsbereitschaft der Gemeinschaften untereinander und der schnellen Reaktion der Behörden, WHO oder IRK ab. Man muss sich auch vor Augen halten, das die nun bereitgestellten Mittel in Milliardenhöhe eigentlich wieder einmal viel zu spät kommt, aber immerhin kommt nun Hilfe. Die sechsmonatige Wartephase kommt der Weltgemeinschaft nun teuer zu stehen, bei einer rechtzeitigen zeitnahen Reaktion im März/April oder Mai wären viele Menschen erst gar nicht erkrankt und gestorben.

Wie es nun weiter geht?? Wahrscheinlich werden die Prognosen der WHO eintreffen, das bis Dezember vielleicht 10.000 Menschen an Ebola sterben werden. Epidemien sind vergleichbar mit einem Schneeball, die erst klein anfangen und sich immer weiter aufblähen, Material aufnehmen und sich letztendlich zu einer Lawine auswächst und diese Ebola-Epidemie wird noch lange für Schlagzeilen sorgen.

(1)http://apps.who.int/iris/bitstream/10665/137185/1/roadmapupdate25Oct14_eng.pdf?ua=1

(2)http://www.cdc.gov/vhf/ebola/hcp/procedures-for-ppe.html

(3)http://www.bild.de/ratgeber/2014/ratgeber/ebola-alarm-wird-das-virus-gefaehrlicher-38074068.bild.html

(4)http://www.heise.de/tp/news/Ebola-Uebertragung-durch-die-Luft-2415350.html

(5)http://www.who.int/mediacentre/news/statements/2014/nigeria-ends-ebola/en/

(6)http://www.nsf.gov/discoveries/disc_summ.jsp?cntn_id=133050&WT.mc_id=USNSF_51&WT.mc_ev=click

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