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Bárðarbunga im Oktober

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Bárðarbunga Quelle: Bardarbunga.Com
Bárðarbunga Quelle: Bardarbunga.Com

Die Spalteneruption im Holurhaun-Lavafeld des Bárðarbungas ging im Oktober weiter, sie produzierte jede Menge Lava und die Erdbebenaktivität steigerte sich am 5. Oktober auf 115 Erdbeben an einem Tag. Von diesen waren 21 größer als Magnitude 3 auf der Richterskala. Das schwerste erreichte Magnitude 5,0 um 16:59 an diesem Tag. Das einsinken der Caldera ging weiter, durchschnittlich sank sie um 30 cm pro Tag ein. Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Ausdehnung des Lavafeldes, am 17. Oktober füllte es eine Fläche von 58,7 + 0,4 km² aus, was jedoch auf einen Rückgang des Lavaoutputs hindeutet. Die Eruptionssäule ist eher niedrig und erreichte bisher eine Höhe von ca. drei Kilometern. Die Spurengasemissionen des Bárðarbungas sind jedoch massiv, wie die Daten der Erdbeobachtungs-Satelliten der ESA zeigen konnten. Diese steigen hoch in die Atmosphäre auf und verteilen sich über große Teile der nördlichen Hemisphäre.

Die Analysen der Schwefeldioxidemissionen zeigen, dass sich die Wolke bereits über Grönland, Zentral-Russland, dem Norden Norwegens, sowie über Irland bewegt hat. Sie erreichte bisher noch nicht die Dichte der Grimsvötn-Eruption von 2011, wird jedoch ständig beobachtet. Diese Abgasfahne hat einige Bedeutung für den Luftverkehr, denn immerhin führen die Luftstraßen im Nordatlantikverkehr über Grönland und Island. Da Schwefeldioxid in der Atmosphäre sich zu Schwefliger Säure verwandelt ist dieser Aspekt der Eruption von einiger Bedeutung für die Gesundheit der Bevölkerung Islands und der Passagiere an Bord der Flugzeuge, da sie zu Atemwegserkrankungen führen. Die Klimaanlagen an Bord von Flugzeugen saugen Frischluft an den Triebwerken an, der sogenannten Zappluft. So kann es zu einer Kontamination der Atemluft an Bord kommen. Immerhin erreichte der Schwefeldioxidausstoß am 01. Oktober einen zehnminütigen Peak von 5.800 Mikrogramm/m³. (1)

Diese Spurengas-Emissionen stehen bei anderen Vulkanausbrüchen in engem Zusammenhang mit Asche-Emissionen. Die Auswirkungen von Vulkanasche auf den Luftverkehr und die lokale Bevölkerung sind spätestens seit dem Ausbruch des Gletschervulkans Eyjafjallajökull im April 2010 weithin bekannt. Zudem bewirkt es in Form von saurem Regen eine erhöhte Oxidation von Flugzeugteilen, besonders betroffen sind die Bauteile die aus Aluminiumlegierungen bestehen. Außerdem sind die Auswirkungen von Vulkanasche und Schwefeldioxid auf die Triebwerke bislang wenig erforscht. Bekannt ist lediglich das Vulkanasche zu einem starken mechanischen Verschleiß an den Triebwerksschaufeln, Kompressoren, Hitzeschutz der Brennkammerwände und Verdichtern führt. Dieser mechanische Verschleiß kann zum Totalausfall des Triebwerks bereits nach wenigen Minuten führen.(2)

Aktuell beeinträchtigen die hohen SO2-Konzentrationen des Bardarbunga die Luftqualität in weiten Teilen von Island. Auch der Ballungsraum rund um die Hauptstadt Rejkiavik ist immer wieder betroffen, wie der Informationsdienst Icelandic Metoffice berichtet. (3) Wie sich die Aktivität des Vulkans weiter entwickeln wird weis wohl niemand, jedoch hatten in der Vergangenheit vulkanische Aktivitäten auf Island bereits mehrfach auf den europäischen Kontinent, wie zum Beispiel die achtmonatige Laki-Eruption im Jahr 1783. Deren Schwefeldioxidemissionen legten sich über West- und Zentraleuropa und manche Historiker vermuten das dieses Ereignis Einfluss hatte auf den Ausbruch der französischen Revolution 1789.

(1) http://en.vedur.is/media/jar/Factsheet_Bardarbunga_20141001.pdf

(2) http://www.dlr.de/dlr/desktopdefault.aspx/tabid-10081/151_read-11746/year-all/#/gallery/16677

(3) http://www.vedur.is/vedur/spar/textaspar/oskufok/

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