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Preliminary Report von MH-17

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Also jetzt ist der erste vorläufige Untersuchungsbericht zum Absturz von MH-17 herausgekommen und wie zu erwarten beantwortet er einige, wirft aber auch neue Fragen zum Vorgang auf. Zumindest schließen die Unfallermittler nach der Prüfung der Daten des Flugdatenschreibers und des Voicerecorders technisches und menschliches Versagen, bezogen auf Maschine und Piloten, aus. Die Tatsache das die Piloten entlastet wurden leuchtet noch ein, man hatte den Funkverkehr (Boden>Maschine und der Besatzung untereinander) ausgewertet und nichts verdächtiges gefunden. Das jedoch technisches Versagen ebenso ausgeschlossen wurde, leuchtet jedoch nicht so eindeutig ein, hier wurden anscheinend nur die Daten des Flugdatenschreibers herangezogen, ohne eine Untersuchung des Wracks selber. Das die forensische Untersuchung des Wracks vor Ort bislang nicht möglich war ist bekannt, wurde im Dokument nur beiläufig erwähnt.

Aus dem Dokument selber geht hervor das lediglich die Triebwerke, Teile der unteren Cockpitsektion, Teile des Seitenleitwerkes und des hinteren Heckkonus, Teile der vorderen oberen Rumpfkonstruktion und die Fahrwerksklappen vor Ort fotografiert und einer groben Untersuchung unterzogen wurden, die Schadensanalyse für den restlichen Teil der Maschine fehlt. Die Schadensanalyse erfolgte anhand des fotografischen Materials, sie sind wie gesagt nicht forensisch untersucht worden. Das zum Beispiel die Teile der Cockpitsektion vier Kilometer vor dem eigentlichen Mainframe der Maschine aufgeschlagen ist, bezeugt das die Maschine in großer Höhe auseinandergebrochen ist und das der hintere Rumpfteil noch ein paar Sekunden länger mit Tragflächen und noch laufenden Triebwerken verbunden war, als der vordere Teil der Maschine. Was jedoch nicht wirklich klar ist, warum von der Position des last FDR Point (letzte Aufzeichnung des Flugdatenschreibers) der aufgefundene Teil der vorderen Sektion nordöstlich liegt und der Rest, incl. Cockpit, jedoch östlich???? Auch diese Teile müssten den Weg einer ballistischen Abstiegsbahn folgen. Auch nicht wirklich einleuchtend ist, wenn dies wirklich der last FDR Point ist und die vordere Rumpfsektion sich nordöstlich von diesem Punkt liegt und das Cockpit östlich, müsste die Maschine weit vor dem last FDR Point auseinandergebrochen sein und der Flugdatenschreiber hätte zumindest einen drastischen Druckabfall in der Kabine registrieren müssen, was er jedoch anscheinend nicht tat. Laut Dokument enden die Aufzeichnungen um 13:20:03 Uhr, ohne das Daten für eine Fehlfunktion im Flugzeug registriert wurden.

Das Problem mit dem Report ist, es wurde ohne ersichtlichen Grund anscheinend von vorn herein von einer Boden-Luft-Rakete erzeugten Schrappnellwolke hin focusiert. Wie ich bereits schrieb können die Beschädigungen die die Untersuchungskommission als primäre Ursache angibt, die Beschädigungen an der Cockpitsektion durch Kleinstteile von der auseinanderbrechenden Maschine selber erzeugt werden, immerhin besteht die Boeing 777 aus mehreren Mio. Bauteilen. Alternative Szenarien werden damit hin ausgeblendet, was an für sich unsinnig ist, da die Wrackteile nicht vor Ort untersucht wurden. Eine Untersuchung der Wrackteile vor Ort ist eigentlich erforderlich und auch nötig, um solche alternative Szenarien auszuschließen.

Die Primäre Aussage im Report, das der Flug MH 17 nach dem Beschuss durch „hochenergetische Objekte“ abgestürzt ist, da sie die Flugzeughülle von außen penetrierten, ist ehrlich gesagt bei heutigen Kenntnisstand eine zu eingeengte Sichtweise. Diese Aussage auf Fotos als Beweis zu stützen ist mir persönlich eine zu gewagte Herangehensweise, da Objekte die den Flugzeugrumpf von außen durchbohren, mit großer Wucht und hoher Geschwindigkeit, eigentlich nur nach einer Materialuntersuchung festgestellt werden können. Nimmt man zum anderen den Zerlegungsgefechtskopf des Produktes 9M317 (BUK M1) erkennt man das dieser zwei Hauptrichtungen hat: einen nach vorne gerichteten Kegel und einen radialen, um auch seitlich ausweichende Ziele noch zu erfassen und zu zerstören. Der nach vorne gerichtete Kegel wird durch den 60 kg schweren Gefechtskopf der Rakete verursacht. Die radiale Zerstörungswirkung wird nicht durch eine sogenannte Continous-Rod-Ladung entfaltet, sondern durch die Druckwelle infolge der Selbstzerstörung des Flugkörpers selber. Bei den infrarotgelenkten Air to Air Lenkflugkörpern, z. B. einer R-60, kommt dagegen eine sogenannte radial gürtelförmige Continous-Rod-Ladung zum Einsatz, d. h. es handelt es sich um einen hochfesten Metallkreis großen Durchmessers, welcher um eine Sprengladung so gesehen gefaltet wird, bei einer Explosion der Sprengladung dehnt sich dieser Metallsegmentkreis aus und zerschneidet alles in seinem unmittelbaren Wirkungskreis in zwei Teile.

In beiden Fällen ist nicht die Schrappnelleinwirkung, die zwangsläufig bei einer Explosion entsteht, der eigentliche Verursacher des Absturzes sondern die Druckwelle der Explosion. Ergo muss man die Wrackteile selber untersuchen um fest zu stellen welche Belastungen auf den Rumpf der Maschine einwirkten. Das die Aufzeichnungen des Flugdatenschreibers und des Voicerecorders plötzlich um 13:20:03 Uhr endeten kann zwei mögliche Ursachen haben. Die erste Möglichkeit wäre die kompletten elektrischen Systeme der Maschine versagten schlagartig, z. B. durch eine Explosion in oder im Nahbereich der Maschine. Die zweite Möglichkeit wäre, die Maschine wurde in zwei Teile gebrochen, wie es beim Einsatz einer Wympel R-60 möglich wäre. Aber wie gesagt man muss die Wrackteile selber untersuchen, ohne die ist eine Aufklärung was überhaupt mit der Boeing 777 passiert ist nicht möglich. Das der Bericht "hochenergetische Objekte" als Absturzursache nennt ist eigentlich besonders vielsagend, nämlich das er die Frage eines Bombenattentates ausschließt, jedoch die Möglichkeiten eines Einsatzes einer BUK-M1 oder einer R-60 nicht ausschließt. Was Flug MH-17 am 17. Juli zum Verhängnis wurde, wird erst eine Untersuchung des Wracks selber zeigen, die Ursache von Fotos (die vor Ort gemacht wurden) abzuleiten entspricht eher Kaffeesatzleserei. Die eigentliche Frage ist ob und in wie weit eine Untersuchung der Wrackteile möglich ist, nur das wird wohl die Zukunft erst zeigen. Zumindest markiert der Zwischenbericht den Beginn einer gründlichen Untersuchung des Absturzes.

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