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Moderne Mythenbildung und ein bisschen Freiheit

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Laut den bundesdeutschen Massenmedien könnte man den Eindruck gewinnen, dass Hr. Gauck zu den führenden Köpfen der Oppositionsbewegung in der DDR gehörte. Bei der Gründung des Neuen Forums wird Joachim Gauck allerdings überhaupt nicht erwähnt, bei der Erklärung „Aufbruch 89 - NEUES FORUM“ unterschrieben unter anderen Bärbel Boley, Konrad Reich, Catrin Ulbricht. Joachim Gauck fehlt da irgendwie und laut einer vielvertretenen Meinung soll er wohl einer der Initiatoren des Neues Forums gewesen sein. Bei den neugegründeten Parteien Demokratie Jetzt und dem Demokratischer Aufbruch herrscht ebenso ein einiges Schweigen zum Thema Joachim Gauck, eben bis Oktober 1989.

Abgesehen davon das in Rostock die Bewegung erst entstand, als sie in Berlin, Dresden, Leipzig etc. schon in vollem Gange war und sich das Ende der SED-Einparteienherrschaft bereits abzeichnete. Herr Gauck scheint es excelent verstanden zu haben, sich selbst nachträglich als Bürgerrechtler zu inszenieren, im Volksmund nennt man eine solche Verhaltensweise Trittbrettfahrer. In den Massenmedien, wie bei Beckmann am 01.03.2012, wird Joachim Gauck auch so inszeniert: Joachim Gauck der Gerechte, der Bezwinger der DDR, der in Rostock unter Einsatz seines Lebens gelebt hat, der Che der Bürgerrechte, der Stasijäger und der Fürst der Freiheit - jetzt bald auch in Schloss Bellevue, die Freiheit ! Vive la Revolution!! Dagegen war die Selbstdarstellung der Occupy Bewegung wirklich Mist.

Auf die konkrete Frage woraus seine überragenden Verdienste für den Kampf für die Bürgerrechte in der DDR bestehen wird man keine Antwort erhalten, sondern die Freiheit vorgesetzt bekommen, soll wohl heißen die Freiheit zum Nichtnachdenken. Sicher Herr Gauck wurde seit 1974 vom MFS überwacht, eventuell sollte er angeworben werden, wie jeder andere Priester der in der DDR seinen Dienst zum Wohle des Gläubigen tat, sie waren sogenannte Funktionsträger in der DDR. Bei genauerer Betrachtung hatten auch Erich Honecker, Edi Amin und Richard Nixon eine Akte beim MFS, ohne das sie sich für Menschen- und Bürgerrechte in der DDR extra ordinär einbrachten, auch sie waren Funktionsträger. Vielleicht gab es auch 6 Mio. Bürgerrechtler in der DDR, grob gerundet gab es wohl so viele Personenakten.

Die Bundespräsidentschaft des Joachim Gaucks steht nun bekanntlich unter dem Motto der „Freiheit“ und der „Verantwortung“, nun weis eigentlich jeder der sich mit der Freiheit beschäftigt hat, das die westliche Spielart der Freiheit auch die Abwesenheit von sozialer und zum Teil auch von physischer Sicherheit bedeuten kann. Philosophen sprechen immer von den negativen Freiheitsrechten, die in den bürgerlichen Demokratien verwirklicht wurden, man muss sich eben auch diese Freiheitsrechte leisten können. Sieht man Joachim Gaucks Äußerungen zur Freiheit einmal genauer an, stellt man sehr schnell fest bei der Spielart der Freiheit des Herrn Gauck handelt es sich um eine Marmelade, nur weiß keiner welche Geschmacksrichtung sie hat und die Verantwortung, was meint er denn damit nur. Klingt ja so als hätte man die freie Wahl und mit der muss man Verantwortungsvoll umgehen. Da liegt man nun aber voll daneben. Wenn man jemanden suggeriert er hätte eine freie Wahl, dann ist er weniger beunruhigt von der existierenden Ungleichheit der Reichtums- und der Chancenverteilung in einer Gesellschaft und akzeptiert diese Ungleichheit eher, das steht eigentlich hinter diesen Phrasen „Freiheit“ und „Verantwortung“. Ein Bundespräsident der Herzen? Seine Äußerung zu den Montagsdemos gegen die Agenda 2010, oder Thilo Sarrazin Mut zu assistieren beim Verbreiten seiner sozialdarwinistischen Denkmodelle in der sensiblen Integrationsdebatte bestätigen nicht nur das zu vor gesagte sondern lassen auch einen intellektuell und emphatisch konservativ denkenden und fühlenden Menschen vermuten, laut einer US-Studie sind Konservative bekanntlich nicht besonders helle auch, auch wenn sie gut reden können.

Seine Tätigkeit bei der nach ihm vormals benannten Stasi-Unterlagen-Behörde lässt auch vermuten das er eher ein wahrer und treuer Staatsdiener ist, ein Querdenker wohl Fehlanzeige. Der latente Hang zur Anti-Linken Einstellung in der Bundesrepublik gehört bekanntlich zur Staatsräson, siehe Überwachung der LINKEN vom Verfassungsschutz, KPD Verbot, Berufsverbote, Radikalenerlasse usw. "Unser Verfassungsschutz ... ist nicht eine Vereinigung von Leuten, die neben unserem Rechtsstaat existiert und Linke verfolgt. Wenn der Verfassungsschutz bestimmte Personen oder Gruppen innerhalb dieser Partei observiert, wird es dafür Gründe geben." (Interview in der »Rheinischen Post«, Juni 2010) So wie es Gründe dafür gab Joachim Gauck in der DDR zu überwachen, welche das wohl waren?? Tja, Kirchenvertreter standen unter Generalverdacht, so wie in der Bundesrepublik die LINKEN eben. Aber der Joachim setzt noch einen drauf, gehörte er doch zu den Erstunterzeichnern der Prague Declaration on European Conscience and Communism und hat das Nachwort in dem Buch „Schwarzbuch des Kommunismus“ geschrieben. Gauck outet sich als ein Anti-Kommunist? In der DDR wurde er komischer weise kaum behelligt und er lag da wohl auch voll im Mainstream der Gesellschaft.

Der angebliche „Bürgerrechtler“ hatte sich in der Bundesrepublik auch das Ausgrenzen von politisch Andersdenkenden zur Aufgabe gemacht, wie der Akte Dehm, die Akte Gysi und einiger anderer wohl eindrucksvoll zeigen, die beiden von Gauck benannten IM`s lösten sich irgendwie in Rauch auf oder der „Count Dawn Gysi“ änderte die Akten übernacht „Meister Jedi Gauck“. Was besonders zu Denken geben sollte, gerade im Osten ist die Ablehnung besonders hoch und verwundert deshalb den Betrachter, denn für diese Menschen hätte sich Herr Gauck besonders eingesetzt. Laut den Medien viele verbitterte Verlierer der Widervereinigung, so kann man es sich auch schön reden.

Die Problematik des Joachim Gaucks ist wohl das er sich als Bürgerrechtler sieht, nun besteht das Wort eigentlich aus zwei Wörtern: Bürger und Recht. Man wird es erraten, Joachim Gauck hatte sein Recht als Bürger der DDR verwirklicht für das Neue Forum für die Wahlen zur Volkskammer 1990 zu kandidieren und gewählt zu werden, aber das aus dieser Tatsache Hr. Gauck gleich ein aktiv tätiger Bürgerrechtler in der DDR wird, ist ziemlich gewagt. Sieht man es positiv könnte man ihn höchstens als ein Bürgerrechtler des letzten Jahres der DDR bezeichnen, mehr aber auch nicht. Nur da waren ja alle irgendwie Bürgerrechtler. Ja die Gauck Saga als Widerständler gegen das Böse und der Inthronisierung der Unfreiheit in der DDR durch die Mächte des Bösen, wird in den Medien reichlich befördert. Diese strikte Einteilung in Gut und Böse zeichnet die konservativen Denkmodelle vor allem aus. Das Problem der Präsidentschaft des Joachim Gauck wird wohl sein, das er das System der Konservativen Denkmodelle weiter manifestieren wird, ein Querdenker ist er nicht. Freiheit für den Einzelnen ist sicherlich möglich in diesem System, aber bei weitem nicht garantiert, denn die negativen Freiheitsrechte bedingen auch der finanziellen Mittel damit positive Freiheiten daraus werden, aber davon wird man niemals etwas von Jojo Gauck hören, sondern nur von der heiß geliebten “Freiheit“ und von der Verantwortung.

“Das weltweite Internet bietet alle Voraussetzungen, um die in den ersten zehn Artikeln unserer Verfassung verankerten Grundrechte aller Bürger in diesem Land auszuhöhlen. Dies gilt insbesondere für das Recht auf freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit in Artikel Fünf – eine wesentliche Grundlage unserer funktionierenden Demokratie – und es gilt letztlich auch für den Kernsatz unserer Verfassung, den Artikel Eins des Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar.” Joachim Gauck als Schirmherr Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) im Vorwort der Studie :DIVSI Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet.

Aber Hr. Gauck warum sollte das Internet die Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz (Artikel 3) oder die Glaubens- und Gewissensfreiheit (Artikel 4), den Schutz von Ehe und Familie (Artikel 6) oder die Versammlungsfreiheit (Artikel 8) gefährden? Zu Artikel Fünf des Grundgesetzes: Das Internet befördert die Presse- und vor allem die Meinungsfreiheit wie nie zuvor, damit einhergehend stärkt es auch die Würde des Menschen in Artikel Eins. Ohne das Internet wäre der „Arabische Frühling“ z.B. so nicht möglich gewesen bzw. wäre anders verlaufen, wohl auch unter Ausschluss der internationalen Öffentlichkeit. Sicherlich bestehen auch Gefahren im Umgang mit dem Internet, aber bestimmt nicht für die im Grundgesetz niedergelegten negativen Freiheitsrechte. Wahrscheinlich sieht Joachim Gauck das Internet wohl als Gefahr für das Meinungsbildungsmonopol der politischen und medialen Funktionseliten und daraus folgernd: ein „Bürgerrechtler“ war und ist er wohl nicht, eher ein treuer Staatsdiener der ab gedroschene populäre Phrasen verwendet um sich zu profilieren, um einen demokratischen Autoritätsstaat zu bestärken. Denn die Krise des Kapitalismus drängt die konservativen Eliten zu imperialistischen Rohstoffsicherungskriegen nach außen und zu einer härteren Gangart gegenüber sozial benachteiligten Schichten nach innen zu vermitteln hat und da kommt doch die „Freiheit“ des Joachims wie gerufen. Dies zeigt schon seine Rede vor der Bundeswehrakademie im Hamburg. Es scheint auch so, dass er durch die Möglichkeiten der modernen Kommunikationstechnologien heillos überfordert ist, wie auch der gesamte politische Krämerladen der Bundesrepublik, wenn man sich den Fall ACTA und die gesamten Forschungsprojekte zur Überwachung und Kontrolle einmal so ansieht. Der Joachim hatte bestimmt vergessen Georgs Orwells Buch 1984 zu lesen.

Man wird wohl während der Präsidentschaft des Jochim Gaucks viel von der “Freiheit” und der “Verantwortung” hören, dabei wird er wohl nicht zwischen positiven und negativen Freiheitsrechten aufklären. Das Wort Freiheit ist wie eine Tretmine und Hure zu gleich, denn in der Freiheitsphilosophie ist die große Frage: Freiheit von etwas, Freiheit für wen, Freiheitsverständnis, Freiheit wozu, Freiheit zu etwas. Man wird aber lange warten müssen und auch wohl keine Denkanstöße hören zu den gesellschaftlich notwendigen Reformen der Hartz Gesetze (findet Hartz-Gesetzgebung positiv und lehnt gesetzliche Mindestlöhne ab), in der Rentengesetzgebung (er ist für die Rente mit 67 und damit auch für die Absenkung der Renten), keine Kritik an den Finanzmärkten (tritt offen gegen die Kritiker der Finanzmärkte auf), keine Kritik an den Auslandseinsätzen der Bundeswehr usw. Ein Bundespräsident der Herzen? Bestimmt nur der Herzen die die selben konservativen Ansichten des Joachim Gauck teilen. Die konservativen Funktionseliten werden sich freuen dürfen, einen Mann gewählt zu haben der klar im rechten konservativen Spektrum zu verorten ist, der auch klar auf Regierungskurs und dem Mainstream im politischen Parteienspektrum liegt, wie der Fall Timoschenko und seine Reise nach Israel zeigen. Immerhin ist er bekanntlich nicht zu einem Treffen in die Ukraine wegen der Menschenrechtslage in dem Land gefahren, wohl eher wegen der Frau Timoschenko die zu der Zeit im Hungerstreik befand. Nach Israel fuhr er jedoch als sich 1600 palästinensische Häftlinge im Hungerstreik befanden, die hat er noch nicht einmal mit einem Wort erwähnt und forderte die Unterdrückten auf sich mehr zu engagieren für den Friedensprozess mit ihren Unterdrückern, was für eine Logik stellt der Joachim da zur Schau, und gleichzeitig versicherte er der Besatzungsmacht Israel die uneingeschränkte Unterstützung Deutschlands zu.

Bei der Geschichte des Joachim Gaucks handelt es sich wohl eher um einen Fall einer modernen Mythenbildung der konservativen Kreise in diesem Lande, wie die fast einhellige Zustimmung von CDU/CSU, FDP, Grünen und SPD zeigt. Im Grunde genommen wird es Gauck und seinen Befürwortern nur um die Verteidigung des Kapitalismus gehen, einem Gesellschaftssystems das zur Religion erhoben wurde. Beide bauen bekanntlich darauf, dass die benachteiligten Gruppen ihr Schicksal akzeptieren und so den Macht- und Reichtumserhalt als von einer höheren Macht vorgegeben erscheinen zu lassen. Beim Karma ist es bekanntlich der religiöse Glaube, beim Kapitalismus ist es der Glaube an die Entscheidungsfreiheit. Hr. Gauck möchte uns eigentlich nur eine gute Religion verkaufen. Er will als Pfarrer der Nation auftreten und den Menschen Trost und Halt in ihrem Elend geben. Nichts ist da besser, als ein Heilsversprechen für die Zukunft. Am besten in einer sehr fernen Zukunft und das kann der Joachim Gauck sehr gut.

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