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Fracking am Ende?

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Quelle:Occupy Wallstreet
Quelle:Occupy Wallstreet

Bereits 2013 konnten die Energie verliebten USA dank Fracking 84 Prozent ihres Eigenbedarfs decken und bald dürfte das Land, in dem die Ausfuhr des schwarzen Goldes jahrzehntelang verboten war, sogar zum Netto-Öl-Exporteur aufsteigen. Präsident Obama war begeistert: "Wir haben Erdgasvorräte für 100 Jahre", außerdem sanken die Erdölimporte um 11%. Kein Wunder, dass die Energie-Gewinnung aus Schiefer-Gestein in Übersee als Weisheit letzter Schluss gilt, um die Versorgung mit fossilen Brennstoffen nachhaltig zu sichern. Andrew Hall, der auch „Gott des Rohöl-Handels" genannt wird, bewertet die Fracking-Technologie hingegen als Irrweg.

Die Dissonanzen im Fracking-Jubelorchester nehmen eigentlich seit mehreren Jahren zu, Fracking ist unwirtschaftlich und obendrein Umweltzerstörend. Fracking ist ganz nebenbei teuer, bei einem Ölpreis von unter 75 US-Dollar pro Barrel legen die Firmen viel Geld drauf, dasselbe gilt für die Erdgasförderung mit der Hydraulik Fracking Technologie. Obendrein können die Fracking-Bohrlöcher nur mit einem gefährlichen Chemiecocktail offen gehalten werden. Die sog. Frac-Flüssigkeit besteht zu 98 Prozent aus bis zu 20.000 Litern Wasser (pro Frac-Vorgang), etwas Quarzsand und 0,2 Prozent Chemikalien. Wie jeder sieht entsteht so der etwas mechanische Name Hydraulik Fracturing, da die Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien unter Druck gesetzt wird und das Gestein aufbricht. Die Wirkung entspricht dem was man als ein kleines Erdbeben bezeichnen kann, praktisch gesehen ahmt man die Natur nach, besser gesagt den geophysikalischen Vorgang. Chemikalien werden dabei benötigt, um die Pumpwege freizuhalten, da feinkörnige Sedimente entstehen beim Frac-Vorgang. Ein Bohrloch kann dabei bis zu 18 mal einem Frac-Vorgang ausgesetzt werden und wie man sich unschwer vorstellen kann, ein gewisser Teil der Frac-Flüssigkeit bleibt immer im Boden zurück und damit auch die eingesetzten Chemikalien, dieser Anteil kann bis zu 80% der eingesetzten Flüssigkeit betragen.

Schiefergasvorkommen in den USA
Schiefergasvorkommen in den USA

Die andere Große Frage des Hydraulik Fracturing ist, wohin mit der abgepumpten Frac-Flüssigkeit??? Nach deutschen Umweltstandards gilt diese als Sondermüll, muss so gesehen auch entsprechend entsorgt werden. In den USA muss die Frac-Flüssigkeit lediglich aufgearbeitet werden, das heißt mechanisch gereinigt werden. Auf der Webseite des Umweltbundesamtes ist zu lesen:

Die Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten ist wegen des Einsatzes des hydraulischen Fracking-Verfahrens umstritten. Die Fracking-Technologie kann zu Verunreinigungen im Grundwasser führen. Besorgnisse und Unsicherheiten bestehen besonders wegen des Einsatzes von Chemikalien und der Entsorgung des anfallenden Abwassers (Flowback).

Immerhin hat das Umweltbundesamt zwei Gutachten in Auftrag gegeben, das erste wurde 2012 veröffentlicht. Darin wird abgeraten diese Technologie großflächig in Deutschland ein zu setzten. Beim zweiten wurde erst einmal mehrere Expertengruppen gebildet um den Stand der Technik zu beleuchten und zu beurteilen. Warum die Merkel-Administration trotzdem ein Fracking-Gesetz vorantreibt bleibt eigentlich unklar, das UBA-Gutachten ist nach meiner Kenntnis zwar veröffentlicht, jedoch spielen anscheinend nur politische Erwägungen auf der Habenseite eine gewichtige Rolle. Der Bund der Bierbrauer und der Verband der Mineralwasser-Produzenten sträuben sich gegen das Gesetz. Bei einer Studie der Duke University konnte man bereits nachlesen, das Fracking Grund- und Trinkwasservorkommen mit Methan, Ethan, Propan und radioaktiven Isotopen belasten können, immerhin haben die US-Wissenschaftler 141 Brunnen in Fracking-Gebieten untersucht. Dem gegenüber steht eine Studie der Ohio State University, in der es heißt: Fracking sei nicht das Problem an sich, sondern der Umgang mit den Frac-Flüssigkeiten. Naja man kann daraus schließen, dieser Umgang kann man getrost auch als grob fahrlässig bezeichnen, er unterliegt in den USA nämlich keiner staatlichen Kontrolle. Geschädigte müssen in den USA selber wissenschaftliche Gutachten in Auftrag geben um nach zu weisen, das sie durch das Fracking geschädigt wurden und wer kann sich das leisten???

Das die Krise um die Ukraine in diese Überlegungen die tragende Rolle spielt, dürfte klar sein. Nur spielen in diesen Überlegungen anscheinend die Angst vor einem Gaslieferstopp eine Hauptrolle, nur hat in der Vergangenheit das Transitland Ukraine dem Westen den Gashahn abgedreht und nicht Russland selber. Das besondere an dieser Situation ist, die Ukraine wird von der EU und insbesondere von Deutschland hofiert. Die Ukraine wollte diesen Sommer immerhin ein Gasembargo durchsetzten, scheiterte grandioser Weise jedoch an der EU bei diesem Vorhaben. Es ist eigentlich paradox was sich da abspielt, warum sollte man eine prinzipiell gesicherte Erdgasversorgung durch Russland aufgeben, durch einen kurzzeitigen Hype mit dem einheimischen Schiefergas?? Zumal die Klima- und Umweltbilanz des Schiefergases wohl eindeutig negativ ausfällt und die deutsche Energiewende ad-absurdum führt. Wenn man davon ausgeht das diese Technologie Hydraulik Fracturing für Umwelt, Menschen und einer langfristigen gesicherten Energieversorgung entgegensteht, muss man sich schon wundern welche Blütenträume in der deutschen Politik so treiben und immer größer werden.

Die Frage ob Fracking wirklich am Ende ist, ist wohl keine wirtschaftliche oder umwelttechnische Frage, sondern nur eine politische Frage. Somit muss man wohl Andrew Hall widersprechen, Fracking ist nur dann man Ende wenn die Technologie politisch nicht mehr tragbar ist und der Punkt steht wohl noch in den Sternen.

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