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Pazifismus, heute aktueller als je zuvor

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

„Bertha-von-Suttner-1906“ von Carl Pietzner - Stadtchronik Wien, Verlag Christian Brandstädter. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bertha-von-Suttner-1906.jpg#mediaviewer/Datei:Bertha-von-Suttner-1906.jpg
„Bertha-von-Suttner-1906“ von Carl Pietzner - Stadtchronik Wien, Verlag Christian Brandstädter. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bertha-von-Suttner-1906.jpg#mediaviewer/Datei:Bertha-von-Suttner-1906.jpg

Wenn man sich die Lage auf unserem blauen Planeten so ansieht, sieht man viel, vor allem Kriege fallen unter die Rubrik unserer zivilisatorischen Leistungen, die ich persönlich als mehr als fragwürdig empfinde. Trotzdem fordern viele den Krieg als mittel der politischen Interessendurchsetzung zu legalisieren, man muss sich ja nur unseren Oberguru der Freiheit, Joachim Gaucks Reden um Thema einmal durchlesen. Dabei müsste er als Pfarrer und Vertreter der Evangelischen Kirche den Krieg als Mittel der Politik ablehnen, tut es aber nicht. Er fordert und befürwortet Auslandseinsätze der Bundeswehr und liegt dabei voll im Mainstream der politischen Elite und der Medien, besonders die Transatlantiker fallen da sehr auf. Dabei wissen die Geschichtskundigen das mit Kriegen oftmals das Gegenteil erreicht wurde, als man ursprünglich beabsichtigte. Der Dreißig Jährige Krieg, der Erste und Zweite Weltkrieg, der Korea-, Libyen-, Syrien- und Vietnamkrieg sind wohl die prominentesten Beispiele dafür.

Die entscheidende Frage lautet wohl: Wozu Krieg? Einer meiner Lieblingsautoren Namens Samuel Langhorne Clemens, bekannter als Mark Twain, stellte sich wohl die selbe Frage und trat der Antiimperialistischen Liga in den USA bei und wurde der bekannteste Sprecher dieser Organisation. Er stand den imperialistischen Bestrebungen der politischen Klasse der USA ablehnend gegenüber. Andere große Denker und Begründer des europäischen Humanismus wie Kant, Rousseau usw. sahen im Krieg ein Grundübel der Zivilisation und setzten das Vertragsrecht auf internationaler und nationaler Ebene dagegen. Marx und Engels sahen im Krieg die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen auf die Spitze getrieben und im Zusammenhang mit dem Nationalismus als ein Mittel zur Durchsetzung der Interessen der Bourgeoisie darstellt. Sie erkannten das der Internationalismus einen Gegenpol zum kriegsbereiten Nationalismus darstellt und entwickelten den Slogan: Proletarier aller Länder vereinigt euch. Berta von Suttner wiederum ist wohl die bekannteste Pazifistin des 19./20. Jahrhunderts, sie überzeugte Alfred Nobel zur Schaffung des Friedensnobelpreises und ihr Buch: Die Waffen nieder gilt heute noch als Klassiker der Friedensbewegung. Warum der Pazifismus sich niemals durchsetzen konnte, sondern eine gesellschaftliche Randerscheinung bis heute blieb, hängt wohl in seiner Komplexität und fehlenden Popularität zusammen, denn viele meinen mit Gewalt könne man größere Veränderungen bewirken, als durch Gewaltlosigkeit. Die Grünen entstanden bekanntlich aus der Friedensbewegung der 1970er Jahre und waren einstmals bekannt als Antikriegspartei, jedoch heutzutage sind sie bereit auch die Interessen der Bourgeoisie mit Waffengewalt International durchzusetzen, im Klartext Krieg zu führen. Die Grünen sind heutzutage genauso weit vom Pazifismus entfernt wie der die Erde vom Mond. Der Pazifismus ist dabei keine europäische Erfindung sondern lässt sich in allen Kulturen der Welt wiederfinden und lässt sich folgender Maßen beschreiben:

Pazifismus ist dabei die persönliche Entscheidung eines Einzelnen, aus Überzeugung, und hat nur sehr bedingt etwas mit der Religion oder der politischen Grundeinstellung zu tun. Mohandas Karamchand Gandhi war zum Beispiel Hindu, das polynesische Hoʻoponopono wurde bereits vor deren Christianisierung praktiziert, das chinesische shījīng entstand vor über 1000 Jahren und enthält Beispiele die dem modernen Pazifismus sehr nahe kommt. An diese Volkstradition anknüpfend, versuchten die chinesischen Staats- und Vertragstheoretiker Laotse und Konfuzius Frieden durch innerseelische wie politische Balance der Kräfte zu erreichen. Diese Infragestellung des Krieges durch die Schaffung eines Gleichgewichtes kennt man auch als Jin und Jang. Der Buddhismus kennt ebenso das pazifistische Ideal des Nichtverletzens und einer friedlichen Konfliktbewältigung, ebenso der Hinduismus, der Islam, der Daoismus, der Jainismus usw., diese Liste ließe sich beliebig lang fortsetzen.

Auf der Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung wird Pazifismus folgender Maßen beschrieben: Pazifismus ist eine moralische Überzeugung bzw. Weltanschauung, die den Einsatz von Gewalt, insbesondere von militärischer Gewalt und von Kriegen als Mittel zur Durchsetzung von Interessen ablehnt und ausschließlich friedliche und gewaltfreie Aktivitäten (z. B. gewaltlosen Widerstand) duldet.

Warum sich der Pazifismus bisher nicht durchsetzen konnte, liegt wahrscheinlich daran das die Logik des Pazifismus wohl nicht jedem einleuchtet. All zu oft hört man: Der Pazifismus geht mir seit einigen Jahren ohnehin schwer auf den Sack, da es einfach nur eine Utopie ist. Es ist einfach zu sagen, denn es hört sich gut an. Niemand kann einem etwas vorwerfen, wenn er den Pazifismus anpreist. Sieht man oft im TV. Doch ist es nicht Ignoranz? Meiner Meinung nach ist es beschämend, denn man schaut weg. Man lässt andere walten und andere leiden. Wo wären wir denn, wenn sich einige Länder vor 70 Jahren den Pazifismus als Grundkonzept vorgenommen hätten? (1)

Es ist sicherlich richtig das der zweite Weltkrieg mit pazifistischen Grundidealen nicht zu gewinnen gewesen wäre, jedoch zeigt dieser Krieg wie kein anderer wohin die Bereitschaft Kriege zu führen eben auch führen kann. Jeder moderne Krieg mündete bekanntlich in einem Massaker, die sogenannten humanitären Interventionen der letzten 20 Jahre mit eingeschlossen. Nimmt man die sogenannte Schutzverantwortung der Internationalen Gemeinschaft für die Einhaltung der Menschenrechte sieht man wohin die diese Bereitschaft Konflikte mit militärischen Mitteln zu lösen führen kann. Im Fall Libyens verdeutlicht sich dabei eines: Der seit 2011 andauernde Bürgerkrieg wäre erst gar nicht entstanden, wenn man mit Ghadaffi und den Aufständischen verhandelt, vermittelt und gesprochen hätte. Pazifismus bedeutet eben auch persönliche Antipathien hinten an zu stellen und konstruktive Ideen einfließen zu lassen, zum beiderseitigen Nutzen. Hier sind Kompromisse zu erzielen das oberste Prinzip des politischen Handelns. Dabei verlangt der Pazifismus einiges mehr von jedem Einzelnen ab, als die Bereitschaft Feindbilder zu akzeptieren und bewaffnete Auseinandersetzungen für ein erstrebenswertes Ziel zu halten. Pazifismus bedeutet eben auch, den harten Weg der sogenannten weichen Macht zu gehen, Gespräche zu führen, mit Argumenten zu Überzeugen und damit vor allem Konfrontationen zu entschärfen. Pazifismus ist keine Utopie, denn die Grundlagen des modernen Völkerrechtes und der Vereinten Nationen basieren auf den pazifistischen Grundüberzeugungen, das Krieg kein Mittel der Politik darstellen darf. Vermeiden ließen sich Kriege und deren Folgen durch "guten Willen", "Dialog", gegenseitiges Zuhören und einen offen proklamierten Verzicht auf Gewalt. Der Pazifismus basiert damit auf Akzeptanz, Kooperation und Respekt und widerspricht eigentlich damit dem kapitalistischen Gesellschaftsmodell, das bekanntlich in der heutigen Welt das tonangebende Gesellschaftsmodell darstellt, in dem Konkurrenz, Markt und die Verdrängung bzw. Übernahme, Konzentration auf rein ökonomische und nationalistische Leitfäden und Interessen das Allheilmittel zur Befriedung bringen soll.

(1)http://drzonk.org/2011/12/19/da-hort-der-pazifismus-auf/

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