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August zu kühl, Klimawandel adè?

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Wettersituation am 22. August über dem Ostpazifik, Quelle NASA
Wettersituation am 22. August über dem Ostpazifik, Quelle NASA

Der August 2014 war kühl und nass an vielen Orten in Deutschland. In Gera war es mit einer durchschnittlichen Tagestemperatur von 16,3°C um 1,4°C zu kühl zum Vergleich der Jahre 1960 bis 1990, mit 67,5 mm Niederschlag wurden immerhin 92% des Durchschnittsniederschlags, aber mit 174,9 Sonnenstunden nur 84% des Durchschnitts aus diesem Vergleichszeitraumes erreicht. Kassel erwischte es etwas härter mit 15,1°C war es dort gleich um 2,7°C zu kühl, mit 115,6 mm fielen 190% der sonst im August gewöhnlichen Regenmenge und mit 146,1 Stunden Sonnenscheindauer waren es gerade einmal 74% der sonst üblichen Sonnenscheindauer. In der Summe lässt sich konstatieren der August zu kalt, vieler Orten zu nass und die Sonne ließ die Sonnenanbeter im Stich.

Aber wer den Sommer im Rückblick sieht merkt in West- und Südeuropa war es im allgemeinen zu kühl, während in Teilen von Osteuropa und Skandinavien von einer Hitzewelle heimgesucht wurde. Über Nordamerika zeichnete sich ein ähnliches Bild ab, in Alaska, großen Teilen der Subarktis Kanadas und der Westküste der USA war es zu warm und zu trocken, während an der Ostküste, dem mittleren Westen der USA und der Südosten Kanadas zu kalt und recht Regenreich war(1). Das Ergebnis ist bekannt und wurde in den deutschen Medien dem Publikum präsentiert: Waldbrände beherrschten die Schlagzeilen, sowohl in Kanada wie auch Sibirien und Kalifornien waren stark betroffen(2). Diese Waldbrände erzeugten zum Teil eigne Kumuluswolken die bis in eine Höhe von 12 Kilometern aufstiegen. Dieses Bild wurde auch bei der durch das verbrennen von Erdöl und Holz (Waldbrände) hervor gerufenen Luftverschmutzung bestätigt. Hier liegt zwar Ost- und Südostasien weit vorn, jedoch in den eher dünn besiedelten borealen Gebieten Kanadas und Sibiriens konnte ebenfalls ein Anstieg von Aerosolen in der Atmosphäre nachgewiesen werden(3). Laut Itar-Tass wurden allein in Sibirien bis zum 16. Juli 12.600 Waldbrände gezählt die eine Fläche von ca. 7.000 km² verwüsteten. Die seit 2010 in Kalifornien andauernde Trockenheit hat nicht nur auf die Anzahl der Waldbrände Einfluss, sondern auch auf die Agrarwirtschaft, so werden allein für 2014 ein Verlust von 2,2 Mrd. $ und von 17.000 Jobs erwartet. 5% des bewässerten Farmlandes konnten nicht genutzt werden. Die Wasserversorgung bereitet den US-Amerikanern im Südwesten der USA immer größere Sorgen, das Colorado-Bassin verlor ein Volumen von 65 km³ Wasser zwischen 2003 und 2013. Der Wasserstand im größten künstlichen Stausee des Bassins, der Lake Mead, sank zwischen Januar 2013 und Juli 2014 um nahezu 40 Meter. Ein weiterer Negativrekord ist das 65% des Verbrauchs von Süßwasser(Landwirtschaft, Industrie und privater Verbrauch) im Südwesten der USA aus Grundwasserspeicher stammt, die sich nicht mehr auffüllen und deren Wasserstand immer weiter absinkt.

Von der Eisbedeckung der arktischen und antarktischen Regionen lässt sich ebenfalls nichts gutes berichten. Ein massiver Eisverlust wurde an den Inlandsgletschern Alaskas vermelden. So wurden dramatische Eisabbrüche am Yakutat-, Novatak- und East Novatak-Gletscher vermeldet(4)(5). Die Eisbedeckung des Arktischen Ozeans lag am 19. August mit 5,98 Millionen Km² zwar über dem Rekordminuswert von 2012, jedoch ca. 20% unter dem Durchschnitt der Jahre 1981-2010 (7,04 Mio. km²). Auf Grönland geht der Verlust an Eis weiter voran, die CryoSat-Mission der ESA beziffert den Eisverlust der grönländischen Gletscher auf 375 km³ pro Jahr, die Eisdecke verliert an den Küstengletschern teilweise mehr als 1,5 Meter an Mächtigkeit und die Antarktis verliert jedes Jahr 125 km³ an Eisvolumen oder 159 Milliarden Tonnen Eis(6)(7).

Die westpazifische Taifun-Saison war im August weniger stark ausgeprägt als noch im Juli befürchtet. Zur Erinnerung, im Juli fegten die Taifune Rammasun (Glenda), Neoguri (Florita), Matmo (Henry) über die Philippinen, Vietnam, China und Japan. Sie waren in unseren Medien recht präsent, da sie umfangreiche Zerstörungen in diesen Ländern verursachten. Ende Juli/Anfang August entwickelte sich der Super-Taifun Halong der Japan erreichte und schwere Zerstörungen anrichtete(13). Ungewöhnlich war der Taifun Genevieve, der vom Ost- in den Westpazifik zog und die Kategorie 5 erreichte ohne dabei auf Land zu treffen, aber seit dem 14. August herrscht im Westpazifik relativ gutes Wetter vor.

Demgegenüber wurde die ostpazifische Hurricane-Saison intensiver als erwartet, was unter anderem an den höheren Wassertemperaturen in dieser Region des Pazifik lag(8). Zum ersten Mal seit den Wetteraufzeichnungen zogen der Kategorie 4 Hurricane Iselle über Hawaii und innerhalb weniger Tage folgte der Kategorie 3 Hurricane Julio, der jedoch nordöstlich von Hawaii vorbeizog, jedoch auf dem Archipel immer noch recht spürbar war(9). Ende August folgte der Super-Hurricane Marie der sogar kurzzeitig die Kategorie 5 erreichte, jedoch auf kein Land stieß und somit in den Medien nicht wahrgenommen wurde. (10)(11).

Dem gegenüber wird sich die atlantische Sturmsaison unterdurchschnittlich entwickeln, bis Ende August wurden drei Hurricanes gemeldet. Der ehemalige Sturm Bertha brachte auch Europa Schlechtwetter im August und der gerade über den Ozean ziehende Cristobal wird Europa am 31. August/1. September erreichen(12).

Klimawandel Adé? Sieht eher wohl nicht danach aus, selbst wenn man die Schlechtwetterperiode im August in Zentraleuropa als normale Ausnahme ansieht. Wenn man sich den Januar 2014 in Erinnerung ruft, in Nordamerika wurden große Teile der USA von einer Kälteperiode mit weit unterdurchschnittlichen Temperaturen heimgesucht, während der Süden Alaskas eine relative Wärmeperiode erlebte. Mitteleuropa war so schneearm das in Oberhof der Weltcup der Biathleten abgesagt wurde. In Gera war der Januar mit 1,3°C glatte 1,6°C zu warm, es fielen nur 16,5 mm Niederschlag und mit 46,6 Sonnenstunden war es ziemlich dunkel in diesem Monat. Schon im Februar wurde eine Veränderung der sogenannten Planetaren atmosphärische Wellen konstatiert, den sogenannten Rossby-Wellen(14)(15). Im August erklärte das Potsdam Institute for Climate Impact Research (PIK), das diese mäandrierenden Wellenbewegungen zum Stillstand kommen kann. Durch diesen Stillstand der Rossby-Wellen werden die Jetstreams nicht mehr verlagert und es kann in einem Gebiet trocken und heiß sein, während in einem benachbarten Gebiet es zu kalt und zu nass sein kann. Das PIK stellt dabei klar das es einen arktischen Faktor gibt. Wie bekannt erwärmt sich die Arktis weltweit am stärksten, durch das das atmosphärische Druckdifferenzial sich verringert und die Rossby-Wellen zeitweise zum Stillstand kommen können bzw. abgebremst werden(16).

(1)http://earthobservatory.nasa.gov/NaturalHazards/view.php?id=84150&src=nha

(2)http://earthobservatory.nasa.gov/IOTD/view.php?id=84129&src=eoa-iotd

(3)http://earthobservatory.nasa.gov/IOTD/view.php?id=84119&src=eoa-iotd

(4)http://earthobservatory.nasa.gov/IOTD/view.php?id=84180&src=eoa-iotd

(5)http://earthobservatory.nasa.gov/IOTD/view.php?id=84176&src=eoa-iotd

(6)http://www.esa.int/Our_Activities/Observing_the_Earth/CryoSat/Ice_sheet_highs_lows_and_loss

(7)http://www.esa.int/Our_Activities/Observing_the_Earth/CryoSat/CryoSat_finds_sharp_increase_in_Antarctica_s_ice_losses

(8)http://www.ospo.noaa.gov/data/sst/contour/equatpac.REM.cf.gif

(9) http://earthobservatory.nasa.gov/IOTD/view.php?id=84145&src=eoa-iotd

(10) http://www.al.com/news/index.ssf/2014/08/hurricane_marie_2014_a_categor.html

(11)http://www.nasa.gov/content/goddard/marie-eastern-pacific/#.U_-3OxaUKA0

(12) http://www.nasa.gov/content/goddard/cristobal-atlantic-ocean/#.U_-48xaUKA0

(13) http://earthobservatory.nasa.gov/NaturalHazards/view.php?id=84142&src=nha

(14)http://www.reportingclimatescience.com/news-stories/article/wmo-worldwide-extreme-weather-seen-in-first-six-weeks-of-2014.html

(15)http://de.wikipedia.org/wiki/Rossby-Welle

(16)https://www.pik-potsdam.de/news/press-releases/trapped-atmospheric-waves-triggered-more-weather-extremes

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