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50 Jahre Tongkin-Zwischenfall

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Vor 50 Jahren ereignete sich am 4. August 1964 der Tongkin-Zwischenfall, dem offiziellen Beginn des amerikanischen Vietnam-Krieges. Der konstruierte Zwischenfall zwischen dem Zerstörer Maddox und drei vietnamesischen Patrouillenbooten stellte aber nicht den Beginn des eigentlichen Abenteuer in Süd-Ost-Asien dar, in Laos waren die USA seit 1961 bereits aktiv und in Südvietnam seit 1954. Dem südvietnamesischen Regime in Saigon lieferten die USA Waffen, unterstützten sie mit Geld, mit Militär- und Geheimdienstberatern und logistischer Unterstützung. US-Kriegsschiffe kreuzten vor der Küste Südvietnams und von den Flugzeugträgern der US-Navy flogen Kampfflugzeuge bereits vor dem Zwischenfall Luftunterstützung für die Südvietnamesische Armee.

Aber hier erst einmal wieder zurück in den Sommer 1964 vor die Küste Nordvietnams. Zur Provokation führten die USA zusammen mit der Marine der südvietnamesischen Armee zwei Operationsformen gegen die DRV aus. Die erste Operationsform waren die sogenannten DESOTO- Patrouillen, bei denen die US-Schiffe bis 2-3 Seemeilen an die Küste Nordvietnams heranfuhren, obwohl Nordvietnam eine Sperrzone von acht Seemeilen ausgewiesen hatte. Sinn und Zweck der DESOTO-Patrouillen war, den Radio- und Funkverkehr zu überwachen.

Die zweite Operationsform waren die von der CIA geplanten und von der südvietnamesischen Marine durchgeführten "Plan 34A Attacken". Es handelte sich dabei 'hit und run' – Angriffe auf einzelne Inseln und Küstenabschnitte Nordvietnams. "Schnellbote mit südvietnamesischer Besatzung oder ausländischen Söldnermannschaften griffen dabei die nordvietnamesische Küste und die vorgelagerten Inseln an" , ein solcher Angriff erfolgte am 30. Juli auf die Inseln Hon Me und Hon Ngu, so Robert McNamara in seinem Buch "Vietnam – Trauma einer Weltmacht".

Am 2. August 1964 drang die Maddox und die Turner Joy auf einer DESOTO-Patrouille in Nordvietnamesische Hoheitsgewässer ein, um 15:40 meldete sie einen Waffeneinsatz gegen drei Patrouillenboote der Nordvietnamesen. Zwei Tage später erfolgte in den frühen Morgenstunden des 4.August 1964 einer der berüchtigten 34A-Überfall auf die Küste Nordvietnams. 'Um 19.40 Saigoner Ortszeit meldete dann die Maddox über Funk, es scheine ein Angriff bevorzustehen' und '... sie habe Radarkontakt mit drei nicht identifizierten Schiffen.' Von dem Flugzeugträger USS-Ticonderoda stiegen Kampfmaschinen des Typs F-8 Crusader zur Unterstützung der Maddox und Turner Joy auf. In dieser mondlosen Nacht sorgten jedoch tiefhängende Wolken und Gewitter für extrem schwierige Sichtbedingungen, außerdem erzeugten die Gewitter Radarechos auf den Bildschirmen der Operateure. Die beiden Zerstörer berichteten über mehr als zwanzig Torpedoangriffe, oder durch Torpedoabschüsse hervorgerufene Turbulenzen im Wasser, feindliche Cockpitlichter, Suchscheinwerfer, Maschinengewehrfeuer und Radar- und unzählige Echolotkontakte. ([1], S. 178). Auf Nachfrage von McNamara meldete der Kommandeur der DESOTO-Patrouille Captain John J. Herrick zirka 5 Stunden nach dem Ereignis: "Überprüfungen des Vorfalls lässt viele der gemeldeten Feindberührungen zweifelhaft erscheinen. ... Die meisten der Meldungen beruhen vermutlich auf wetterbedingten verzerrten Radarbeobachtungen und Übereifer bei der Echolotauswertung". (zitiert nach [1] S. 180)

Selbst wenn man davon ausgeht das dieser Zwischenfall nicht bewusst inszeniert wurde, nutzte die Administration unter Johnson den "Zwischenfall" um unverzüglich Ziele in Nordvietnam anzugreifen. Von den Flugzeugträgern USS Ticonderoga und USS Constellation wurden bereits am 5./6. August 64 Ziele in Nordvietnam angegriffen. Am 7. August wurde die Tongkin-Resolution vom US-Senat verabschiedet, jedoch unterließen die USA es Nordvietnam offiziell den Krieg zu erklären.

Im Rückblick erscheint es äußerst suspekt, wie Johnson diesen Krieg mit einer Lüge begann und wie einfach es ihm war fast 500.000 GI`s nach Süd-Ost-Asien zu verlegen, von denen 58.135 Mann nicht mehr heimkehrten, 304.704 Gi`s wurden verwundet, 6.665 wurden Gliedmaßen amputiert und ca. 33.000 blieben zeit ihres Lebens gelähmt. Aber die eigentlichen Opfer des Krieges waren 2-3 Millionen tote Vietnamesen, mindestens 800.000 Kambodschaner und mehrere hunderttausend Laoten verloren ihr Leben. Millionen wurden vertrieben, zwangsumgesiedelt, Seelisch verstümmelt und auch die Terrorherrschaft Pol Poths in Kambodscha gehört wohl auch zu dem Erbe des amerikanischen Süd-Ost-Asien Krieges. Durch den Einsatz von Dioxin-belasteten Kampfstoffen, wie Agent Orange, -Blue, -Purple usw. lassen sich heute noch Fehlgeburten und fehlgebildete Kleinkinder zurückführen. Auf eine Widergutmachung seitens der USA warten die Südostasiaten noch heute vergeblich.

(1) Robert S. McNamara, Vietnam – Trauma einer Weltmacht, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1996 ISBN-13: 978-3442129560

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