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MH-17 Teil 2

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Eigentlich müsste dieser Post Presseschau der Unvernunft heißen, denn was man so im Blätterwald in dieser Welt liest ist alles andere als Beruhigend. Jetzt ist es keine 48 Stunden her das der MH-17 der Malaysian Airlines auf so tragische Weise endete. Aber jeder kennt die Wahrheit anscheinend, das obwohl zur Untersuchung eines solchen Vorfalls eigentlich eine Untersuchung nötig wäre.

Immerhin kamen ja neben den 165 Holländern und 4 Deutschen, auch 44 Malaysier, 27 Australier, 12 Indonesier, 9 Briten, 4 Belgier, 3 Filipinos, 1 Kanadier und 1 Neuseeländer ums Leben(1). Der US-Präsident gibt eine Pressekonferenz und erklärt: «Wir wissen noch nicht genau, was passiert ist»(2), doch im Grunde hat er Russland klar im Visier. Seine Argumentation am 18. Juli 2014: Ohne Unterstützung wären die Separatisten gar nicht in der Lage, solche Jets abzuschießen - und die Hilfe «kommt aus Russland».

Der britische Daily Mirror titelt: Slaugther at 33.000 feet. Er zeigt selbstverständlich den Schuldigen am diesem Massaker, wie die Zeitung schreibt, den vermeintlich Hauptschuldigen Wladimir Putin und eine BUK-M1 gleich neben der Schlagzeile. The Guardian titelt: Murder in the Sky-Missle destroy Jet and kills 295. Das obwohl bislang nur Indizien vorliegen was mit der Maschine passiert ist. Die britische The Times schreibt am Tag des Absturzes: Nur Moskau kann Chaos beenden und schreibt weiter: Beinahe 300 Menschen sind ums Leben gekommen, und ein Mann hat es immer noch in der Hand, das Chaos zu beenden. Dieser Mann heißt Wladimir Putin.

Recht nüchtern schreibt die polnische konservative Tageszeitung Rzeczpospolita: "Denn dadurch rückt der Bürgerkrieg in der Donezk-Region erstmals richtig ins Bewusstsein des Westens - unabhängig davon, wer dafür die konkrete Verantwortung trägt. Bisher hielt der Großteil der Europäer und der Weltöffentlichkeit diesen Konflikt für eine innere Angelegenheit der Ukraine, an der die Russen nur ein bisschen beteiligt sind - und das nicht einmal direkt. Deshalb betreffe dieser Konflikt die EU und die restliche Welt nicht wirklich. ... Doch bei dieser Katastrophe sind nun auch Ausländer gestorben - darunter auch EU-Bürger. Ihre Angehörigen in Europa und in Asien werden mit Sicherheit darauf pochen, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Gleichzeitig zeigt dies, dass hier ein richtiger Krieg herrscht, in dem Menschen sterben. Und der eine Dynamik annehmen kann, die eine reale Bedrohung für die gesamte Welt ist." (18.07.2014)

Die tschechische wirtschaftsliberale Tageszeitung Hospodářské noviny: Wichtiger ist, wer jetzt den Schlüssel in der Hand hält, damit der sinnlose Tod von fast dreihundert Zivilisten ein - schrecklicher - Anlass sein könnte, um den Krieg zu beenden. Die Nato kann in der Ukraine ihre Mittel nicht direkt einsetzen. Es ist aber völlig klar, auf wen sie jetzt kompromisslos Druck mit allen Mitteln - außer militärischen - auszuüben hat. So wie Wladimir Putin die ukrainischen Separatisten und den ganzen Konflikt militärisch, logistisch und propagandistisch subventioniert, so einfach und so schnell kann er die Aufständischen zu einer Waffenruhe und zu Friedensverhandlungen nötigen. Wenn der Westen sein Gesicht nicht verlieren will, muss er Putin dazu zwingen. (18.07.2014)

Die konservative Wiener Zeitung: Das führt die Flugzeugtragödie im Osten der Ukraine, bei der rund 300 Menschen starben, allen vor Augen, die glauben, dass die fatale Dynamik von Gewalt und Gegengewalt nach Bedarf und politischem Gutdünken dosiert werden kann. … Jetzt ... zeigt sich umso deutlicher, wie sehr der Westen, Europa insbesondere, versagt hat, entschlossen einzugreifen. Es wurde appelliert, laviert und ein bisschen gehandelt - alles in der Hoffnung, Moskau werde schon gewisse Grenzen der Eskalation nicht überschreiten und auf die Separatisten mäßigend einwirken. Man konnte und wollte nicht glauben, dass nur wenige hundert Kilometer entfernt von der EU-Außengrenze ein Krieg tobt. Der steigende Blutzoll bei Zivilisten ist ein hoher Preis, den wir für diese politische Unentschlossenheit berappen." (18.07.2014)(3)

Vor allem die Logik ist nahezu frappierend und eigentlich werden Kausalitäten einfach erfunden. Der Artikel bei Zeit online: Abschuss von MH-17 ist nahezu gewiss (4). Darin werden Vergleiche gezogen wie folgender: Die Separatisten hatten zuletzt mehrfach zugegeben, ukrainische Kampfjets, Transportmaschinen und mehrere Hubschrauber abgeschossen zu haben. Allerdings dürften alle getroffenen Maschinen deutlich niedriger als die Boeing 777-200 geflogen sein. In so großer Höhe wie MH 017 traf selten ein Projektil ein Flugzeug. 1988 etwa schoss das US-Militär über dem Persischen Golf eine iranische Passagiermaschine ab – 290 Menschen starben. 1983 feuerten die Sowjets auf eine Maschine der Korean Airlines, angeblich hielten sie diese für ein Spionageflugzeug. Alle 269 Menschen an Bord kamen um. Ähnliche Vorfälle, teils mit weniger Opfern, gab es 1973 im Sinai, 1993 in Georgien oder 1998 im Kongo.

Das zum Beispiel vollkommen außer acht gelassen wird, das die Luftverteidigungsstreitkräfte selber über die BUK-M1 und auch Waffensysteme wie die S-300 verfügt und diese auch der Nationalgarde zur Verfügung steht. Auch das die Ukraine unter Poroschenko den Donbas nicht zum Kriegsgebiet erklärt hatte, obwohl die Auseinandersetzung sehr wohl Züge eines Krieges trägt wird kaum erwähnt. Auch die Aussage: Dass die in der Region herrschenden prorussischen Separatisten das Geschoss abfeuerten – davon sind die USA überzeugt, die sich unter anderem auf Geheimdienst-Erkenntnisse beziehen. entlarvt, das man wohl keine Probleme hat, den USA und ihren Geheimdiensten (darunter die NSA) vollstes Vertrauen zu schenken, das obwohl bekannt sein dürfte das die USA einen aktiven Part in diesen Konflikt schon lange übernommen hatte und deren Aussagen keine Unabhängigkeit bescheinigt werden können. Immerhin hatten zuletzt die Berichte über US-Söldner im Donbas für erhebliches Stirnrunzeln bei mir gesorgt (5)(6).

Auch Norbert Röttgen ein Sunnyboy und Merkel-Versteher versucht sich zu profilieren, in einem Interview in Der Welt gibt er zum besten: Ein Waffenstillstand, eine politische Lösung lassen sich nicht aus einer Position der Schwäche durchsetzen. Die Europäische Union gefährdet ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie ein Ultimatum ihrer Staats- und Regierungschefs an Putin folgenlos verstreichen lässt, obwohl er ihre Kernforderungen nicht erfüllt hat. Die Europäer verlieren auch ihre Fähigkeit, auf den russischen Präsidenten deeskalierend einzuwirken. Es sind Gelegenheiten versäumt worden, Putin den Ernst der Lage und die Entschlossenheit der Europäischen Union vor Augen zu führen. Ich fürchte, weiter gehende wirtschaftliche Sanktionen lassen sich nicht mehr verhindern. (7)

Aha die EU und Russland führen also einen Krieg, und da die die EU-Staaten ca. 500 Mrd. € und Russland ca. 130 Mrd.€ für Rüstung ausgeben steht nun die EU an der Wand, wirklich das ist eine asymetrische Wahrnehmung. Er hatte da wohl etwas vergessen: Die Ukraine gehört doch gar nicht zur EU und diese hat einen Präsidenten Petro Poroschenko und eine Regierung unter Jazenjuk, dazu noch ein Parlament das eigentlich gar nicht beschlussfähig mehr ist. Wenn man den berichten folgt scheint die Regierung der Ukraine beim ukrainischen Bürgerkrieg gar keine Rolle zu spielen, sie findet ja faktisch keine große Rolle in der Medienlandschaft, Wenn sie in den Berichten vorkommt agiert sie vollkommen demokratisch, zumindest gewählt ist nur der Präsident, aber die handelnde Regierung wohl nicht. Auch ist es vollkommen demokratisch eine Anti-Terror-Operation durchzuführen mit mehr Milizen als regulären Militär und seinen Widersachern den Tot anzukündigen, was nun einer Verhandlungslösung oder dem Willen zu Verhandlungen, wie im übrigen von Putin mehrfach gefordert, vollkommen widerspricht. Faktisch kommt in der Berichterstattung die ukrainische Führung als Teil der Ukraine und des Problems des Bürgerkrieges in der Ukraine gar nicht mehr vor.

Das es sich dabei nicht mehr um das Ende des Flugs MH-17 gehen dürfte, müsste wohl klar sein, denn beide Seiten schaffen unabhängig von der Faktenlage ohnehin ihre eigne Realität und am Ende scheint es völlig egal zu sein, wer die Maschine denn nun abgeschossen hat. Sollte da jemals die Wahrheit ans Licht kommen, ist das Geschehen politisch bereits anderweitig ausgeschlachtet worden. Wie seinerzeit die Massenvernichtungswaffen im Irak, die es am Ende doch nicht gab, was aber so niemanden so richtig mehr empören konnte. Der Krieg war zu diesem Zeitpunkt für die Herrschenden abgeschlossen und für die die einen Frieden forderten noch voll im Gange. Vielleicht sehe ich das zu pessimistisch, aber die Berichterstattung über den Absturz des Fluges MH-17 erinnert mich mehr an Kriegspropaganda als an unabhängige Berichterstattung.

(1)https://de.nachrichten.yahoo.com/cnn--flugzeug-laut-us-geheimdienst-wohl-von-separatisten-abgeschossen-132443081.html

(2)https://de.nachrichten.yahoo.com/obama-fordert-sofortige-waffenruhe-ukraine-161814738.html

(3)http://www.eurotopics.net/de/home/presseschau/archiv/archiv_newsletter/NEWSLETTER-2014-07-18-Flugzeugabsturz-in-der-Ostukraine

(4) http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-07/malaysian-airlines-ukraine-absturz

(5) http://www.dw.de/us-s%C3%B6ldner-in-der-ukraine/a-17629736

(6) http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-krise-400-us-soeldner-von-academi-kaempfen-gegen-separatisten-a-968745.html

(7) http://www.welt.de/politik/deutschland/article130328580/Putin-hat-die-Ukraine-zu-einem-Pulverfass-gemacht.html#disqus_thread

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