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Der Nicaragua-Kanal kommt

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Der Panama-Kanal bekommt Konkurrenz mit dem Nicaragua-Kanal, dieser soll wohl 278 km lang werden und zwei Schleusen haben. Der Hongkonger Investmentgruppe HKND lässt sich das Projekt 30 Mrd. Euro kosten, ob es dabei bleibt wird sich noch herausstellen. Aber das wichtigste ist wohl das dieses Projekt das größte Infrastrukturprojekt in ganz Lateinamerika ist. Die Regierung des Sandinisten Daniel Ortega rechnet bereits während der Bauphase mit einem kräftigen Wirtschaftsaufschwung. Später soll der Kanal Millionen an Gebühren in die Staatskasse spülen und dem zweitärmsten Staat in der Region bis zu 200.000 Arbeitsplätze bringen.

Die erste Frage, die in der Öffentlichkeit diskutiert wurde, nachdem das Gesetz 840 im Schnelldurchgang beschlossen worden war, wie sieht das Projekt konkret aus? Dazu war bisher nur das bekannt, was im Gesetz und in dem Konzessionsvertrag steht, und die waren recht allgemein gehalten. Demnach umfasst das Projekt einen Kanal, eine Eisenbahnlinie, eine Ölpipeline, zwei Hochseehäfen und einen internationalen Flughafen. In der Nähe der Häfen am Pazifik und an der Karibik soll jeweils eine freie Produktionszone (Maquila) angesiedelt werden. Nicht bekannt war bisher, wo genau der Kanal verlaufen soll, nur dass vier Routen zur Auswahl stehen, die alle durch den Nicaraguasee führen sollten.

Nun steht die Route des Kanals fest, sie soll von der Mündung des Rio Punta Gorda zum Cocibolca-See (Nicaragua-See) und auf der pazifischen Seite von der Mündung des Rio Brito nach Riva führen, wo der Flughafen entstehen soll. HKND nennt diese Route die ökologisch verträglichste von den sechs Routen, die untersucht wurden. Der Chef des Konsortiums, Wang Jin, beschreibt den Kanal gar als "umweltfreundlich". Es wurde nicht die kostengünstigste Strecke ausgewählt, da die möglichen negativen Folgen für die Umwelt und Menschen möglichst gering gehalten werden sollen. Auch soll der Kanal nicht den natürlichen Wasserweg des Río San Juan nutzen, des Grenzflusses zu Costa Rica, der den Cocibolca-See mit dem Atlantik verbindet und in großen Teilen durch Urwald führt. Doch Umweltschützer befürchten, dass das Ökosystem des Cocibolca-Sees - mit einer Fläche von 8264 Quadratkilometern etwa 15 Mal so groß wie der Bodensee - und anderer Gebiete dramatisch beschädigt werden könnte. Aber diese Einwände dürften bei Ortega wohl kein Gehör finden. Auch kritisiert die politische Opposition in Managua das die Regierung das Land an China verkaufen würde.

Das Projekt dürfte auch in Washington für Kopfschmerzen sorgen, denn China gilt in Asia Pacific Region als der große Konkurrent der USA. Auch der zweite Antipode der USA will bei diesem Projekt mitmischen: Russland. In Moskau wird der Einstieg in das Projekt diskutiert und dem Vernehmen nach könnte Russland die militärische Absicherung des Projekts übernehmen. (1)

Zwar wird offiziell nicht von einer Rivalität gesprochen, jedoch ist zu offensichtlich das der Nicaragua-Kanal eine bedeutende geostrategische Bedeutung hat. Wenn dieses Projekt realisiert wird, wird dieses auch eine Schwächung der US-Dominanz in Lateinamerika bedeuten.(2)

(1)http://amerika21.de/2014/06/102042/russland-nicaragua-

(2)http://www.bbc.com/news/world-latin-america-28206683

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