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Grundzüge der Moderne

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

In einer Zeit vieler gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Umbrüche, gestaltet sich die Analyse der derzeitigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ist relativ schwierig und man kommt wohl oder übel nicht ohne die rationelle Kritik am derzeitigen Gesellschaftssystem aus, will man in der Analyse der Sache gerecht werden. Die Grundproblematik ist jedoch in welcher Zeit leben wir und wie wird sie charakterisiert? Das Manko vieler Analysen die ich gelesen habe ist es das nur auf Teilbereiche oberflächlich und nicht strukturell eingegangen wird. Dadurch verliert man jedoch die Grundstruktur der Kritik aus den Augen. Aber die Große Frage ist was macht die so viel zitierte Moderne im Kapitalismus aus? Ist sie wirklich so modern oder einfach eine Fortsetzung alter Gesellschaftszustände?

Einige Apogoleten des Kapitalismus, wie Francis Fukujama, beschworen schon das Ende der Geschichte nach dem Untergang der Sowjetunion und wie nach einiger Zeit sich gezeigt hat war dieses eine Erwartung das sich marktradikalere Kräfte die sich seit diesem Zeitpunkt abzeichnenden „neuen“ politischen und ökonomischen Tendenzen nutzen sollten, die neuen sogenannten „freien“ Märkte von der gesellschaftlichen Regulativen befreien sollten und den Kapitalismus zu dem machen was er eigentlich ist, ein auf rein personalisierten profitorientiertes Gesellschaftssystem. Das von diesem „Ende der Geschichte“ heutzutage eigentlich wohl keine Rede sein kann, da wie der heutige Erkenntnisstand zeigte der Mensch als handelndes Subjekt immer neue Fakten schafft und die Zeit in der er handeln tut nicht in diese Überlegung einbezogen waren, steht wohl fest nach der Kernschmelze der in diesem System tragenden Finanzmärkte im Jahre 2008 als die Sozialgemeinschaften in die kollektive Haftung genommen und Garantien abgeben mussten damit die Finanzmärkte ihrer eigentlichen Aufgabe nachgehen können Gewinne zu erwirtschaften und das auf nach wie vor nicht regulierten Märkten.

Statt eine Regulierung der „freien Märkte“ durchzusetzen werden sowohl vom bürgerlichen Denkern und Vordenkern als auch von linken und rechten politischen Strömungen die gleichen Schlagwörter wie die angebliche „Globalisierung“ oder des sogenannten „Clash of Civilizations“ in das Feld der Argumentation geführt, um die aktuellen Veränderungen in den ökonomischen, politischen und ideologischen Verhältnissen zu charakterisieren und dieses bedeutet ebenso, dass diese Spielarten der Ökonomisierung und die gesellschaftlichen Veränderungen theoretisch nicht verarbeitet worden sind. Wie jeder weis hat die menschliche Gesellschaft eine mehr als 10tausend Jahre alte Geschichte und viele dieser gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbrüche bereits hinter sich, die viele Menschen zurückblicken lässt und viele unter uns die Ihre eigenen Lehren aus der Geschichte ziehen lässt. Der Konservatismus scheint mir da keine richtige Handlungsalternative für die Gesellschaftspolitik zu sein, da der politischer Konservatismus mit Angst, Abwehr von Unsicherheit und der Ablehnung von Veränderung zusammenhängt, dieses ergibt sich aus der Summe des eigenen geringem Selbstwertgefühl dieses Denkens, wie erst im März 2011, der ehemalige Innenminister der BRD namens Friedrich wieder einmal offenbarte als er dem Islam historisch nicht in Deutschland verorten konnte, andererseits aus dieser Perspektive gesehen kann man Herr Friedrich auch nicht historisch in Deutschland verorten, aber trotzdem ist er im hier und jetzt präsent. Soviel zu den Mysterien der deutschen Sprache: Präteritum und Präsens.

An dem „Ende der Geschichte“ des Francis Fukujama lässt sich auch der entscheidende Unterschied zwischen einer offenen und einer geschlossenen Geschichtsphilosophie deutlich machen. Die Etablierung der Geschichtswissenschaft ist für Marx erst dadurch möglich geworden, dass Marx sich von ideologischen Geschichtskonzeptionen und der Geschichtsphilosophie getrennt hat. Geschichte ist nicht mehr der Prozess der Verwirklichung von Vernunft wie es Hegel formulierte, sondern die Geschichte ist das Ergebnis von Klassenkämpfen und demzufolge ein Bewegungsprozess. Dieser Geschichtsbegriff beinhaltet keineswegs, dass sich innerhalb der Geschichte die Menschheit (oder zumindest größere Teile derselben) zwangsläufig emanzipiert und so zu einem – wie auch immer gearteten – „vernünftigen“ Ende findet. Das „ Ende der Geschichte“ war wohl so ein vernünftiges Ende, denn nach Fukujama wäre der Bewegungsprozess zum Stillstand gekommen, dieses im Gegensatz zu Althusser der die Geschichte als ein potenziell nicht endender Prozess beschreiben tut und damit wohl sehr nah an die Lebenswirklichkeit herankommt.

~Aber eines ist in der Geschichte immer gleich geblieben, der Mensch ist ein soziales Wesen, er organisiert sich im Gemeinschaften wie Familie, Stamm, Volk, Staat, Weltstaatengemeinschaft und ist nicht zuerst ein Homo Ökonomicus, wie es mir die Milton Friedmans, Guido Westerwelles etc. weismachen wollen. Wie es scheint lebt der Kapitalismus und seine Gesellschaftsdefinition zu allererst vom Konkurrenzdenken. Man kennt dieses ja: -ich konkurriere um einen Arbeitsplatz mit jemanden anderen-, -ich konkurriere um eine Mietwohnung mit jemanden-, so das diese Waren oder besser gesagt Dienstleistungen zu knappen Gütern werden. Auf einer anderen Ebene konkurrieren Unternehmen mit anderen Unternehmen um irgendwelche Produkte abzusetzen mit denen sich ein Mehrwert erzielen lässt, Staaten konkurrieren mit anderen Staaten um Unternehmen anzulocken, Staatenblöcke wie die Nato oder die EU konkurrieren mit anderen Staatenbündnissen auf die eine oder andere Weise, militärisch oder wirtschaftlich und hier beginnt der Knackpunkt besser gesagt die Fragestellung: „warum müssen wir eigentlich konkurrieren statt zu kooperieren“ ?

~Es deutet jedoch darauf hin das der Transformationsprozess der Modernisierung in den Gesellschaften der westlichen Welt nicht zum Stillstand gekommen ist und es nicht absehbar ist ob sie jemals zum stehen kommen wird. Die Grundproblematik der kapitalistischen Gesellschaft ist jedoch, in den letzten zweihundert Jahren, immer gleich geblieben. Zwar hat sich die „Manifestationsformen“ (Claus Offe) der kapitalistischen Gesellschaftsformationen zwar erheblich verändert, immerhin gab es Imperialismus, Kolonialismus, Faschismus und zuletzt die bürgerlich liberale Demokratie, aber die für diese Gesellschaftsformationen fundamentalen Mechanismen wie Warenproduktion, Trennung der Gesellschaft in Klassen, Akkumulation von Mehrwert in der Hand der wenigen Kapitalbesitzer etc. sind weiter bestehen geblieben, daran hat sich trotz der Partizipation und auch die gleichzeitige Ausgrenzung größerer Bevölkerungsteile an gesamtgesellschaftlichen Fragen auch nichts geändert. Aus diesem Grunde muss man die Ideologietheorie des Kapitalismus hinterfragen und auf die Kernfrage des Gesellschaftsverständnisses verweisen: erstens: Was ist die Ideologie des Kapitalismus? und zweitens: Wie funktioniert die ideologische Machtreproduktion des entwickelten Kapitalismus? Gute Frage oder? Wie zum Beispiel ist es zu erklären, dass die Menschen sich freiwillig der Herrschaft der Wenigen trotz der parlamentarischen Demokratie unterwerfen und weshalb übernehmen wir Denkmuster, die unseren eigenen Interessen eigentlich widersprechen? Wenn man Entscheidungen in den parlamentarischen Demokratien wie zum Beispiel Hart IV in Deutschland oder die abrupte Deindustrialisierung Großbritanniens in den 80ziger Jahren durch die Thatcher Regierung, die Kriege wie in Vietnam, Irak oder Afghanistan seit 2001 mit einer Demokratie vereinbaren? Diese Entscheidungen waren alle gegen den Willen der Bevölkerungsmehrheit durchgesetzt wurden und wurden als Alternativlos bezeichnet, weil in diesen Fällen ein wie auch geartetes Feindbild geschaffen wurde. In dem Bereich der Sozialhilfeempfänger wurde einfach behauptet das der Empfänger staatlicher Transferleistungen einfach faul sei und sich in der Hängematte des Sozialstaates ausruht. Bei den Kriegen wurden obskure Feindbilder verwendet und ein Weltbedrohungsszenario konstruiert. In falle Englands wurden komplette Industrien stillgelegt mit dem Ergebnis in Großbritannien werden gut 25% des Bruttosozialproduktes an der Börse in London und dem Finanzdienstleistungssektor erwirtschaftet, in Irland wird das 40zig fache des BIP im internationalen Finanzdienstleistungssektor erwirtschaft. Die niedrige Arbeitslosenrate in Großbritannien ist zwar ganz nett anzusehen, aber sieht man sich die Statistik der nicht mehr Erwerbsfähigen an, die ganz nebenbei von der staatlichen Krankenversicherung finanziert werden, wirkt die Sache schon ziemlich erhellend. Langzeitarbeitslose werden in Großbritannien als nicht mehr Erwerbsfähig eingestuft und scheiden damit aus der Arbeitslosenstatistik faktisch aus, ein tolles Denkmuster.

Eines dieser vorgenannten Denkmuster ist die Theorie von der Konkurrenz oder moderner ausgedrückt die des „Wettbewerbs“ in dem wir angeblich alle zueinander stehen würden. Oder wie ist es zum Beispiel möglich das eine kritische Neubewertung und die Entwicklung einer Alternative zum Kapitalismus in der Bundesrepublik als Verfassungsfeindlich dargestellt werden kann? Dieses gerade trotz der immer wieder beschworenen Demokratie und der sogenannten Möglichkeit der freien Meinungsäußerung. Es ist zu beobachten das in den Medien, von den Denkern des Liberalismus und des Konservatismus keine Kritik an der politischen Ökonomie des Kapitalismus entwickelt werden kann. Bislang hat nur die LINKE diesen Kritikpunkt als Begriff gekannt. Marx und Engels hatten den Begriff des Mehrwerts (Profit) bereits im 19. Jhd und dessen „pausenlose“ Akkumulation nennt man dann „das Kapital“. Dieser Vorgang wurde als eine politische Ökonomie erkannt und die erste Kritik an dieser entwickelt, der das gesamte Feld der klassischen politischen Ökonomie nicht nur zur primären Machtreproduktion des Kapitalismus verwendet wird sondern auch dieser den primären ideologischen Status im ideologischen System des Kapitalismus zuweist. Eine kritische Theorie der Gesellschaft, nichts anderes ist der Marxismus zum Beispiel, analysiert zum einen den Ist-Zustand der Gesellschaft und fragt nun mal auch nach den Entstehungsbedingungen subjektiver Widerstandsmomente, reflektiert und thematisiert die Möglichkeiten der Überwindung von unmündigen Bewusstseinszuständen und schafft dadurch Alternativen die das Handeln beeinflussen und so eine Umsetzung ermöglichen. Dieses setzt allerdings auch voraus das ein angemessener Zugang zum Ideologieproblem besteht, demzufolge setzt eine „bessere Theorie“ die Existenz von Möglichkeiten voraus und dieses im Gegensatz zu der bürgerlichen Auffassung die diese Möglichkeiten von vornherein verneint.

Die Grundproblematik besteht darin das eine „bessere Theorie“ an allen Ecken und Kanten neue Wege beschreibt und sowohl die Abhängigkeit des Menschen von seinen gesellschaftlichen Umständen thematisiert, aber auch die Möglichkeiten der angestrebten Veränderungen beschreibt. Wenn der Mensch in dieser Theorie in den Mittelpunkt der Theorie gesetzt wird erkennt man das dieses zu einer Fortführung der Aufklärung des 18 Jhd. Führt, die zu anderen Fragestellungen und zu anderen Herangehensweisen an diese Problematik der bürgerlichen Ideologie des Kapitalismus aufzeigt. Die bisherigen Deutungsversuche des Ideologietheorems führt eigentlich immer wieder seit 100 Jahren auf Marx/Engels und teilweise auf Lenin zurück. Hier beginnt die Problematik: die Welt hat sich seit damals weiterentwickelt, es gab viele Akteure seit damals die handelten und wenn Menschen handeln schaffen sie Fakten und Tatsachen. Dieses führt nun mal dazu das mit veränderten Erkenntnishorizonten eine Neubewertung von Theorien erfolgen sollte, dies ist beim Marxismus jedoch ausgeblieben. Annähernd alle erklären Marx/Engels und Lenin, interpretieren diese Theorie auf die eine oder andere Weise aber es finden sich keine Anzeichen das dieser Theorie neue Aspekte hinzugefügt wurden, bezeichnender Weise haben sich die Wissenschaften in 130 Jahren bekanntlich weiterentwickelt. So gibt es zum Beispiel die Sozialwissenschaften die viele neue Ideen und Theorien über das Zusammenleben der Menschen beisteuern können. Dieses führt zum Beispiel dazu das die bisherigen Erkenntnishorizonte des Marxismus erweitert werden müssen, will die Linke in dieser Welt ihren Traum von der Klassenlosen Gesellschaft irgendwann einmal verwirklichen.

Das Paradoxon der Linken das sie zwar ein klar umrissenes Ziel hat, aber sie weis eigentlich nicht wie sie dahin kommen sollte. Revolution und Klassenkampf klingt erstmal antiquiert und irgendwie gefällt sich die Linke gegenwärtig in der Position in der linken Ecke der bürgerlichen Gesellschaft. Wie ist es denn anders zu erklären das die Partei „Die Linke“ in Deutschland im Januar 2011 plötzlich sich selber vom Kommunismus distanzierte als eine ihrer eignen Parteispitzen einen Artikel „Wege zum Kommunismus“ in einer Tageszeitung veröffentlichte und eine sogenannte „Moralpolitische“ Diskussion darüber entbrannte. Faktisch hat die Partei DIE LINKE sich selber Sozialdemokratisiert und Gesellschaftskonform werden lassen. Revolution und Klassenkampf, so antiquiert sie sich vielleicht anhören mögen, sind aber immer noch up to Date um hier ein aktives und veränderndes Verhältnis zu diesen bisherigen gesellschaftlichen Umständen zu beschreiben. Es sei daran erinnert das in der modernen kapitalistischen Industriegesellschaft ca. 90 % der Erwerbstätigen in der einen oder anderen Art lohnabhängige Arbeiten verrichten. Sie haben sich dieses Los nicht ausgesucht, sondern sind gezwungen, ihre Arbeitskraft zu verkaufen oder sie dementsprechend anzubieten, wenn sie am Wohlstand der mehrwertorientierten Konsumgesellschaft teilhaben wollen, um letztendlich zum Ende ihrer Erwerbstätigkeit die Arbeitskraft permanent zu reproduzieren um einen Mehrwert zu erwirtschaften an dem sie nur sehr bedingt teilhaben können.

Marx nannte diese 90% Proletarier ein etwas aus der Mode gekommener Begriff für lohnabhängige Arbeiter oder wie auch Angestellte. Diese 90% sollte die Linke eigentlich vertreten doch dazu müsste sie es schaffen eine Breite Akzeptanz zu den linken Gesellschaftsvorstellungen zu bei der Bevölkerung zu entwickeln. Ohne die breite Akzeptanz werden die Ketten der Abhängigkeit des Lohnabhängigen nicht abzustreifen sein. Es bedarf zuallererst der Aufklärung und der Selbstaufklärung das die Konsumgesellschaft, die Konkurrenzphilosophie des Kapitals ein Irrweg ist, der in der Selbstvernichtung enden wird. Man wird jetzt natürlich fragen warum „wir sind doch lange sehr gut damit gefahren“, eigentlich nicht muss man dann sagen. Oberflächlich betrachtet mag dieses Argument schon stimmen, aber geht man in eine Tiefe und vielschichtige Betrachtungsweise, wie die immense Umweltzerstörung, Dezimierung der Artenvielfalt die unsere Lebensgrundlagen weltweit immer noch bedroht, erkennt man vielleicht, es ist eine kurzsichtige Betrachtungsweise.

Wenn ich mir überlege das für die Produktion eines 1,5 t schweren Autos 60t an Ressourcen aufgewendet werden, eine in der industriellen Massentierhaltung stehenden Kuh in ihrem kurzen Leben 4000 Liter Öl verbraucht und trotz ihrer faktischen Bewegungsunfähigkeit einen Flächenverbrauch von 500 m² hat, wird der Irrsinn eigentlich schon deutlich. Der Aufbau einer „vernunftorientierten“ und ressourcenschonenden Organisation der Produktion einzurichten, die sich an den „Bedürfnissen“ der Menschen orientiert und nicht alle Lebensbereiche des Menschen in einen sogenannten profitorientierten Markt verwandelt der einzig an der Anhäufung eines wie auch immer gearteten Profits orientiert ist dient den Interessen des Menschen und wird das Überleben der Menschheit sichern. Ohne diese notwendigen Neuerungen wird die „Lohnsklaverei“, die Unregulierbarkeit „sogenannter Märkte“ mit seinen, man muss fast schon sagen, permanenten Kreislauf von Krisen, Aufschwung, Überhitzung, Absturz wohl so lange weiter gehen, wie genug Ressourcen für diesen Verwertungsprozess vorhanden sind. Wenn man den Kapitalismus nicht als Naturgesetz begreift sondern als ein von Menschen erzeugtes Gesellschaftsmodell wird deutlich, es gibt anders als die meisten Menschen glauben wollen, genug Handlungsspielraum die eine Veränderung ermöglichen werden.

Um eine Metapher zu bemühen sei an die Geschichte des Barons Münchhausen erinnert. Diese erzählt die Geschichte, in der er sich am eigenen Schopf mit samt seinem Pferd aus dem Sumpf zieht. Doch da jeder diese Episode als Lüge durchschaut, ist Münchhausen kein Lügenbaron, sondern ein selbstbewusster Mensch ist. Seine Botschaft lautet: Hilf dir selbst, sei clever und zieh dich selbst aus dem Morast in den du dich selber hineingeritten hast und lerne aus deinen Fehlern. Bei der Menschheit ist das wohl anders, wie jeder weis: Menschen wollen geführt werden suchen nach Führern zu den man aufblicken kann.

Menschen zum Beispiel sind erst einmal ein Individuum das selbstständig denkt, fühlt und agieren kann, das unterscheidet ihn von seiner natürlichen Umgebung. Der Mensch war immer auch ein Produkt aus seinen Erfahrungen die er im Laufe seines Lebens sammelte, ob positive oder negative, er zog immer seine eignen individuellen Schlüsse heraus und bildet seinen Erfahrungsschatz daraus und bildet erstmal Erkenntnisse für sich selber (individuell) und seine eignen Fertigkeiten heraus. Erst in der Interaktion mit anderen Menschen bildet der Mensch eine Gemeinschaft, in der alle Individuen ihre Erfahrungen und Fertigkeiten einbringen können. Dieses ist dann die sogenannte Gesellschaft die eine Ordnung mit Gesetzen und Regeln schafft. Erst in der Abwägung der einzelnen Erfahrungen und Fertigkeiten des Individuums wird nun wiederum der gesellschaftliche Status entschieden, dieses ist nun wiederum abhängig von dem Entwicklungsstand der Produktionsmittel und der Verteilung der Güter und Dienstleistungen innerhalb einer Gesellschaft.

Ein hervorstechendes Merkmal des bürgerlichen Gegenwartsbewusstseins ist wie vor beschrieben der sogenannte "Moderne"-Begriff und zwar in der Form des geistigen Mittels der Selbstlegitimation (vgl. Hauck 1992, S.146ff.). Mit seiner Hilfe soll der innergesellschaftliche Rahmen und der globale Herrschafts- und Führungsanspruch des sogenannten „Bürgertums“ als ein von Natur aus begünstigter Regelzustand normativ gefestigt werden. Dabei kommen zwei Leitargumente zum tragen die sogenannte abendländisch-rationale, seit neuesten wird das abendländische durch das christlich-westliche ersetzt, die zweite Grundkonstante ist das Attribut bürgerlich in eindeutiger Verbindung mit dem Kapitalismus als eine Vergesellschaftungsform die sich feiert als "überlegenes" Leitmodell der menschlichen Zivilisation, die durch die routinemäßige Verwendung dieses Begriffes einem Glaubwürdigkeitsfaktor mit einer fast universeller Gültigkeit gleichkommt, dieses ist übrigens eines der westlich-christlichen Werte. Als Plausibilitätsrahmen fungiert hier nicht die eigene Gesellschaftsform sondern a) die ökonomische Ineffizienz der sogenannten "Bewegungsstarre" traditioneller oder anders formuliert „prämoderner“ Gesellschaften sowie b) das Scheitern des "realsozialistischen" Versuchs eines vordergründig als alternativ empfundenen Vergesellschaftungsmodels. Beide zementieren ein Überlegenheitsgefühl der westlichen Gesellschaften und den Anspruch auf die alleinige Führerschaft der sogenannten westlichen Zivilisation.

Es ist dabei zu beachten das der Begriff die „Moderne“ in einem engen Zusammenhang mit dem ebenso formenabstrakten Begriff der „Demokratie“ Verwendung findet, ohne zu erklären was Demokratie ist. Geht man vom nur vom Wort aus, müsste es sich um eine Herrschaft des Volkes handeln, demzufolge müssten alle gesellschaftlichen Gruppen an der Willensbildung, ungeachtet des gesellschaftlichen Status und der ökonomischen Leistungsfähigkeit beteiligt sein. Die Theorie der Demokratie setzt allerdings keine spezielle Gesellschaftsordnung und keine spezielle Wirtschaftsordnung voraus, sondern bedeutet das alle Individuen gleichberechtigt an der politischen Willensbildung zur Gestaltung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und nicht wie so oft behauptet nur an einzelnen Themen behauptet beteiligt sind. In einem repräsentativen System wie das in den heutigen westlichen Demokratien üblichen ist dieses jedoch nur stark eingeschränkt möglich, da eine Wahl nur temporär zugelassen wird und es den Delegierten überlassen ist zu entscheiden welche primäre Haltung zu gesellschaftlichen Themen eingenommen werden, die Eingriffsmöglichkeiten des Souveräns in die Handlungen des Repräsentanten sind derart eingeschränkt das er nur die Wahl hat sein Wahlrecht wahrzunehmen oder nicht wahrzunehmen. Den eigentlichen Sinn der Demokratie, die Mitbestimmung, wird dadurch delegitimiert. Die Mitbestimmung bedingt das auch die Inhalte dessen was der Souverän wählt vom Souverän mitbestimmt werden können. Die bloße Akzeptanz der Inhalte durch die Wahl entspricht dem Kredo einer „vermittelnden Herrschaftspraxis“.

Die konstitutiven Momente der bürgerlichen "Moderne" werden zumeist folgende Tendenzen bzw. Aspekte angeführt: Herauslösung der Menschen aus traditionellen ständisch und lokal geprägten Lebensformen, Gemeinschaften, Bindungen; Loslösung von religiösen Weltbildern und Werteorientierungen. Dabei sollen Säkularisierung und die Rationalisierung der Lebensführung bei einer bei einer gleichzeitigen Spezialisierung der Orientierungssysteme zu einer stärkeren Akzentuierung der Autonomie des Individuums gegenüber der Gemeinschaft führen. Dieses soll der Theorie zufolge zu einer Durchsetzung einer naturalistisch-instrumentalistischen Weltsicht führen und dieses unter Zuhilfenahme von statistischen Variablen, wie die Alphabetisierung, die zu einer ökonomischen Leistungs- und Effizienzsteigerung des Individuums führen soll. Demzufolge soll die Konzeption des „modernen“ Menschen als ein gleichberechtigter Träger von Rechten mit universellem Geltungsanspruch empfunden werden. In einer kritischer Perspektive gibt es hierzu aber grundlegende Mängel dieses bürgerlichen "Moderne"-Konzepts im Kapitalismus.

Erstens ist der der Begriff „die Moderne“ ein sehr formenabstrakter Begriff, da er eigentlich den Übergang von einer feudalistisch, zumeist als mittelalterlich, beschriebenen Gesellschaftsform hin zu einer industriell bürgerlich kapitalistischen geprägten Gesellschaftsform beschreiben tut. Es werden nicht die Kritikpunkte der marxistischen Sichtweise auf die Produktions-, Verteilungs- und letztendlich der Verwertungssysteme in diese Betrachtungen mit einbezogen. Zweitens werden nicht die technologischen Prozesse die eine ebenfalls Gesellschaft nun mal ebenfalls unterworfen ist in die Theorie der „Moderne“ mit einbezogen, sondern dieser technologische Prozess wird mit der „Moderne“ gleichgesetzt. Diese technologischen Prozesse führen erst zu der in dem bürgerlichen „Modernekonzeptes“ beschriebenen Spezialisierung der Produktivkräfte und seiner Stellung in der Gesellschaft, besser gesagt sie ist ein Ausdruck für die Fragmentierung derselbigen. Mit Produktivkraft ist hier der Mensch gemeint. Drittens wird in der Regel ausgeblendet, das der historisch-gesellschaftliche Modernisierungsprozess als der Übergang zur sogenannten "Neuzeit" markiert wird. Im wesentlichen wird dieses als ein Prozess der Modernisierung einer antagonistischen Zivilisation beschrieben.

In dem bürgerlichen „Modernekonzept“ wird die traditionelle feudalistische Form der unmittelbaren personalisierten Herrschaftsausübung überwunden, aber an ihrer Stelle tritt aber de facto eine versachlichte Form einer „vermittelnden“ Herrschaftspraxis die man als repräsentative bürgerliche Demokratie kennt. Dieses Konzept der repräsentativen bürgerlichen Demokratie stützt sich selber auf ein Treuhandprinzip in der dieser Treuhänder selber temporär eine Funktion erfüllen soll und gegebenenfalls ersetzt werden kann durch einen neuen Treuhänder. Die Entscheidungen des Treuhänders stützen sich selber aber auf den reinen stummen Zwang der ökonomischen Verhältnisse. Die strukturelle Instabilität des Produktions-, Absatz- und letztendlich des gesamten Kapitalverwertungsprozesses im Gesamtsystem avanciert damit aber zum eigentlichen Brennpunkt der bürgerlichen „Moderne“, die sukzessive alle Sphären und Dimensionen der "modernen" bürgerlichen Gesellschaft durchdringt und praktisch die Mitglieder des Systems selber paralysiert, da alle Bewertungen innerhalb des Gesamtsystems unter den rein ökonomischen Sachzwängen erfolgt.

Der Begriff der „Moderne“ wird auch instrumentalisiert, er wird zum Kampfbegriff ohne allerdings das die Akteure eigentlich wissen um was es sich handelt, wie bei den eher profanen Ausländerfeindlichen Bewegungen in den westlichen Industriestaaten deutlich wird. Aus diesem Grunde wird gemeinhin ignoriert das es eine Selbsttransformation des Bürgertums als Subjekt in diesem Modernisierungsprozesses gibt und es wird keine Verbindung zwischen der Entfaltung der kapitalistischen Produktionsweise und des bürgerlichen nationalen Sinnhorizonts unter die Logik des Profits hergestellt. Aus diesem Grunde verliert auch die ehemalige Integrationskraft des klassischen Bürgertums an Bedeutung in der entwickelten "kapitalistischen" bürgerlichen Gesellschaft. Im Rahmen seiner Metamorphose zur "herrschenden Oberschicht" endhumanisiert und enddemokratisiert sich folglich das Bürgertum selber, wie die eindeutig zum eigenen Profit ausgelegten Freihandelsbestrebungen in Afrika und die Kriege in Afghanistan und Irak eigentlich beweisen tun. Das Bürgertum streift den geistig-moralischen Ballast von wissenschaftlicher Erkenntnis ab, der seine neu gewonnene Handlungsfähigkeit als ökonomisch, politisch und ideologisch herrschendes Subjekt nur behindern könnte, wie zum Beispiel rassistische und extremnationalistische Bewegungen beweisen.

Die Einkleidung des Interesses durch die allgemeinen Menschenrechte zum Beispiel erweist sich zunehmend als nicht mehr kompatibel mit den sogenannten Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen des Bürgertums. Die ehemaligen Integrationsargumente die durch "Vernunft" und "Menschenrechte", siehe Aufklärung, symbolisiert wurden und eine Möglichkeit eine freie Gesellschaft zu erschaffen büßen ihr Pathos allmählich ein und beginnen sich zu "entidealisieren" und selber zu transformieren in einzelne Menschen und Bürgerrechtsklassen, denen das Bürgertum Menschen- und Freiheitsrechte zubilligt oder auch nicht zubilligt. Es scheint gar so das der Wirtschaftsbürger, der Homo Ökonomicus, zum "eigentlichen und wahren Menschen" avanciert, siehe Hartz IV Gesetzgebung in Deutschland. In den entwickelten kapitalistischen Ländern geht Keines der in der Verfassung der Staaten niedergelegten Menschenrechte über den Maßstab des egoistischen Menschen(Marx) hinaus, es wird förmlich allmählich der Maßstab verändert und das Privatinteresse in den Vordergrund rückt in denen die negativen Freiheitsrechte der Anstrich einer praktischen Universalität verliehen wird. Dieses private Interesse wird als Maßstab verwendet für die gesetzgeberische Artikulation der privaten Interessen und dadurch der privaten Willkür ausgesetzt und dadurch die allgemeinen Menschen und Freiheitsrechte ad absurdum geführt. Der Bürger selber wird als ein zurückgezogenes und vom Gemeinwesen und vom Gemeininteresse abgesondertes Individuum interpretiert, wie die Integrationsdebatten in Europa und den USA zeigen tun. Dieses scheint die Leitmaxime der bürgerlichen Freiheitsrechte und so gesehen die bürgerliche Interpretation der Menschen- und Freiheitsrechte allmählich zu einem exklusiven Klub der Rechteinhaber degradiert.

Es wird auch viel von den christlich-westlichen Grundwerten geredet und davon geredet das diese die Grundlagen der heutigen Demokratie darstellen würden, ohne zu erklären welche diese nun mal sind. Es wird nicht reflektiert das die Demokratie so alt wie die Menschheit ist und sehr viele Formen haben kann. Die sogenannten vielpostulierten christlich-westlichen Grundwerte sind nichts anderes als die Werte der europäischen Aufklärung, die Überwindung der Sklaverei, Gleichstellung der Menschen egal welcher Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder nationalen Identität, wobei christlich hier zum Teil extrem irreführend ist, haben doch die christlichen Religionsgemeinschaften, Katholiken, Prostestanden erst im Laufe des 20 Jhd. zu der Annahme der Aufgabe althergebrachter Denkmodelle und Dogmen durchringen können. Das Christentum bildet aber nicht die Grundlage für die „Demokratie“, Demokratieformen gibt es viele, so auch in Indien und im Iran. Neu bewertet wird des weiteren die grundlegende Tendenz der kapitalistisch bürgerlichen Selbstaufgabe des Universalismus als eine moderne Form der Integration, wie die Integrationsdebatten in der westlichen Welt dies zeigen, zuallererst wird nach dem ökonomischen Nutzen von Zuwanderung gefragt. Dieses führt zu einer strukturell überalternden Gesellschaft und in folge dessen führt es dazu das die Gesellschaftsziele nicht mehr an der notwendigen Durchbrechung der Überalterung ausgerichtet werden sondern rein primär an den Interessen der Kapitalgeber und deren Profitmehrung, ein Beispiel hierfür ist die Energiepolitik in den westlichen kapitalistischen Staaten die alle eine sehr zentrale Ausrichtung haben, speziell in Deutschland wird dieses deutlich z. B. bei der AKW Laufzeitverlängerung in Jahre 2010 die den Betreibern ein Profitplus von 60 bis 100 Mrd. €, innerhalb der Laufzeitverlängerung von ca. 10 Jahren, bescheren sollten, während die Vollfinanzierung von Kindergärten als ökonomisch nicht sinnvoll abgelehnt wurden, Kostenpunkt 3-4 Mrd. €/Anno. Das die Laufzeitverlängerung dann ein halbes Jahr später wieder abgeblasen wurde hatte entsprach auch dem Willen zum Erhalt der Machtreproduktion, denn die Folgen eines Supergaus wurden wieder einmal sehr deutlich sichtbar.

Daran erkennt man aber auch, das die Ausrichtung der sowohl nationalen und auch der internationalen Wirtschafts- und Sozialpolitik eindeutig an den Interessen der wenigen Kapitalgeber orientiert ist, hierfür lässt sich die Klassenspaltung in Kapitaleigentümer und in doppelt freie Lohnabhängige eindeutig belegen und damit wird die angesetzte asymmetrisch-herrschaftförmige Ungleichverteilung von Realitätskontrolle durchgesetzt. Auch die Verlagerung der Produktionsstätten in sogenannte Niedriglohnländer ist hierbei anzuführen, diese dient primär der Profitmaximierung der Hersteller, dient aber gleichzeitig der Wohlstandswahrung der entwickelten kapitalistischen Länder und der Ausprägung der sozialen Kontrolle die alle Lebensbereiche des Menschen durchdringen tut. Auf den ersten Blick ist dieser Zustand ein Widerspruch, aber auf den zweiten Blick der vielschichtiger ist und in die Tiefe dieser Logik geht, möchte ich aufzeigen das dieses kein Widerspruch sondern der Ökonomisierung aller Lebensbereiche und dieses Weltweit, andere sagen der Globalisierung, dient.

"Ohne die Durchbrechung von Universalismus und dem Gleichheitsprinzip, die in der Klassenspaltung liegt, könnte der Kapitalismus weder entstehen noch seine Dynamik von Akkumulation und Revolutionierung der Produktivkräfte entfalten. Der Partikularismus in der Organisation der gesellschaftlichen Arbeit ist ein Geburtsfehler des Kapitalismus, eines seiner konstitutiven Merkmale von Anfang an, nicht eine späte, durch das Rückschlagen einer verselbständigten Ökonomie auf die Lebenswelt bedingte Deformation" (Hauck 1992, S.215). Diese asymmetrisch-herrschaftförmige Ungleichverteilung von Reichtum durch die Akkumulation von Kapital hat sich in den letzten 150 Jahren artifiziell Weltweit ausgebreitet und bestimmt damit den eigentlichen weiteren Werdegang des kapitalistischen Gesellschaftssystems. Während in Deutschland die Zahl der Sozialhilfe- und Transferempfänger in den Niedriglohnbereichen in den letzten 10 Jahren auf die Rekordhöhe von über 20 % der Gesamtbevölkerung emporgeschnellt ist, ist die Zahl der Reichen und vom Reichtum gesegneten bei ca. 5 % gleich geblieben. Diese 5 % kontrollieren aber ca. 54 % aller Vermögenswerte im Lande der Dichter und Denker. [Friedrich-Ebert-Stiftung:| Die Sozialstruktur Deutschlands www.fes.de/wiso |ISBN: 978-3-86872 - 490 -5]

So kommt es immer häufiger vor das die eigentlichen Interessenvertreter, ich nannte sie vorher Treuhänder, entgegen den Interessen des eignen Tribun in der bürgerlich liberalen Demokratie handeln: „Die Partei der Agenda 2010 hatte innerlich vor dem Neoliberalismus kapituliert und es versäumt, Konzepte für eine soziale Politik im 21. Jahrhundert zu entwickeln. Schröder steht damit für den Übergang von der alten Bundesrepublik der sozialen Sicherheit und des Klassenkompromisses zur Bundesrepublik der sozialen Spaltung und prekärer Lebensverhältnisse. Mit dem "Dritten Weg" ging die SPD ebenso wie die Labour Party einen Weg fort von den Interessen ihrer traditionellen Klientel und der arbeitnehmerischen Mitte. Es war ein Weg, der in die soziale Kälte und in Richtung einer neuen Klassengesellschaft führte - und an dem die Partei nun schließlich fast zerbrochen ist.“ [Telepolis Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31232/1.html]

Dieses erfolgt in der eigenen Logik des Kapitalismus das alle Lebensbereiche ökonomisiert werden und das jede wie auch geartete Tätigkeit einer wirtschaftlichen Tätigkeit gleichgesetzt wird, die einen Profit erzielen muss. Alle Lebensbereiche werden demnach in ein System der absoluten Abhängigkeit des Menschen von der Ökonomie überführt, in der die Produktivität das alleinige Maß der gesellschaftlichen Wertstellung darstellt. Mit der historischen Transformation des feudalistischen personalisierten Herrschaftsmodells und der Entfaltung der bürgerlichkapitalistischen Gesellschaftsordnung samt der mit ihr tragenden Umgestaltung der ökonomischen, politischen, rechtlichen, geistig-materiellen Strukturen und der neuentworfenen Regulativen wird das grundlegende Prinzip der antagonistischen Zivilisation, nämlich die zwischenmenschliche Ausbeutung, Unterdrückung und Herrschaftsausübung nicht aus der Welt geschafft, sondern auf in eine "systemfunktionale" Spaltung von Exekutive, Judikative und Legislative rationalisiert, in ihrer Ausformung und Funktion effektiver gestaltet und damit lediglich modernisiert, aber nicht neu entworfen. Die damals neue Gesellschaftsordnung hat somit einerseits überlieferten personalisierten Herrschaftsverhältnisse systematisch "umgebaut", partiell in dem rechtlichen Regulativen aufgehoben und partiell die ökonomischen Regulative wiederum verschärft wurden. Die so neuentstandene „Moderne“ hat andererseits traditionelle Sozialbeziehungen und institutionelle Systeme zerbersten oder erodieren lassen und die betroffenen Subsysteme materiell (z.B: räumlich, existenziell, qualifikatorisch) und ideell (sinn- und orientierungsstrukturell vgl. Werteordnung) neu geordnet.

Im Grunde genommen wurden Ordnungsstrukturen in der Anfangsphase dieser Transformation nach ökonomisch sinnvollen Gesichtspunkten neu geordnet ohne das die grundlegende Frage nach der Teilhabe des gesamtgesellschaftlichen erwirtschafteten Mehrwerts der Ökonomie gestellt wurde. Diese Frage nach dieser Form der Partizipation entstand erst nach der französischen Revolution 1789, als der Adel seine politische und ökonomische Machtposition in Frankreich verlor und das Bürgertum mit seinen neuen ökonomischen expotenziell gesteigerten Fähigkeiten die Machtfrage stellte. Die Unabhängigkeiterklärung der USA füge ich hier nicht ein, da die neuentstandenen USA diese Frage auch nicht tangierte, außerdem waren die USA geographisch und damit auch kommunikationstechnisch zur damaligen Zeit nicht in der unmittelbaren Reichweite Europas. Die letztendliche rationalistische "Entzauberung des Kapitals" führte in der zweiten Hälfte des 20. Jhd. dazu das die Form des zweckrationalen Dominantwerdens auf die Individualistischen, besser gesagt, als sich der einzelkapitalistischen Tätigkeitsrahmen durchsetzte. In dieser Zeit entwickelte sich die Börse zum Beispiel zu einem Fetisch in dem zum Zwecke der Profitmaximierung neue Produkte wie u.a. Blue Chips und Swaps als strukturierte Wertpapiere weiterentwickelt wurden. Diese Produkte entziehen sich jedoch einer rationalen Analyse in Bezug auf Wert und Inhalt des Produktes. In dem sich der Fetisch außerhalb der Kontrolle zu bewegen begann und die Akteure und Zuschauer der Prozesse, hilflos in ihren Reaktionen, sich in dieses sogenannte „Marktgeschehen“ nur noch ansehen. So entstand wie in einem chaotischen Schicksal gleich ein beständiger Quell der Irrationalitäten, der mit Mythen und Regressionen aller Art umhüllt wurde. Letztendlich zeichnet sich ab das sich dieses als ein „okzidentaler Realitätstyp“ und als ein entscheidend reduzierter, man sollte sagen, der Rationalismus des Irrationalen erweisen tut. Da sich diese sogenannten „Marktgeschehen“ außerhalb eines empirischen Rationalismus zu bewegen scheinen werden sie als ein außerhalb der Handlungskontrolle des Menschen dargestellt und man sich mit einer fatalistischen Geistesauffassung ihr zu fügen hat. Daraus ergibt sich das dieses sogenannte „Marktgeschehen“ in den Rang einer totalitären Gesellschaftsdoktrin erhoben wird und die Akteure ein, man kann schon sagen, gottgleichen Status erhalten. Dieses erfolgt aus zwei klar umrissenen Gründen. Erstens eine Hinterfragung des sogenannten „Marktgeschehens“ oder der „Märkte“ unterbleibt da die Aktionen auf diesen als Metaphysisch betrachtet werden und nicht der Ausdruck eines Bewegungs- und Handlungsprozess zwischen zwei Akteuren vermittelt wird. Zweitens: der gottgleiche Status wird deshalb verliehen da die Handlungen der Akteure als, zumindest für den Außenstehenden, als zu komplex und deshalb als nicht hinterfragbar dargestellt werden.

Auch in den geschichtlichen Deutungen, wie zum Beispiel des Holocaustes, wird dieses deutlich. In den meisten Geschichtsabhandlungen zu diesem Thema klären die Leser über die Handlungsabläufe, techn. Vorraussetzungen und vor allem über den rassistischen Charakter und die potenziellen Akteure in diesem Bewegungsablauf des Holocausts auf. Damit wird der bürokratische Charakter deutlich, aber der Holocaust wird damit auch zuallererst auf die Täter Personalisiert und als zuallererst als rassistisches Zeugnis der jüngeren Geschichte dargestellt. Die Grundproblematik ist aber das der Holocaust in den Bewegungsablauf der Kapitalakkumulation geradezu ideal hineinpassen tut. "Das ist die erschütternste Lehre aus der Analyse des 'komplexen Phänomens Auschwitz', die Tatsache, das die Wahl physischer Vernichtung als des richtigen Mittels zur Entfernung der Juden das Ergebnis eines bürokratischen Entscheidungsprozesses war, bei dem Kosten-Nutzen-Überlegungen, Finanzfragen und einheitliche Regelauslegung eine Rolle spielten. In keiner Phase kollidierte die 'Endlösung' mit dem rationalistischen Credo effizienter, optimaler Zielverwirklichung" (Zygmunt Baumann (1992) S.30f.). Darin wird die Kapitalakkumulation der Nationalsozialisten, die nun mal Kapitalisten waren, deutlich, was nun wiederum einer hohen Produktivität gleichkommt. Zu Ihrem eigenen Nutzen wurden Juden enteignet und das Kapital derjenigen zum eigenen Nutzen akkumuliert, dieses geschah zu den geringsten eignen Kosten. Die Vernichtung des „anderen“ war in dieser Logik notwendig um eine Rückgabe des zuvor geraubten Besitzes zu verhindern und damit reduziert sich die industrielle Vernichtung des „Anderen“ auf eine ökonomische Notwendigkeit. Die anderen in der Öffentlichkeit dargestellten Handlungsabläufe wie der nationalsozialistische Antisemitismus, die damals verabschiedeten Rassegesetze, die Isolation von der Gesamtbevölkerung, der Abtransport und die letztendliche Vernichtung des Menschen stellen in dieser Logik die Basisvoraussetzungen dar um das oberste Ziel zu erreichen, die dauerhafte Akkumulation von Kapital in der Hand der Nationalsozialisten.

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