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Ethik der Maschinen

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Drohnen sind Maschinen und sie sind unheimlich, klein und kaum sichtbar, und im Vergleich mit dem sonstigen militärischen Fluggerät sind sie leise und kaum wahrnehmbar. Sie können darum, wenn sie bewaffnet sind und nicht bloß aufklären sollen, aus buchstäblich heiterem Himmel zuschlagen. Drohnenangriffe erfolgen überraschend und plötzlich; gegen sie sind effektive Abwehrmaßnahmen sehr erschwert. Den Angegriffenen ist es erschwert, den Angreifer zu idendifizieren. Der gibt sich nicht zu erkennen; so unsichtbar und lautlos, wie die Drohne gekommen ist, verschwindet sie auch wieder. Darin ist sie eher eine Waffe des Geheimdienstes als des Militärs. Sie ist nicht nur zwischen Militär und Geheimdienst. Wie man in Pakistan, Jemen, Afghanistan usw. sieht ist der Einsatz dieser Waffensysteme irgendwo zwischen Krieg und Frieden angesiedelt. Drohnen sind nicht nur militärisch gefährlich, nein sie wirken wie kleine politische Sprengbomben, weil ihr Einsatz die Grenzziehung zwischen Krieg und Frieden auflöst, die bislang zum Grundgerüst der weltweiten Sicherheitsarchitektur gehört hat.

Die große Frage zum Thema Drohnen in den Streitkräften ist jedoch die: Wie ist es um die Moral und Ethik beim Einsatz dieser Waffen bestimmt? Denn in unserer achso moralischen Gesellschaft hat die Ethik des Tötens bzw. ethische Fragen zum Ableben anscheinend sehr große Bedeutung. Die Problematik des Tötens ist wohl die: Es gibt wohl eine Reihe von Vorzügen der Robotik: die da wären erstens die eignen Verluste zu minimieren und damit das sichtbare Erlebnis Krieg neu zu definieren und damit Leid, Stress und Elend in den Reihen vermeiden zu können. Wie beim Einsatz heutiger ferngesteuerter Drohnen sich zeigt funktioniert dieses Konzept nur bedingt, physisch bleiben die Operateure unversehrt leiden jedoch häufig unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Die Zahl der Kollateralschäden konnte auch nicht verringert werden, ihre Anzahl beläuft sich wohl auf ca. 3500 im Krieg gegen den Terror und das innerhalb von 10 Jahren.

Militärs, aber auch Polizei, Grenzschutz und Geheimdienste weltweit lassen Drohnensysteme entwickeln und fordern auch vollautonome letale Waffensysteme. Diese vollautomatisierten und autonom handelnden Drohnensysteme sollen ihre Stärke in komplexen Handlungssituationen und ihre Überlegenheit gegenüber menschlichen Soldaten im Kampfgeschehen ausspielen können, da sie weder über Moral und Ethik der Kriegshandlungen nachdenken müssen, sondern rein zielorientiert operieren.

Die EU-Kommission lässt zum Beispiel im Aeroceptor-Programm untersuchen, wie man Drohnen ein flüchtendes Auto oder Boot stoppen kann, ohne es gleich zu vernichten. Ziel sei es, "nicht kooperative Fahrzeuge" aufhalten zu können, ohne Einsatzkräfte, Insassen und unbeteiligte Dritte zu gefährden(1). Nun scheint es ein lobenswertes Ziel der Entwickler und der EU-Kommission zu sein, jedoch ist auch der israelische Rüstungskonzern IAI mit von der Partie, der ohnehin schon führend in der Entwicklung von Drohnen ist. Wenn der Staatskonzern IAI nun Drohnensysteme an die IDF liefert die mit Hilfe von EU-Fördergeldern entwickelt wurden sind, stellt sich gleich die Frage inwieweit die EU am Besatzungsregime Israels beteiligt ist und wie das ethisch und moralisch vertretbar sein kann?

Ein anderes Projekt ist das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierte Projekt AirShield, in dem Drohnen entwickelt werden die im Katastrophenschutz und der Feuerwehr eingesetzt werden sollen(2). Diese Drohnen könnten aber auch zur Spionage, Aufklärung und Überwachung von Personen von der Polizei eingesetzt werden und genau so gut Demonstranten überwachen und gegen diese vorgehen. Andererseits können Drohnen auch in der Bergrettung eingesetzt werden oder für Rettungseinsätze im Dschungel, der Wüste und auf hoher See Anwendung finden. In der Tiefseeforschung werden sie heut zutage bereits eingesetzt und gelten als wichtigstes Werkzeug in der Erforschung der Weltmeere. Die zentrale Frage der Drohnen sind nicht die Drohnen selber, sondern für welchen Einsatzzweck sie benötigt werden oder "Wie können uns Drohnen unterstützen?".

Zum einen sind Drohnen an lebensfeindlichen und auch unzugänglichen Orten einsetzbar. Durch ihren Einsatz kann es unnötig sein Menschen in lebensfeindliche Gebiete zu entsenden. Aus diesem Grunde sind Drohnen auch für Rettungseinsätze, in einem weiten Spektrum, nutzbar. Außerdem machen sich Rettungsdrohnen verschiedene Sensoren wie z.B. Kameras zu nutze, die ihr Einsatzspektrum enorm erweitern und den menschlichen Sinnesorganen weit überlegen sind. Die Auffindung von Überlebenden, wie etwa bei Lawinen- oder Erdbebenunglücken, kann sich verkürzen und die Überlebensraten der Betroffenen könnte gesteigert werden.

Wie man sieht sind es nicht die Drohnen an sich, sondern ihre Anwendung der Stein des Anstoßes weswegen Ethik und Moral im Falle einer militärischen Verwendung so sehr diskutiert wird. Dabei hängt es wohl nur davon ab welcher Ethik- und Moralvorstellung man folgt, d.h. primär ob man Krieg als ein Mittel der politischen Auseinandersetzung für legitim oder nicht legitim hält. Spätestens seit Clausewitz müsste bekannt sein, das das Militär und die Geheimdienste eine Art Dienstleister der politischen Führung eines Landes sind. Die politische Führung legt die Militärdoktrin einer Armee fest, es sollte bekannt sein das z. B. in den Militärdoktrin der USA immer noch der nuklearen Erstschlag ein zentrales Element darstellt, das hat sich auch unter Obama nicht geändert. Ebenso stellt der Einsatz bewaffneter Drohnen spätestens seit Obama ein Element der US-Militärdoktrin dar. Das Drohneneinsatzkonzept der US-Streitkräfte geht wohl auf das Konzept Center of Gravity des ersten Irakkrieges 1991 zurück, das den zentralen Enthauptungsschlag zu Beginn der Kampfhandlungen propagierte. Mit diesem Einsatzkonzept steht man aber auch in der Logik der Joint Vision 2020 und der Full-spectrum dominance, in der man die eignen asymmetrischen Fähigkeiten stärkt und auch die Kosten der Operationen senken will, durch den Einsatz sogenannter Future Combat Systems.

Zyniker führen auch die geringeren Kosten der Drohnensysteme ins Feld, in der Anschaffung erscheinen Drohnen preiswerter zu sein. Der amerikanische Sensenmann (Reaper) pro Stück ca. drei Mio. US-Dollar, das System MQ-9 Reaper kostet 20 Mio. US-Dollar, nach Angaben der AIR Force. Man benötigt nämlich Satelliten, hochentwickelte Datalink Hard- und Software, auch die Bewaffnung, ein Operationszentrum, Technik zur Wartung usw., um aus einer Reaper das Drohnensystem Reaper MQ-9 entstehen zu lassen. Andererseits beschäftigen ein 24 Stunden andauernder Flug einer Predator -häufig eingesetzt z.B. im Afghanistan und Irakkrieg- 164 Mann Personal. Eine 24-Stunden-GlobalHawk Operation benötigt sogar 300 Menschen, während man für einen F-16 Kampfjägereinsatz nicht einmal 100 Menschen benötigt. Grund hierfür sind u.a. auch die generierten ‚Big Data‘, die in Form von Aufzeichnen von Signalen bis in 20.000 Meter Entfernung, Kameraaufnahmen (Full Motion Video), mitgehörten Telefonanrufen, Fernsehmitschnitten, SMS-Aufzeichnungen etc. anfallen und die hohe Analyse- und Auswertungskosten nach sich ziehen.

Wie man sieht geht es bei der Moral und Ethik-Diskussion eigentlich gar nicht um Moral und Ethik, sondern darum den Krieg finanzierbar zu gestalten. Es hängt primär davon ab, ob man den Krieg an sich für ein moralisches und ethisches Instrument der Politik hält oder auch nicht. Für die Moral und Ethik eines Pazifisten stellt es keinen großen Unterschied dar, ob jemand von einer ferngesteuerten Drohne oder durch einen Soldaten direkt getötet wird, denn Tot ist Tot. Faktisch hat man es wohl eher mit einer vorgeschobenen Diskussion zu tun, aber es ist schon interessant zu sehen das sich die Vertreter der Evangelischen und die Katholische Kirche daran beteiligen. Dabei stellen sie sich wohl und Übel in die Tradition der Feldgeistlichen der beiden Weltkriege und derer die Mär vom Vaterland erzählen. Auch wenn die Streitkräfte in einen Auslandseinsatz geschickt werden, sind aus Sicht der Kirchen immerhin elementare ethische Fragen berührt: Womit ist der Einsatz gerechtfertigt? Worin besteht das Recht zum Krieg? Dabei sind dies Fragen, die nicht nur in die Verantwortung der Politik, sondern eigentlich auch in die Verantwortung der Soldatinnen und Soldaten gehören, denn diese sind die handelnden Personen in einem Krieg oder Neudeutsch: Auslandseinsatz. Sie bedienen die Waffensysteme und entscheiden über deren Einsatz vor Ort, sie entscheiden über Leben und Tot. Bei dieser Diskussion sollte man aber auch beachten: Die Ethik als Wissenschaft ist eine Disziplin der Philosophie und hat die Moral zum Gegenstand.

(1)http://www.aeroceptor.eu/node/52

(2) http://www.bmbf.de/pubRD/AirShield_Daniel_Auftakt_IPF_SuRvM.pdf

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