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Inklusiver Kapitalismus, was ist das?

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Heute las ich in den Finanznachrichten von einem inklusiven Kapitalismus und dachte erst einmal was ist denn das? Der Begriff selber wurde von Mark Carney, Direktor der Bank von England am 27. Mai 2014 in einer Rede auf einer Konferenz in der Londoner City. Er warnte in der Rede vor einem ausufernden excludierenden Kapitalismus (wörtl.: The problem: the growing exclusivity of capitalism), der die sozialen Bindungen innerhalb des Systems schwächt und zur der von ihm beobachteten Erosion des Sozialen Kapitals der Gesellschaft in der Vergangenheit führte (wörtl.: Social capital has been eroded). Kurzum eine Rede die viele Themen der Soziologie berührte und mit den Begriffe Inklusiver Kapitalismus, excludierenden Kapitalismus und soziales Kapital kann bestimmt nicht jeder gleich was anfangen.

Das der Begriff ''Inklusiv'' den Mark Carney verwendete nichts zu tun hat mit dem bekannten Begriff "Inklusiv", dürfte dabei nicht jedem Zeitgenossen bekannt sein und ist wahrscheinlich der Übersetzung aus dem englischen geschuldet. Was Mark Carney meinte ist ein Begriff aus der Soziallehre, welcher sich Inklusion nennt und von Niclas Luhmann entscheidend mit geprägt wurde. Er beschreibt dabei eine normative Richtung der im Zusammenhang mit dem Begriff der sozialer Ungleichheit verwendet wird und steht im Gegensatz zu dem Begriff der Exklusion, also mehr oder weniger nach Kronauer die Ausgrenzung auf gesellschaftlicher Ebene beschreibt. Aus dieser Perspektive der Soziologie gesehen steht der Begriff Inklusion für eine umfassende gesellschaftliche Teilhabe. Dieser Ansatz bildet die Basis für die gesellschafts-politische Bedeutung des Inklusions-Begriffs und dessen was Marc Carney wohl meinte: Schluss mit der Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsschichten, die den Bestand der Gesellschaft und des Wirtschaftssystems letztendlich gefährden.

Denn die Ratio gebietet es das eine excludierende Gesellschaft, nicht mehr als Gesamtgesellschaft dargestellt werden kann, sie zerbricht in ihre Einzelgruppen und -Interessen die sich immer weiter aufsplittern und wenn der Zustand der Atomisierung (hat nichts mit Atomkraft zu tun) erreicht ist, nennt man diesen Zustand Anomie, also die Gesetzlosigkeit. Nicht zu verwechseln mit der Herrschaftslosigkeit, bekannter unter dem Begriff Anarchie. Vor diesen beiden letzteren Gesellschaftszuständen warnte wohl Carney in dieser Rede, denn wie er ausführte möchte er einen sozialeren Kapitalismus, da der Zustand der Ungleichheit und die dadurch verbundene Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsschichten wohl die größte Bedrohung des Gesamtsystems des Kapitalismus darstellt. Im Grunde genommen hat Carney eine Warnung an die Manager der Londoner City abgegeben, das es nicht mehr so weiter gehen kann wie bisher, wenn der Kapitalismus als Gesellschaftssystem nicht als ganzes in Frage gestellt werden soll. Eine allgemeine Anhebung des Social Value (soziale Teilhabe und Wohlstand) im Gesamtsystem Kapitalismus scheint Carney absolut unumgänglich, in dem er fordert das die Angleichung der Einkommen, die Chancengleichheit und die Generationengerechtigkeit zu fördern sei. Im Grunde genommen redete er den Managern in Gewissen, den Raubtierkapitalismus zu Grabe zu tragen. Ob die Anregungen von Carney bei Politik und Wirtschaft auf fruchtbaren Boden fällt dürfte eher fraglich sein, denn zu konträr stehen diese Ansichten zu der populären Ökonomielehre aus Wien und Chicago. Aber summa summarum ein interessanter Standpunkt den er hier vertrat, auch wenn ich der Auffassung bin das es sich bei dieser Rede um eine Moral Speech handelte.

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