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Genpflanzen und die Biodiversität

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Ich habe mich längere Zeit mit dem Thema Biodiversität, also der Vielfalt des Lebens, beschäftigt und erstellte zum Beispiel den Artikel Biodiversität der Philippinen, die Artikel zu den Naturschutzgebieten und RAMSAR-Schutzzonen usw, der Philippinen, Nigeria und des Tschad. Bei der Recherche dazu kam ich auch mit dem Thema Genpflanzen und ihre Auswirkungen auf die Umwelt in Berührung. Was mich besonders ärgerte, ich musste meine gesamten Vorstellungen über Genpflanzen komplett revidieren und komplett von vorne anfangen und andere Teilaspekte mit einbeziehen. Nahm ich zuvor an das Genpflanzen zur Ernährungssicherheit beitragen, nun weis ich das diese nur einen kurzen positiven Effekt zur Ernährungssicherheit beisteuern, langfristig gesehen kehrt sich dieser Effekt um, wenn nicht bestimmte Rahmenbedingungen eingehalten werden. Besonders geärgert hat mich das die Öffentlichkeit des Öfteren nur ungenau über Genpflanzen informiert wird, besonders die Auswirkungen auf Insekten wird kaum publiziert und wenn nur in Fachmagazinen.

Im August 2012 wurde zum Beispiel die Studie Long term toxicity of a Roundup herbicide and a Roundup-tolerant genetically modified maize veröffentlicht. In der Studie wurden die Ergebnisse einer Langzeituntersuchung vorgestellt, in der die Wissenschaftler unter Leitung von Gilles-Eric Séralini einen Gentechnisch veränderten Mais der mit dem Monsanto-Breitbandherbizid Roundup behandelt wurde, an Versuchstieren verfütterten. Die Ergebnisse waren selbst für eingeweihte überraschend. Obwohl die Dosen des Breitbandherbizids sehr niedrig lagen, weit unterhalb der gesetzlichen Maximaldosierung, entwickelten sich Tumore die sehr oft tödlich waren. 60 Prozent der Tiere überlebten den Versuchszeitraum nicht.

Zwei Jahre lang verabreichten die Forscher 200 Ratten drei unterschiedliche Dosen der transgenen Maissorte NK603 im Futter (der Beimischungsgrad lag zwischen 11,22 und 33 Prozent) und zum Teil wurde Roundup in geringen Dosen dem Trinkwasser beigegeben. Gegenüber einer Kontrollgruppe, die von solchen Zugaben verschont blieb, zeigten sich die oben genannten deutlichen Auffälligkeiten. Die Forscher interessierte dabei in wieweit dieses Auswirkungen auf die Versuchstiere, in diesem Fall waren es Ratten, hatte, deren Lebensdauer auf ca. 2 Jahre geschätzt wurde. Als Hintergrund muss man dazu wissen, das mit dem Breitbandherbizid Roundup auch bei genmanipulierten Sorten als Vorbehandlung das Saatgut gebeizt wird. Ähnliche Herbizide, auch als systemische Pflanzengifte bekannt, werden von BAYER und BASF vertrieben und stehen auch im Verdacht für das Bienensterben und dem Verschwinden der Schmetterlinge verantwortlich zu sein. Da diese Herbizide als Saatgutvorbehandlung verwendet werden sollte auch untersucht werden welche Mengen toxischer Wirkstoffe Auswirkungen auf einen tierischen lebenden Organismus haben. Dabei wurden dem Trinkwasser Roundup beigemischt, die zugaben lagen weit unter den gesetzlich erlaubten. Weiterhin muss man dazu sagen das die Maissorte NK603 genetisch verändert wurde um auf Roundup nicht zu reagieren, ein systemisches Pflanzengift befindet sich deshalb überall in der Pflanze, von der Wurzel bis zur Blüte, also auch im späteren Fruchtkörper, da das Saatgut gebeizt mit diesen Wirkstoffen wurde.

Praktisch gesehen umgibt das Samenkorn ein zusätzlicher kleiner Giftcocktail, um vom Boden aus in die Pflanze zu gelangen. Die lineare Denkweise in diesem Prozess geht dahin die Pflanze gegenüber Toxinen resistent zu machen, damit das Toxin Pilze und andere Pflanzenkrankheiten und sogenannte Schadorganismen vernichten kann. Sogenannte Schadorganismen sollen laut dieser Theorie permanent den Toxinen ausgesetzt werden, jedoch kennt die Natur keine Unterscheidung zwischen Schad- und Nutzorganismus, diese Unterscheidung kennt nur der Mensch. Nun stellt sich die Frage, welche Auswirkungen Breitbandherbizide, Pestizide und Fungizite überhaupt auf die Umwelt und den Menschen haben.

Bei älteren Pestiziten, Herbizite usw. kennt man inzwischen die Wirkungsweisen auf Mensch und Umwelt und sie wurden fast sämtlich verboten. Eine amerikanische Studie aus den Jahr 2012 belegte ebenso, das neuartige systemische Pestizide (Neonicotinoide), deren Konzentration in einen fast nicht mehr messbaren Bereich lag, die Forscher wussten nur von der Anwesenheit des Breitbandpestizits da sie selber verantwortlich waren für deren Ausbringung, Auswirkungen auf Bienen hatten und diese waren drastisch. Die Bienen verloren ihren Orientierungssinn und so gelangte man zu einem weiteren Hinweis die die Aussagen von Imkern bestätigten wonach ganze Bienenvölker einfach verschwanden, jedoch ohne Bienenkönigin und Drohnen mitzunehmen, was man als CCD Krankheit bezeichnet. Bei den Untersuchungen stellte sich heraus das eine nachhaltige Schädigung des Nerven- und des Immunsystems der Bienen vorlag.

Die Ackerböden in Europa sind mit diesen toxischen Pflanzenschutzmitteln nach fast 15 Jahren flächendeckender Anwendung auch wohl stärker kontaminiert, als ursprünglich einmal gedacht, da diese systemische Toxine eine längere Verweildauer im Boden aufweisen. Selbst im Grundwasser und in den Flüssen können Breitbandherbizide nachgewiesen werden. Dennoch sehen die darüber informierten Politiker derzeitig keinen Handlungsbedarf. Wie oben genannte Studie wohl belegt haben diese Toxine, entgegen den Beteuerungen der Agroindustrie, Politik und Hersteller, sehr wohl Auswirkungen haben, auch auf tierische Organismen, die diese Nahrungsbestandteile konsumieren und das in Konzentrationen die weit unterhalb der gesetzlichen Obergrenzen liegen.

Ein Grund dafür muss wohl sein, das die sogenannten Langzeitstudien der Hersteller selber, um die Zulassung zu erreichen wird immer von sehr hohen Dosen der Toxine ausgegangen wird, die Pflanzen jedoch nur sehr geringe Dosen selber produzieren oder das Saatgut mit den Toxinen gebeizt wird. Die Auswirkungen von geringen Dosen wurde bislang recht wenig erforscht. Es ist wohl auch richtig das in den USA Genmais als Nahrungsmittel eine breite Verwendung findet und die US Amerikaner nicht wie Fliegen sterben, jedoch hier ist zu hinterfragen welche Konzentrationen durch Akkumulation in den Organen für den Menschen nun gefährlich werden könnte und welche schädlichen Auswirkungen auf unser Immunsystem diese Toxine haben, darüber gibt es keine Studien sondern es gibt nur Vermutungen hierzu. Auf jeden Fall ist eines festzustellen, das die Wirkung der neuen Toxine schon in wesentlich niedrigeren Dosen einsetzt als ursprünglich in den Zulassungsverfahren angenommen wurde.

Ein anderes Faktum ist, das in Frankreich und Mexico die Verwendung von Genmanipulierten Mais verboten ist, die Behörden in Frankreich begründeten dieses das es aus Gründen des Vorsorgeprinzips es geboten erscheint diese Verwendung als Futter bzw. Lebensmittel zu untersagen, da nicht alle Folgen des Einsatzes von Breitbandherbiziden bekannt sind. In Mexico wollen die Behörden Kreuzungen zwischen Genmais und natürlich vorkommenden Maissorten verhindern. Aus Afrika nun wiederum wurde bekannt, das Bauern die versuchten Saatgut aus Ernten von Genpflanzen zu generieren, sehr große Ernteeinbußen bei Neuaussaaten hinnehmen mussten und es kam außerdem zu einer Verarmung an bestimmten Substraten im Boden, dem nur durch den Einsatz von Dünger entgegenzuwirken war und den verkaufen Monsanto, BASF und BAYER sozusagen im Paket gleich mit. Faktisch begaben sich diese Bauern in ein neues Abhängigkeitsverhältnis zu den Multis, da die Bauern nun keinen Zugang zu nicht genetisch veränderten Maissorten mehr hatten.

Die gesamte Agroindustrie muss sich wohl die Feststellung gefallen lassen, das Genprodukte wohl nur der Profitmaximierung dienen, sie erzeugen keine Nachhaltigkeit und erzeugen anscheinend ein Artensterben besonders wertvoller Nutztiere wie Bienen und den Schmetterlingen. Das liegt vielleicht auch nur daran das die Genmanipulation in der Öffentlichkeit bislang nicht richtig verstanden wurde, es geht hier nicht um langfristige Maximierung der Erträge, aber wahrscheinlich darum das mit dieser Form der Monopolisierung des Saatgutes sehr hohe Profite erzeugt werden können, denn immerhin wurden die großen Saatguthersteller zu Monopolisten, die auch gleich den Dünger verkaufen können, was nun wiederum in der Politik sehr wohl eine breite Unterstützung findet.

Systemische Anbieter werden von der Weltbank, WTO, EU, USA sehr stark unterstützt. Entwicklungsländer mussten ihre Märkte öffnen und da die neuen gentechnisch veränderten Produkte von den Exportländern stark subventioniert wurden, erreichte man das die heimischen Saatgutsorten in den betroffenen Ländern praktisch vom Markt verschwanden. Die Vorstellung das weltweit einheitliches Saatgut produziert und verkauft werden kann ist zwar ganz nett und scheint vom profitorientierten ökonomischen Standpunkt der Agroriesen auch geboten, jedoch für die Biodiversität im allgemeinen kommt dieses einer Kriegserklärung gleich, da einheitliche Saatgutsorten zu einer Ausdüngung des genetischen Pools von Nutzpflanzen in den einzelnen Regionen führt. Außerdem sind diese Sorten nicht an die regionalen Gegebenheiten der umliegenden Ökosysteme angepasst, so das es auch zu negativen Rückkopplungen auf diese kommen kann. Zweitens führen systemische Toxine einen kleinen Krieg auch gegen zahlreiche Microorganismen, Würmer und anderer nützlicher Tierchen, kontaminieren den Boden und letztendlich auch das Grundwasser dauerhaft, was nun zu einer Verarmung der Biodiversität und Minderung der natürlichen Fruchtbarkeit der Böden selber führt.

Jeder kann dieses nachvollziehen, man muss nur mal nach einem Monat einen abgeernteten Acker betreten und mit der Hand die Bodenkrume öffnen, sie werden kaum mehr Kleinstlebewesen finden. Drittens führt dieses zwangsläufig zur Verarmung an mineralischen Substraten im Boden, was nur durch den Einsatz von Kunstdünger behoben werden kann, so das sich unter anderem wiederum die Nitratbelastung im Grundwasser erhöht. Viertens durch die intensive Landwirtschaft selber kommt es zur verstärkten Erosion der Böden, aber auch zu der Bodenverdichtung, was langfristig mit der Substratverarmung der Böden diese langfristig unbrauchbar macht für den Anbau von Lebens- und Futtermittelpflanzen. Sechstens: die schädlichen Wirkungen der Unkrautvernichtungsmittel geht auch zu Lasten der ländlichen Bevölkerung in den Anbaugebieten der gentechnisch veränderten Pflanzen. Die neueren Erkenntnisse aus Brasilien und Argentinien bestätigen auch Beobachtungen von Vergiftungen bei Mensch, Tier und zum Teil sogar den Ernten selber, so das sie unverkäuflich wurden, wie aus einigen Ländern Südamerikas berichtet wurde. Auf den Philippinen zum Beispiel haben diese Monopolisten es geschafft die Agrodiversität von Reis, Bananen und anderen Nutzpflanzen stark auszudünnen, von ursprünglich ca. 5500 Sorten Reis werden nur noch wenige Sorten vertrieben. Untersuchungen der Polytechnic University of the Philippines und der Central Luzon State University wiesen nach das der Ausstoß von Triebhausgasen und der Wasserbedarf beim Anbau der alten Reissorten wesentlich geringer ist als bei den neuen Reissorten der Multis und der Mehrertrag der neuen Reissorten liegt lediglich 5 % über dem der alten Sorten. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen Untersuchungen bei gentechnisch veränderten BT-Mais in den USA, was besonders bedenklich ist. Da es gerade in Trockenperioden (2003, 2007, 2010 Deutschland, 2008, 2010 Philippinen, 2012 USA) zu erheblichen Ernteausfällen gerade bei den wachstumsoptimierten Turbopflanzen kommt.

Dies liegt daran, dass der züchterische Fortschritt eigentlich höhere Ertragspotenziale erbringen soll, aber damit auch der Wasserbedarf und der Substratbedarf zwangsläufig steigt, damit die Pflanzen die Biomasse überhaupt produzieren können. Außerdem sind die Pflanzen wachstumsoptimiert, d.h. das bei Maissorten die für die Energieerzeugung optimiert wurden ursprünglich ein Ertrag von 300 dt/ha für möglich gehalten wurde, dies liegt auch weit über den heutigen Silomaiserträgen (ca. 180 dt/ha). Aber dieses Potenzial kann aber nur bei ausreichender Wasserversorgung und Nährstoffversorgung ausgeschöpft werden, also in Regionen mit deutlich mehr als 800 mm Jahresniederschlag und ein zweiter Punkt die Niederschläge müssen relativ regelmäßig erfolgen, längere Trockenphasen führen zu Wachstumsstress in den kurzen feuchteren Perioden, was unter anderem zu Fehlentwicklungen beim Wachstum dann führt, denn aus nichts kann selbst eine Gentechnisch veränderte Pflanze keine Biomasse erzeugen, auch wenn Politiker und Journalisten gerne auf die Idee von Getreidefeldern und Maispflanzen in der Wüste verweisen. Letztendlich muss die Vorstellung das in Zeiten des Klimawandels gentechnisch veränderte Pflanzen die Ernährungssicherheit sichern oder den Bauern in den Entwicklungsländern helfen höhere Erträge und damit das Einkommen zu verbessern wohl in das Reich der Mythen verbannen. Auch erinnern die Ideen der Protagonisten der Gentechnik an den Beginn des Atomzeitalters, als noch Anfang der 1950er Jahre prognostiziert wurde das selbst Flugzeuge, Autos und selbst die Kaffeemaschine atomar betrieben werden würden, in Zukunft. Man muss selbst nach dem kurzen Zeitraum in dem die Genpflanzen eine praktische Anwendung finden wohl konstatieren das genveränderte Pflanzen, im besonderen, und die Agroindustrie, im allgemeinen, weit mehr langfristige Probleme verursachen als sie zu lösen im Stande sind.

Genpflanzen und die Biodiversität
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