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Die Logik des Unmöglichen

Veröffentlicht am von Gerald Tauber

Jeden Tag hört man von ihm, den Krieg gegen den Terror, das obwohl dieser Begriff offiziell seit einiger Zeit nicht mehr angewendet wird. Jeden Dienstag morgen sitzt ein Mann in einem weißen Haus im Zentrum von Washington und unterschreibt Befehle, bei einer heißen Tasse Kaffee, das jemand irgendwo in Afghanistan, Pakistan oder Jemen sein Leben auszuhauchen hat und das für immer. Es ist ein mächtiger Federstrich der Menschen das Leben nehmen kann und andere glauben das sie auf den Federstrich zu hören haben. Es ist die Geschichte der Technokratie, der Bürokratie und des blinden Gehorsams, das ein anderer Mann in der Wüste Nevada einen Befehl gereicht bekommt mit Zielkoordinaten, vielleicht noch einen Namen und eine Beschreibung des Objektes oder des Aussehens des Gesuchten.

Hoch oben am Himmel kreist eine Drohne über Waziristan gelenkt von jenem Mann in Nevada, der über hochauflösende Kameras sein Zielobjekt sucht. Er sieht sein Ziel und verglicht es mit der Beschreibung und gibt seinem Vorgesetzten ein Zeichen, das er das Ziel gefunden hat, dieser verglicht den Mann auf dem Bildschirm mit der Beschreibung und gibt sein Go für die Beendigung der Operation. Der Operator drückt auf einen Knopf und eine Rakete löst sich vom Flügel und auf einem anderen Bildschirm sieht man das Ziel schnell immer näher kommen, bis die Übertragung anbricht. Auf dem zweiten Bildschirm des Operators sieht man eine Explosionswolke in einer Staubwolke gehüllt, die sich schnell entfernt. Eine Woche später berichtet der Geheimdienst von 10 Kollateralschäden und das die Operation wiederholt werden müsse, da sich das Zielobjekt zufälliger Weise gerade nicht zu gegen war und man einer Verwechslung erlegen war. Zehn Tage später berichten die Medien von einem heimtückischen Überfall von Terroristen auf einen Konvoi in der Grenznähe und bei dem Überfall drei Soldaten getötet wurden. Der Mann im Weißen Haus schwört öffentlich Rache, verurteilt die Heimtücke des Feindes und da das eigentliche Zielobjekt ja immer noch lebt schickt man wieder eine Drohne über den Himmel von Waziristan. Diesmal berichtet der Geheimdienst das das Zielobjekt eliminiert wurde und 14 Kollataralschäden zu verzeichnen waren. Die Angehörigen der Kollateralschäden schwören Rache und verurteilen die Heimtücke des Feindes. Ein paar Tage später sterben 4 Soldaten bei einem Sprengstoffanschlag und die Logik des Terrors beginnt von vorne und so schraubt sich die Spirale des Terrors und Gegenterrors immer weiter nach oben.

In den Medien oder im Internet werden immer wieder einmal Videos veröffentlicht wenn Drohnen ihre tödliche Last irgendwo über Pakistan, Jemen oder Somalia abladen und irgendwelche Menschen die Lebenskraft rauben und sie Tod auf dem kalten Boden liegen, aber die Folgen der Explosionen sieht man dann schon nicht mehr. Denn die Logik der modernen Kriegsführung gebietet: das es keine Toten gibt, sondern nur Zielobjekte und Kollateralschäden. Zum Eliminieren von Zielobjekten und zum bedauern von Kollateralschäden, zum schmieden von Rache benötigt man Waffen und von denen benötigen die Rachesuchenden einige. Auf dem blauen Planeten werden jedes Jahr etwa anderthalb Billionen Dollar für Waffen ausgegeben und für den angeschlossenen Apparat noch mal soviel, daraus folgt, dass auch sehr viele Menschen ihren Lebensunterhalt mit den Krieg verdienen. Aus diesem Grund ist es wohl richtig, den Krieg als beständiges soziales, politisches und ökonomisches Problem anzusehen, dieses obwohl doch alle wissen, dass der Krieg eine der Hauptursachen für das Leiden der Menschen ist. Leid erzeugt auch Schmerz, Wut und Hass und man möchte den Grund für das Leid ausmerzen, da man zukünftig kein Leid empfinden möchte. Den Grund für unser Leid können wir bei uns selbst suchen, aber bevorzugt auch bei anderen. Das bekannteste Beispiel war jener 9/11 und die darauffolgende Bombardierung der Dörfer in Afghanistan. Aus Leid können auch Feindbilder entstehen und in dieses Feindbild stecke ich alle negativen Wesenseigenschaften hinein, um den Feind, den Terroristen, zu Entmenschlichen und erschaffe damit erst das Bild des Taliban, welches seit Jahren in den Medien kursiert. Denn man tötet keine Menschen, denn wir sind ja humanistisch Gebildet und tun nur gutes.

Dieses Gute sieht man auch an der Entwicklung der Aktienkurse der Firmen, deren Zugehörigkeit mit den Worten militärisch industriellen Komplex umschrieben werden kann. Ein freundlich dreinblickender Mann erklärt vor laufender Kamera von der positiven Entwicklung der Geschäftsumsätze und das die Waffensysteme, die seine Firma wohl herstellt, wohl zu den präzisesten und den zuverlässigsten auf dem Markte gehören und man sich doch sehr erfreut darüber zeigt, einen neuen Auftrag der Regierung erhalten zu haben, wie auch die positive Entwicklung der guten Beziehung seiner Firma zur Regierung, Militär usw. widerspiegelt und zu einer wechselseitigen Partnerschaft geführt habe. Wie schon einmal Dwigth D. Eisenhower bemerkte : "Wir waren dazu gezwungen, eine riesige Rüstungsindustrie aufzubauen. … Die Verbindung, die das militärische Establishment und die gewaltige Rüstungsindustrie miteinander eingegangen sind, ist eine neue Erfahrung für die USA. Der totale Einfluss (dieser Industrien) – in ökonomischer, politischer und sogar geistiger Hinsicht – ist in jeder Stadt, in jedem Parlamentsgebäude und in jedem Büro der Bundesregierung spürbar. … Wir dürfen ihren gewaltigen Einfluss nicht unterschätzen. Er wirkt sich auf unser Arbeitsleben, unsere Ressourcen und unser Lebensart aus und natürlich auch auf die Struktur unserer Gesellschaft. … Wir müssen uns vor unbefugtem Einfluss des militärisch-industriellen Komplexes schützen – unabhängig davon, ob er beabsichtigt oder unbeabsichtigt ist. Das Potential für die katastrophale Zunahme fehlgeleiteter Kräfte ist vorhanden und wird weiterhin bestehen. Wir dürfen es nie zulassen, dass die Macht dieser Kombination unsere Freiheiten oder unsere demokratischen Prozesse gefährdet. Wir sollten diese nicht als gegeben hinnehmen."

Wie gut das wir doch Feinde haben, was uns Gelegenheit gibt den militärisch industriellen Komplex (MIK) zu fördern in seiner Zielsetzung die Freiheit, den Frieden und Wohlstand der Nation zu bewahren und so blieb dem militärisch-industriellen Komplex dann auch der Alptraum einer "Friedensdividende" erspart. Auch der erste Präsident der USA warnte vor: „wuchernden militärischen Strukturen, die unter jeder Regierungsform der Freiheit abträglich sind, vor allem aber die republikanische Freiheit bedrohen.“

Auch in Deutschland ist dieser Einfluss des MIK durchaus spürbar. Fuhr doch Frau Merkel 2011 nach Afrika nicht um die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu verbessern, sondern um Waffen zu verkaufen und sich in Kenia mit dem Hungertod anderer vertraut zu machen. Auch nach Indonesien fuhr sie 2012 nicht wie in der Presse eindrucksvoll schwadroniert wurde um den Präsidenten Hudoyono Putzanweisungen für seinen Präsidentenpalast zu geben, sondern um Leopard II zu verkaufen und Waffentechnik Made in Jerman macht doch jeden Indonesier an. Immerhin wurde Deutschland auch zum drittgrößten Exporteur von Waffentechnik und exportiert in nahezu alle Spannungsgebiete um die Menschrechte zu schützen, wie nach Saudi Arabien, Bahrein oder Israel. Auch geht die Bundeswehr in die Schulen um für sich zu werben und welcher kleiner Junge oder Jugendliche finden Waffen nicht toll, denn auf dem Schlachtfeld da knallt es und es macht Bum. Unsere Politiker reden dem Volke ein das wir nur gute Absichten verfolgen, wenn sich die Bundesrepublik militärisch im Ausland engagiert, nicht umsonst wurde die ehemalige Pazifistenpartei die Grünen zum einflussreichen Befürworter von humanitären Interventionen. Auch nicht umsonst wird die Freiheit und Demokratie am Hindukusch verteidigt, aber wehe ein Afghane käme auf die Idee die Freiheit am Brandenburger Tor zu verteidigen.

Das die Soldaten der Bundeswehr keine Blumen verteilen, Schulen und Hospitale bauen dürfte zwar jedem aufgefallen sein, der die Berichte über den Einsatz der Truppe einmal so durchliest, aber wer liest die schon, denn sie sind im allgemeinen auch geheim. Das der Freiheitsfürst in Schloss Bellevue militärische Gewalt wohl positiv sieht um negative Gewalt zu überwinden ist nicht besonders erstaunlich, immerhin gehört er zur Krone der Schöpfung und passt wohl eher ins 15. Jahrhundert als Europa die Welt zu christianisieren begann. Was positive oder negative Gewalt überhaupt darstellt bleibt wohl auch unklar, denn hier wird eine persönliche Sichtweise auf die Gewalt angewendet: meine Gewalt ist immer positiv denn sie schützt mich, die Gewalt meines Gegners ist immer negativ denn sie schädigt mich. Ergo benötigen wir wieder die bekannten Feindbilder um die Gewalt zu legitimieren. Dieses alles zu Nutzen des MIK und seinen Shareholdern, denn wenn wir keine Feindbilder mehr hätten und die Welt nicht mehr in Gut und Böse einteilen, wozu brauchen wir dann noch den MIK? Die Logik des Terrors gebietet es das wir Feinde haben und wir sind schon ganz schön arm dran, vor lauter terrorwilligen Salafisten, der islamitischen Gefahr, Russen die uns den Gashahn abdrehen, der gelben Gefahr die uns mit Billigwaren überschüttet und der Megaterrororganisation Al-Qaida, die immer wie Kai aus der Kiste auftaucht wenn das MIK und die Politik uns einen Waffendeal schmackhaft machen will.

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